Für viele Kirchen baute er die Bänke


Museum informiert über den Schreiner und Politiker Jakob Euler
Für viele Kirchen baute er die Bänke

Von Karin M. Erdtmann
Bensberg — „Einem geehrten Publikum hiermit die ergebene Anzeige, daß ich hier am Orte ein Sarg-Magazin arrangirt habe. Auch empfehle ich mich in Schreinerarbeiten aller Art zu mäßigen Preisen unter Zusicherung prompter und reeller Bedienung." Mit diesen Worten warb im Oktober 1871 der Bau-und Möbelschreiner Jakob Euler (1842-1917) um Kundschaft.
Über das Leben und Wirken des gebürtigen Bensbergers, der unter anderem als „Vater der deutschen Handwerkerbewegung und des Handwerkerschutzgesetzes" gilt, informiert eine Ausstellung, die am Sonntag im Bensberger Museum für Bergbau, Handwerk und Gewerbe eröffnet wird.
Unter dem Dach des Hammerwerkes haben Museumsreferent Dr. Wolfgang Vomm und seine Mitarbeiter zahlreiche Dokumente ausgestellt, die größtenteils aus Privatbesitz stammen. Neben einem Abbild des „rheinischen Handwerkerführers" ist auch ein Foto des Eulerschen Geburtshauses an der Wipperfürther Straße zu sehen.
Gezeigt werden ferner originale Möbelstücke aus der Werkstatt des Bensbergers, wie eine um 1880 entstandene Kommode. mit verzierten Beschlägen, Stuhl, Sessel, Tisch mit Lederauflage und eine um die Jahrhundertwende entstandene Kirchenbank. Die Innenausstattung von Gotteshäusern gehörten mit zu den Schwerpunkten seiner Arbeit; unter anderem war Euler für die Bensberger St. Nikolaus-Pfarre aktiv.
Über Eulers handwerkspolitisches, kirchliches und kommunalpolitisches Engagement informieren zahlreiche Dokumente, die allerdings zu einem großen Teil nur in Form von Fotokopien vorliegen. Unter anderem liegen das Kassenbuch der von Euler begründeten Bensberger Handwerksinnung, Rechnungen aus dem Pfarrarchiv von St. Nikolaus sowie die Protokollbücher der Gemeindevertretungvon St. Nikolaus und des Bensberger Gemeinderates unter Glas.
Der Bau- und Möbelschreiner, der sich später Kunsttischler nannte, war überzeugter Anhänger der Zentrumspartei, Reichstagsabgeordneter sowie Mitglied des Preußischen Landtages. In allen Gremien setzte er sich für die Rechte der Handwerker ein. Im Bensberger Museum sind unter anderem Abschriften einiger der von ihm gehaltenen Reden zu sehen sowie Schriften über den Politiker aus der Schloßstadt. Die neueste ist eine zehnseitige Informationsschrift des Museums, die das Leben Eulers ausführlich dokumentiert.
Bilder vom Trauerzug bei der Beerdigung Eulers am 30. April 1917 bilden den letzten Teil der Ausstellung, die bis 30. August zu sehen ist. Noch heute erinnert in Bensberg ein Straßenschild an den Kunsttischlermeister. Am Zustandekommen der Ausstellung haben die Nachfahren Eulers großen Anteil. Einer von ihnen, der Bensberger Heimatfreund Paul Kürten, hatte bereits zum 70. Todestag des Tischlermeisters eine umfangreiche Dokumentation erarbeitet.

ALS VATER DER HANDWERKERBEWEGUNG gilt der Bensberger Kunsttischler Jakob Euler.

MÖBELSTÜCKE AUS DER WERKSTATT Eulers sind unter dem Dach des Hammerwerkes zu sehen.    Bilder: Albert Günther

Quelle: 
KStA-19870729-rn14
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011