Referent auf der Suche nach alten Männerhosen


Neues vom Heimatmuseum: In der Aufbauphase der Abteilung „Vom Flachs zum Leinen"
Referent auf der Suche nach alten Männerhosen
Allmählich wird es auf dem Freigelände am Burggraben eng

Von Karin M. Erdtmann
Bensberg — Der städtische Museumsreferent Dr. Wolfgang Vomm ist zur Zeit auf der Suche nach Männerhosen. Die Beinkleider, an denen schon erkennbar der Zahn der Zeit genagt haben muß, sind allerdings nicht für seinen Eigenbedarf bestimmt, sondern für die neue Abteilung des Bergischen Museums für Bergbau, Handwerk und Gewerbe, „Vom Flachs zum Leinen". In dem frisch renovierten Fachwerkhaus Burggraben 21 dokumentiert sie in sechs kleinen Räumen die häusliche Textilherstellung, die im Bergischen Land bis weit ins 19. Jahrhundert üblich war.
Dort sind, neben Ausstellungsstücken aus den Beständen des Museums zahlreiche Gerätschaften aus der Sammlung Reulecke zu sehen. Die Besucher erfahren hier unter anderem, wie die Samenkapseln vom Flachs mit schweren Eisenkämmen abgeriffelt, die Halme gebrochen und die Fasern vom Holz befreit wurden. Auch, was es mit „schwingen" und „hecheln" auf sich hat, wird gezeigt. Großfotos und Schrifttafeln erläutern die dargestellten Arbeitsvorgänge.
Spinnräder, eine Haspel mit Zählwerk und akustischem Signal (ein Hammer schlägt aufs Holzbrett) sowie Spulenrahmen, Zettelkrone und Webstuhl runden die Schau ab. Der Webstuhl soll noch betriebsfertig gemacht und später für Demonstrationen des alten Handwerks eingesetzt werden.
Vomm und die Fördervereinsmitglieder Heinz und Magdalene Trier sind in diesen Tagen damit beschäftigt, letzte Hand an die neue Abteilung zu legen. Nachdem alles gut arrangiert und erläutert ist, bedarf noch der Bereich „Handarbeit und Wäschepflege" einer Aufarbeitung. Stickermeisterin Trier, die in den Aufbau der neuen Abteilung nicht nur ihr Fachwissen, sondern auch einige Objekte eingebracht hat, bezieht zur Zeit die Köpfe und Arme der von einem Kaufhaus zur Verfügung gestellten Schaumgummi-Schaufensterpuppen neu. Sie sollen später ländliche Alltagskleidung zeigen, wie sie auf dem Feld, im häuslichen Bereich oder auch an Festtagen getragen wurde. Ein zwischen den Figuren ange- brachter Spiegel ermöglicht es den Besuchern, an Ort und Stelle Vergleiche zu ziehen.
Für die Puppen fehlen jedoch noch einige Ausstellungsstücke. So sucht das Museum ( 02204/55559) beispielsweise alte Schuhe, zwei Männerhosen (möglichst eine schwarze), ein einfaches Damenkleid (möglichst kein schwarzes), eine einfache Damenschürze sowie einen blauen bergischen Kittel. Die Kleidungsstücke können ruhig abgetragen sein. Einzige Bedingung: sie müssen vor 1914 gefertigt worden sein.
In Hutschachteln und in einer Truhe werden textile Kleinigkeiten bewahrt — fein säuberlich und wohlgeordnet „wie's einstens hielt mein Mütterlein", wie eine aufgestickte Inschrift verrät.
Auch im Außenbereich des Museums gehen die Arbeiten zügig voran. Die im 17. Jahrhundert in Grimberg bei Lohmar entstandene Scheune ist baulich bereits fertiggestellt. Nach dreieinhalbmonatiger Bauzeit sind die Arbeiten am Fachwerkgemäuer und an dem mit Hohlpfannen und Stroh gedeckten Dach abgeschlossen. Im Winter und Frühjahr will man die Inneneinrichtung des historischen Gebäudes in Angriff nehmen. Der Innenanstrich, die Einbringung des Lehmbodens sowie der Aufbau des Pferdegö- pels vor dem Gebäude stehen noch aus. Das Projekt unter der Federführung des mittlerweile über 400 Mitglieder zählenden Fördervereins schlägt mit insgesamt 100000 Mark zu Buche (50 Prozent trägt die Stadt, 25 Prozent das Arbeitsamt im Rahmen einer Arbeitsbeschaffungs-Maßnahme).
Der begehbare Heuboden soll vielleicht schon zum Museumsfest im August 1987 die Entwicklung vom bäuerlichen Hauswerk zum Handwerk und die Organisation des Handwerks in der hiesigen Region dokumentieren. Im Erdgeschoß werden landwirtschaftliche Maschinen ausgestellt. Offen ist nach den Worten Vomms nur noch, ob die Stadt im nächsten Haushalt die Mittel für die Ausstellung bereitstellt. Auf dem Freigelände ist jetzt nur noch Platz für den geplanten Aufbau des Hauses Gartenstraße 13, das vielleicht dem Bensberger Verkehrsbauwerk weichen muß. Eine Erweiterungsmöglichkeit bietet sich jedoch auf dem oberhalb des Museumsgeländes gelegenen Parkplatz. Wenn dort eines Tages der Gronauer Hof aufgebaut werden könnte, sind laut Vomm auch kleinere Wechselausstellungen möglich. Und noch einen Wunsch hat der Museumsreferent: Er hätte für das Museum gern die Originalausstattung einer bergischen Zinngießerei, die er seit Jahren schon vergebens sucht.

DIE SCHEUNE STEHT: Im historischen Gebäude aus Grimberg bei Lohmar soll die Entwicklung vom bäuerlichen Hauswerk zum Handwerk dokumentiert werden.    Bilder: Albert Günther

EINE PAFFRATHER HOCHZEITSGESELLSCHAFT um die Jahrhundertwende (links) bildet den Hintergrund für die Ausstellung ländlicher Alltagskleidung. Magdalene Trier untersucht die Dinge, die zur Zeit noch in Hutschachteln lagern.

Quelle: 
KStA-19861110-rn9
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011