Geld fließt in die Grube


Geld fließt in die Grube
Heuss-Medaille und 10000 DM für D. Menninger und Naturschutzverein

Von unserem Redakteur Jürgen Koch
Rheinisch-Bergischer Kreis — Als anspornende Auszeichnung und Bestätigung der geleisteten Arbeit wertet Dieter Menninger, früherer Vorsitzender des Rheinisch-Bergischen Naturschutzvereins (RBN), die Verleihung der Theodor-Heuss-Medaillie 1987 an die Naturschutzorganisation. Menninger und der heutige Vorsitzende des RBN, Hermann-Josef Roth, nahmen die Auszeichung, mit der eine Zuwendung von 10000 Mark verbunden ist, am Wochenende in Stuttgart entgegen. Mit dem Geld will der RBN eine Aktion zum Biotop- und Artenschutz starten. Gedacht ist auch an das „am meisten gefährdete Biotop im Bergischen"; die Grube Weiß in Bensberg.
Die Vorsitzende der TheodorHeuss-Stiftung, Hildegard Hamm-Brücher, überreichte die Medaille im Neuen Schloß in Stuttgart. An dem Festakt nahmen der baden-württembergische Umweltminister Engler, Stuttgarts Oberbürgermeister Manfred Rommel und Vertreter aller im Bundestag vertretenen Parteien teil. SPD-Oppositionsführer Hans-Joachim Vogel war von der Idee des RBN, in kleinen Ortsverbänden Naturschutz schon bei den Planungen mit-einzubringen so angetan, daß er den RBN nach Berlin einlud. Denn auch dort könne dieser Gedanke greifen, habe ihm Vogel bescheinigt, berichtete Menninger. Junge RBN-Mitglieder hatten eine Ausstellung aufgebaut, mit der die Entwicklung des Vereiens und seine Projekte vorstellt wurden.
Als „beispielhafte Pionierleistung" wird das Engagement Menningers und des RBN in der Verleihungs-Urkunde gewertet. Hervorgehoben wird das Prinzip, Ortsverbände zu gründen, in denen sich Ortskenntnis, Naturschutz und lokales Engagement vereinigen. Dadurch werde eine besondere Breitenwirkung erzielt.
„Piepmatz-Ideologen"
Der Fernsehjournalist Menniger erinnerte in seiner Ansprache an einen Dokumentarfilm über den erschreckenden Landschaftsverbrauch, den er 1969 gedreht hatte. Damals wurden Naturschützer noch als „Piepmatz-Ideologen" belächelt. Menninger wurde zu Filmvorführungen und Diskussion eingeladen, „doch es geschah nichts", erinnert er sich. Als eine Art „Notgemeinschaft" hob er dann 1975 mit Freunden den RBN aus der Taufe.
Damals geisterte noch die A31 durch die Köpfe der Straßenbauer, die das Bergische Land von Norden nach Süden durschschnitten hätte. „Am Anfang fuhren die Naturschützer immer mit Blaulicht hinter den Planer her", beschreibt Menninger die Anfangsphase. In Schmitzbüchel bei Overath gründete der RBN sein Naturschutz-Informationszentrum, später dann die Biologische Station Bergisches Land, die erste wissenschaftliche Einrichtung des Naturschutzes im Rheinland. Immer wieder wurde dem RBN nahegelegt, sich landesweit auszudehnen, der Verein wollte aber lieber in einem überschaubaren Raum wirken.
Bei allem Bewußtsein, das der RBN geschaffen habe, bei allen Erfolgen ließ Menninger aber keinen Zweifel daran, daß „in den wesentlichen Forderungen so gut wie nichts erreicht wurde". Der Landschaftverbrauch sei ungebremst, „die Bagger und Raupen sind am Werke wie 1969", merkte er an. Konkrete Vorschläge des RBN zu einer modernen ökologischen Landwirtschaft — ein spezielles Arbeitsfeld des Vereins — fänden so gut wie kein Gehör, auch nicht die Forderung, den „Naturpfleger" als Ausbildungsberuf anzuerkennen. Zwar gebe es im Bergischen zur Zeit kein Großprojekt im Straßenbau, dafür aber eine „Kurvenbegradigungsmanie", die die Landschaft immer monotoner mache. Allein im neuen Landestraßenbedarfsplan für den Regierungsbezirk Köln seien 179 Kilometer neue Straßen für 805 Millionen Mark vorgesehen.
Wer den Rückgang, der Tier-und Pflanzenarten bedenke, die Zerstörung der Vielfalt der Natur vor Auge habe, der dürfe aber nicht resignieren, meinte Menninger. Der RBN sei eine „kleine Insel der Hoffnung" im Bergischen Land.
Der RBN denkt daran, mit den 10000 Mark eine Aktion zur Rettung der Grube Weiß zu starten. Der RBN werde ein Projekt aussuchen, bei dem der Artenschutz nur durch aktive Hilfe gewährleistet werden kann, bei dem man aber auch schnell zum Zuge komme, erklärte Hermann-Josef Roth. Die Grube Weiß biete sich an, schon weil die Firma Interatom sich stets gesprächsbereit gezeigt habe. Welches Projekt schließlich in Angriff genommen wird, muß der Vorstand noch entscheiden. Mit einem Teil des Geldes soll außerdem eine wissenschafliche Dokumentation über das Siebengebirge unterstützt werden.

DIE GRUBE WEISS gilt als gefährdetes Biotop. Der RBN denkt daran, in Zusammenarbeit mit Interatom eine Rettungsaktion zu starten. Dazu sollen die 10 000 Mark verwendet werden, die der RBN erhielt.    Bild: Günter Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19870310-rn13
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011