Bestehen der Nyland-Stiftung gesichert


Bestehen der Nyland-Stiftung gesichert
Tradition der Familie wird weitergeführt
Letzter Wunsch von Ruth Walther erfüllt

Von Annemarie Hanrath-Neller
Bensberg — Die von vielen Bürgern geäußerte Sorge, daß die Nyland-Stiftung nach ihrem Tod verwaist sein könnte, ist nicht begründet (siehe. Kölner Stadt-Anzeiger vom 28./29. September 1985, „Winckler-Haus birgt Schätze der Literatur"). Ihr Großneffe Wolfgang Delseit (Enkelsohn des 1971 verstorbenen Kölner Konzertpianisten Karl Delseit und seiner Frau Elisabeth Delseit, Schwester von Frau Ruth Walther, Gründerin der „Gemeinschaft der Künstler und Kunstfreunde e. V.") führt die Tradition der Familie weiter und hatte sich schon zu Lebzeiten von Frau Walther als Student der Germanistik in Köln in die Belange der Nyland-Stiftung eingearbeitet.
Schwierige Aufgabe
Mit Liebe und Idealismus entspricht er dem letzten Wunsch von Frau Walther, die Stiftung weiterzuführen. Er hat die schwierige Aufgabe bewältigt, den Frankenforster Haushalt aufzulösen und die Geschäftsstelle in ein neu errichtetes Büro nach Köln zu verlegen (Am Hof 28).
Wie berichtet, kann die „Nyland-Stiftung" dieses Jahr auf ein 30jähriges Bestehen zurückblicken, nach der Neugründung 1956. Frau Ruth Walther war bis zu ihrem Tod am 11. Februar 1985 die langjährige Betreuerin und Geschäftsführerin der wichtigen Stiftung.
Wolfgang Delseit brachte in mühevoller Arbeit unversehrt die vielen Bücher, Unterlagen, Manuskripte und Briefe sowie eine eindrucksvolle Bronze-Büste des Dichters nach Köln. Er ordnete die Bibliothek neu und richtete zwei Räume ein, einen Winckler-Raum, in dem ausschließlich Winckler-Werke stehen, und ein Nyland-Zimmer, in dem Werke der „Nyländer", z. T. noch Erstausgaben, stehen, sowie Bücher über Kulturgeschichte, Landschaft und Leute Westfalens, westfälische Märchen und Sagen, Aufsätze von Winckler usw.
Der größte Teil des Archivs ist nach Köln gekommen, ein weiterer Teil nach Rheine, dem Geburtsort des Dichters, wo im zentral gelegenen Stadtmuseum, im sog. „Falkenhof", ein eigenes Winckler-Zimmer existiert, dorthin brachte Delseit alles, was z. B. doppelt vorhanden war, Bücher, die nicht unmittelbar mit Winckler zu tun haben, z. B. Rilke, Remarque, die „Edda", eine Bibel, Oscar Wilde ... seine persönlich bevorzugten Bücher und alles, was laut Testament des Dichters nach Rheine kommen sollte.
Delseit, der den „alten Goethe" liebt, von den Modernen Grass und Wallraff schätzt, will über Leben und Werk Josef Wincklers promovieren. Eine Dissertation über Winckler ist bereits geschrieben worden, 1939-1941.

Thomas Mann nahm Stellung
Delseit ist gewählter Geschäftsführer der Nyland-Stiftung neben dem ehrenamtlich tätigen Vorstand, bestehend aus dem Triumvirat Dr. H. G. Auch, Vorsitzender (Emsdetten), Dr. G. Klug, Notar (Köln), Dr. M. Goost, Rechtsanwalt (Köln). Das Kapital ergibt sich aus Kölner Immobilien des Dichters sowie aus dem Stiftungsvermögen.
Die Neuerscheinungen werden auch aus diesen Quellen finanziert werden. Das Volksbuch „Doctor Eisenbart" war noch unter Frau Walthers Initiative erschienen. Über die historische Gestalt des berühmten Doctor Johann Andreas Eisenbart hat Thomas Mann in den 30er Jahren zweimal in Briefen an Josef Winckler Stellung genommen. Beide Briefe sind archiviert. Thomas Mann spricht von einer „Serie genialisch-grotesker medizinischer Abenteuer".
Die ungekürzte Erstfassung von „Der tolle Bomberg soll im Frühjahr 1986 erscheinen. (Vor 1949 gab es eine Ausgabe im DTV-Taschenbuch, von Winckler selbst redigiert.)
Es werden ferner im 3. Band erscheinen: die Novellen (u. a. Adelaide, Beethovens Abschied vom Rhein), Band 4, Erzählungen und Legenden, Band 5, Gedichte und Verdichtungen, Band 6, Biographische und essayistische Schriften, Band 7+8, 8, Westfälische Dichtungen und Mythen.
So wird das gesamte Werk eines Dichters wieder gewürdigt, eines vielleicht zu Unrecht etwas vernachlässigten Dichters, der bedeutende und im westfälischen Kulturgut tief verankerte Werte hinterlassen hat, der erfüllt war von hoher Sprachkultur und gleichzeitig derb-herzlichem, aber nie vulgärem Ausdruck und Humor.
Es ist zu hoffen, daß er trotz seiner komplizierten und gehoben-ausführlichen, oft schwierig zu lesenden Sprache einen größeren Leserkreis finden wird.

GESICHERT IST die Nyland-Stiftung, die von dem verstorbenen Dichter Josef Winckler (Bildmitte) begründet und von der ebenfalls verstorbenen Ruth Walther (links) betreut wurde.

Quelle: 
KStA-19860529
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011