"Aus" für das Progymnasium?


"Aus" für das Progymnasium?
Rat lehnte Zuschußantrag ab — 5000 Bürger können nicht mehr betreut werden

Von Hans Kloep
Bensberg — Entsetzt nahmen die Vertreter von rund 50 Besuchergruppen des Progymnasiums in einer eilig einberufenen Versammlung davon Kentnnis, daß für sie am 15. April das „Bürgerzentrum" geschlossen werden muß, weil die Stadt dem Verein „Progymnasium" eine sogenannte Koordinierungskraft verweigert hat.
Die Mehrheit des Rates (SPD, FDP und Die Grünen) hat den Antrag des Vereins „Progymnasium" auf Bezuschussung der Personalkosten in Höhe von 80 Prozent abgelehnt. Wie die Vorsitzende des Vereins, Ragna Bohne, auf Anfrage erklärt, hätte die Stadt jährlich dafür etwa 50 000 Mark aufbringen müssen.
Die Versammlungsteilnehmer faßten den Beschluß, sich mit einer Resolution an den Rat der Stadt Bergisch Gladbach zu wenden. Darin heißt es unter anderem, sie seien über das fehlende Verständnis der Stadt für die im Progaymnasium geleistete Sozialarbeit mehr als enttäuscht. Es würden hier mehr als 5000 Mitbürger der Stadt betreut. Nun könne die Arbeit für sie nicht mehr fortgesetzt werden. Sie fordern den Rat der Stadt Bergisch Gladbach auf, die Entscheidung zu revidieren und die Mittel für die Koordinierungskraft sofort zu bewilligen. Schließlich bitten sie Vertreter der Ratsfraktionen zu einem Gespräch am 18. April ins Progymnasium, um mit ihnen die weitere Entwicklung des Hauses zu erörtern.
Verärgert über die ablehnende Haltung des Rates zeigte sich auch die Vorsitzende des SPD-Ortsvereins Bensberg, Gudrun Bauer, die nach Auskunft der Vorsitzenden des Vereins „Progymnasium" erklärt haben soll: „Ich schäme mich für meine Partei." Aber auch der Vorsitzende der „Deutschen Rheuma-Liga", Heinz-Günter Gronemeyer, hielt mit seinem Unmut nicht zurück. „In der entscheidenden Ratssitzung hat mein Demokratieverständnis erheblich gelitten", sagte er. Gerade seine Mitglieder, die im Progymnasium Hilfedurch Übungsstunden erhielten, ständen nun auf der Straße. Ähnlich äußerten sich auch Vertreter des Allergiker- und Asthmatikerbundes, der Deutschen Multiple Sklerose Gesellschaft, der Behindertensportgemeinschaft und der Selbsthilfegruppen.
Ragna Bohne bedauerte die Schließung des Hauses. Aber mit ehrenamtlichen Kräften habe der Verein die immer größer werdenden Aufgaben nicht mehr bewältigen können. Die Koordinierungskraft habe nicht nur die Vergabe der Räumlichkeiten an die einzelnen Gruppen übernehmen sollen, sondern sei auch dafür vorgesehen gewesen, die vielen Nutzer zu informieren und zu beraten. Täglich kämen neue Besucher ins Haus, die Probleme hätten und um Rat nachsuchten. „Wir haben uns als Anlaufstelle für Menschen mit Problemen längst bewährt und würden gerne weiter mit Rat und Tat allen Bürgern zur Seite stehen. Aber da hat uns die Stadt einen gewaltigen Strich durch die Rechnung gemacht. Nun hoffe ich auf ein Einlenken."

ERNSTE MIENEN IM PROGYMNASIUM: Vertreter der Besuchergruppen werden von der Schließung des Hauses in Kenntnis gesetzt.    Bild: Albert Günther

Quelle: 
KStA-19910414
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011