Komponist Franzjosef Frey wird 80 Jahre


Komponist Franzjosef Frey wird 80 Jahre
Ein Leben im stillen Dienst an der Muse
Über 40 Jahre in Frankenforst zu Hause

Von Annemarie Hanrath-Neller
Frankenforst — „Kunst, vor der man ratlos steht, ist keine Kunst. Musik soll gefallen, bewegen, subjektiv etwas ausdrükken, sonst ist Musik zwecklos", ist die künstlerische Devise des heimischen Komponisten und Musikpädagogen Franzjosef Frey, der heute 80 Jahre alt wird, bis ins hohe Alter sich seinen Kompositionen widmet und lebendig geblieben ist im Herzen einiger Generationen von Schülern.
Der 1907 in Köln-Ehrenfeld geborene erste von drei Söhnen musikalischer Eltern war 1942 nach der sogenannten „Tausend-Bomber-Nacht" in den Frankenforst geflüchtet, wo er im wahrhaft idyllischen Refugium von Freunden in der Brüderstraße einen Neubeginn suchte. Studiert hatte er an der Kölner Musikhochschule in den Jahren 1925-29, wo er dank seiner Begabung ein Stipendium erhalten hatte: Komposition und Theorie bei Hermann Unger, Kontrapunkt und Instrumentation bei Philipp Jarnach. Unger (Schüler von Reger) und Jarnach (Schüler und Freund von Busoni) bezeichnet Frey als seine „geistigen Grundpfeiler".
Die in der Frankenforster Idylle verlebten Jahre waren für Frey die schönsten und fruchtbarsten seines Lebens. Wie von selbst kam er hier zum Studium der Vogelstimmen und betrieb eine regelrechte Feldornithologie. Herausragendes Ergebnis dieser schöpferischen Phase ist zum Beispiel die Vertonung des vierzeiligen Goethe-Gedichtes „Philomele" für Sopran, Flöte und Streichquartett.
Motive der Amsel — für Frey die wahre Philomele — sind in diesem Werk verarbeitet, besonders im Wechselspiel zwischen Sopran und Flöte. Das Werk wurde mit Erfolg im Rahmen der „Bergisch-Schlesischen Musiktage" 1976 in der Villa Zanders aufgeführt. Silvia Nitsche, Tochter des verstorbenen Musikpädagogen, Dirigenten und Chorleiters Paul Nitsche, übernahm die Sopranpartie.
„Sonnengesang des Echnaton"
Frey, der sich längere Zeit mit ägyptischer Mythologie befaßte, vertonte für Nitsche 1956 große Teile aus dem „Sonnengesang des Echnaton" für Soli, Chor und Bläserorchester. Das Werk wurde vom Städtischen Chor Leverkusen unter Leitung von Paul Nitsche uraufgeführt. Auch Günter Wand, der langjährige Gürzenich-Kapellmeister, hat mit Frey zusammengearbeitet und Werke von ihm im WDR aufgeführt.
1954 hatte Frey „die Schöpfungsfeier" aus dem „Mutterbuch" von Josef Winckler vertont, dem Verfasser des bekannten Schelmenromans „Der tolle Bomberg" (1921). Die Aufführung war damals an der Prüderie dem Text gegenüber gescheitert.
Frey, der schon während des Krieges Gedichte von Eichendorff, Hesse und Brentano vertont hatte, wirkte auch bei den literarisch-musikalischen Abenden des Hermann-Hesse-Archivs in Köln mit, ebenso bei den Konzerten der Goethe-Gesellschaft in Bensberg unter der Leitung der früh verstorbenen Sängerin Cäcilie Neller (1951), mit der er unter anderem das„Marienleben" von Paul Hindemith im Bergisch Gladbacher „Studio für neue Musik" zur Erstaufführung brachte.
Der einsam lebende, seit Jahren verwitwete Künstler ist nie ins Rampenlicht getreten; introvertiert und sensibel ist er in der Stille künstlerisch tätig an seinen Werken, die leider viel zu selten aufgeführt werden. Werke, die im Grunde „romantisch" sind, auch wenn er sich als moderner Komponist mit Schönbergs „Zwölftontechnik", mit seriellen Problemen und „modalen" Studien (Messiaens) auseinandergesetzt hat, so verlangt er doch immer in seiner Musik verständliche rhythmische Verhältnisse und — wenn auch in neuen Formen — erkennbare Melos.
Anläßlich seines 80. Geburtstags ist am 3. April ein Ehrenkonzert mit seinen Werken im Belgischen Haus in Köln geplant im Rahmen der „Gemeinschaft der Künstler und Kunstfreunde", unter anderem: 2. Sonate für Violine und Klavier, Streichquartett in einem Satz, Capriccio für Soloflöte und Klavier, Trio für Violoncello und Klavier.

FEIERT HEUTE seinen 80. Geburtstag: Der Komponist Franzjosef Frey.    Bild: Günter Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19970226
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011