Vor 150 Jahren ist das Bensberger Schloß Kaserne geworden


Vor 150 Jahren ist das Bensberger Schloß Kaserne geworden
„Kein Ruhmesblatt"
Ältester Bensberg-Kadett ist 97 Jahre — Dr. Saffran berichtet

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Bensberg — Es war am 4 .Oktober vor 150 Jahren. An diesem Tage wurde Jan Wellems Barockschloß in Bensberg nach Umbauten als preußische Kadettenanstalt in Betrieb genommen. Dr. Gerhard Saffran, ehemaliger Bensberger Kadett, 88 Jahre alt, hat seit vielen Jahren nicht nur historisch geforscht, sondern auch den Kontakt unter den „Ehemaligen" gehalten. „Von den ehemaligen Kadetten leben noch 24", teilte er mit. Der jüngste sei 82, der älteste 97 Jahre alt.
Dr. Saffran berichtete, daß aus Anlaß der Einweihung des Kadettenhauses am 4. Oktober in der Kapelle ein Gottesdienst gehalten wurde, in dem Pfarrer Hermann Höpfner die Predigt hielt. Der Tag war aus heutiger Sicht ein Trauertag, denn das Schloß war zur „Kaserne" geworden. Die Stiftungsurkunde des Bensberger Kadettenhauses stammt vom 28. Juni 1837 und ist vom preußischen König Friedrich Wilhelm unterzeichnet. Die Urkunde bestimmte, daß mit Ermittlung der baulichen Einrichtungen, der inneren Ausstattung und der Kosten begonnen werden sollte. Was der Garnisonbaudirektor, Hauptmann Schnitzler war sein Name, aus dem prächtigen Barockschloß gemacht hat, soll selbst dem König die Tränen in die Augen getrieben haben. Nicht Einquartierungen fremder Truppen oder die wechselnden Lazarette, auch nicht der „Zahn der Zeit", sondern einzig und allein preußische Baubeamte haben das einst so prächtige Barockschloß des kunstsinnigen Fürstenpaares Johann Wilhelm und Anna Maria Louisa von Medici so gründlich ruiniert, daß es seitdem nicht mehr wiederzuerkennen war. So sind denn bis heute die Menschen, die das Schloß gelegentlich besichtigen, maßlos enttäuscht, daß die herrscherliche Anlage im Innern kaum mehr Schloßcharakter besitzt.
Was damals geschehen sei, so wird auch in dem Buch „Kadetten ihrer Könige" (K.H.von Brand/Helmut Eckert) festgestellt, sei „kein Ruhmesblatt für die mit der Umgestaltung Beauftragten" gewesen. „Die reichen Stukkaturarbeiten und wertvollen Malereien, die einst Goethe auf einer Rheinfahrt bewundert hatte, wurden zerstört, mit kostbaren Fresken geschmückte Saaldecken durchbrochen, Marmorkamine herausgerissen ... und die schöne bleigedeckte und innen mit Marmor verkleidete Kapelle wurde vernichtet. Letztere war so fest gebaut, daß man ihr mit Pulver zuleibe rückte. Infolge einer vorzeitigen Zündung begrub einbe einstürzende Mauer sieben Arbeiter unter sich."
Zu den prominentesten Bensberger Kadetten zählten der Generalfeldmarschall Friedrich Ernst von Bock, der Kriegsminister Karl von Einem, der Generalfeldmarschall Ernst Busch, der Generalfeldmarschall Werner von Blomberg und der Reichskanzler Franz von Papen.

VOR 150 JAHREN wurde Schloß Bensberg Kadettenanstalt. Die Lithografie stammt aus jener Zeit.

Quelle: 
KStA-19901004
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011