An der Schloßmauer auf Schutzkeller gestoßen


An der Schloßmauer auf Schutzkeller gestoßen
Fluchtwege der Napola-Schüler — Restaurierung verzögert?

Von Christoph Richter
Bensberg — Mit diesem Fund hatte niemand gerechnet: Bei den Restaurierungs-Arbeiten an der Schloßmauer sind die Arbeiter auf einen Luftschutzkeller gestoßen. Im Zweiten Weltkrieg versuchten sich hier die Schüler der Nationalpolitischen Erziehungsanstalt (Napola ) vor den Bomben der Alliierten in Sicherheit zu bringen. Mitte des 19. Jahrhunderts sind die Gewölbe als Pferdeställe genutzt worden. Als die Arbeiter nun die erste Verschalung der Mauer abtragen wollten, entdeckten sie auf der Südseite den Notausgang des Luftschutzkellers.
Ratlosigkeit herrschte noch gestern beim Staatshochbauamt in Köln. In der Abteilung für Denkmalpflege wußte noch niemand, wie die Bauarbeiten jetzt fortgesetzt werden sollen. Die Arbeiter hatten an der Ostseite des Schlosses zusätzlich ein Loch entdeckt, das prompt in die Kellerräume führte. Vorsorglich wurde es wieder zugeschüttet, bis das .Denkmalpflegeamt eine Entscheidung getroffen hat.
Die Nazis hatten durch das vormalige Mauerfenster einen Fluchtweg angelegt. Das Fenster wurde mit Backsteinen zugemauert und eine kleine Stahltür eingelassen. Die Mauer, die bei den Verschalungsarbeiten jetzt zum Vorschein kam, ist, so schätzt eine Sprecherin der Staatlichen Denkmalpflege, etwa 55 Jahre alt. Nach dem Krieg wurden die Ausgänge wieder durch die Natursteinfenster verdeckt.
Georges Vermandel, Erzieher im belgischen Internat, erklärt: „Der Südflügel des Schlosses war komplett unterkellert. Die Luftschutzkeller waren in verschiedene Abteilungen gegliedert. jeder Abschnitt war mit einer eigenen Stahltür gesichert. Aus den Jahren von 1934 bis 1937 besitzen wir noch die genauesten Pläne und Zeichnungen. Was bei den Umbauten 1842 alles verändert wurde, ist unklar."
Die ehemaligen Pferdeställe wurden damals zum Teil zugeschüttet. Vermandel meint, daß insgesamt drei Fluchtwege von den Nazis angelegt worden sind. Damit die Napola-Schützlinge genügend Luft und Licht bekamen, soll es sogar stahlgesicherte Fenster in den Gewölben gegeben haben. Die Mauer besitzt an der Fundstelle eine Stärke von 2,4 Metern, während sie sonst nur 180 Zentimeter dick ist. Obwohl sich die Kellerräume auf derselben Höhe wie die Kadettenstraße befinden, muß diese Stärke ausgereicht haben, um genügend Schutz vor Bomben zu bieten.
Ob die Restaurierungsarbeiten durch den Fund verzögert werden, war gestern noch unklar. Eigentlich soll die Mauer-Restaurierung im Sommer 1993 abgeschlossen sein.

EINEN UNERWARTETEN FUND machten die Bauarbeiter bei der Restaurierung der Schloßmauer an der Kadettenstraße: Sie entdeckten den Notausgang eines Luftschutzkellers aus dem Zweiten Weltkrieg an der Südseite (links) und ein Loch, das direkt in die Kellergewölbe führt (rechts).    Bilder: Albert Günther

Quelle: 
KStA-19910313
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011