Geschichte des Schlosses wie ein Puzzle zusammengefügt


Geschichte des Schlosses wie ein Puzzle zusammengefügt
Belgier Georges Vermandel für Verdienste mit Rheinlandtaler geehrt

Von unserer Redakteurin Stephanie Peine
Bensberg – „Was ihn besonders an seinen Forschungen reizt, sind und waren die Lücken in der Geschichte des Schlosses, die dunkle Vergangenheit. Es ist für ihn wie ein Puzzle", sagte seine Tochter einmal über ihn. Der Mann, der die Einzelteile dieses Puzzles kunstvoll und mit Akribie zusammenfügte und immer noch daran arbeitet, geschichtliche Lücken zu schließen, wurde nun mit dem Rheinlandtaler ausgezeichnet: Georges Vermandel, Erzieher am Atheneum, erforschte mehr als 25 Jahre lang die Geschichte des Bensberger Schlosses.
Die Auszeichnung wird stets an eine Persönlichkeit vergeben, die sich ehrenamtlich mit der Geschichte und der Natur des Rheinlands beschäftigt und sich damit besondere Verdienste erworben hat. „Wie feiern heute eine Premiere", sagte Bürgermeister Holger Pfleger vor den zahlreichen Gästen, die zur Feierstunde ins Schloß gekommen waren. „Erstmals wird eine der höchsten Ehrungen des Rheinlandes an einen unserer belgischen Freunde vergeben."
Vermandel, vom ehemaligen kurfürstlichen Jagdschloß des Baumeisters Matteo D'Alberti fasziniert, sammelte alle verfügbaren Informationen über das Gebäude und wertete sie aus. „Konsequent hat er sein Anliegen verfolgt, durch Aufarbeiten der gesamten Baugeschichte dieses Denkmals, von den Bauplänen bis hin zur Gegenwart, ein möglichst klares und lückenloses Bild seiner Geschichte zu fassen", sagte Jürgen Wilhelm, Vorsitzender der Landschaftsversammlung Rheinland, in seiner Laudatio. Zur Geschichte des Schlosses habe für Vermandel auch immer die Geschichte seiner Bewohner gehört. So wurde der Belgier Vermandel „zu einem der profundesten Kenner Bensberger Orts- und Regionalgeschichte", urteilte Wilhelm. Vermandel suchte stets auch Kontakt zu Leuten, die einige Zeit ihres Lebens im Schloß verbracht hatten. Regelmäßig traf er sich mit den letzten Schülern der ehemaligen preußischen Kadettenanstalt, die von 1840 bis zum Ende des ersten Weltkrieges im Schloß Bensberg untergebracht war. Die Informationen der ehemaligen Kadetten fügte Vermandel wie Mosaiksteinchen in das Gesamtbild der Schloßgeschichte ein, ebenso wie die Auskünfte der ehemaligen Schüler der „Napola", der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt der Nationalsozialisten, die während der Nazizeit im Schloß untergebracht war.
Das Engagement des Hobbyforschers, das Vermandel auch manches Finanzopfer abverlangt habe, wie Wilhelm hervorhob, fand seinen Niederschlag in einer Dauerausstellung, die den Besucher über die Geschichte des Schlosses informiert. „Mit Ihrer rastlosen Arbeit haben Sie einen sehr wichtigen Beitrag für die Aufarbeitung unserer Heimatgeschichte geleistet und damit für die gesamte Kulturregion zwischen Maas und Rhein", sagte Wilhelm, bevor er Vermandel den Rheinlandtaler, der das Gesicht der Medusa zeigt, überreichte. Wer in der Antike ein Amulett mit ihrem Abbild trug, stand unter dem ganz besonderen Schutz der Medusa.
„Das Schloß ist mir sehr ans Herz gewachsen", sagte Vermandel, der die Auszeichnung sichtlich bewegt entgegennahm. „Als ich vor einigen Monaten erfahren habe, daß ich als Preisträger ausgewählt worden war, fühlte ich mich etwas benommen", verriet er. Er hoffe, seine Tätigkeit noch einige Jahre fortsetzen zu können und einen würdigen Nachfolger zu finden, wenn er einmal nach Belgien zurückkehre.

NEUER TRÄGER DES RHEINLANDTALERS: Georges Vermandel (M.) bei der Verleihung mit Jürgen Wilhelm (r.) und Bürgermeister Holger Pfleger.    Bild: Günter Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19901113
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011