Der Winter gab Mauern jetzt den Rest


Das Land muß als Eigentümer für Schloß Bensberg wieder viele Millionen Mark bereitstellen
Der Winter gab Mauern jetzt den Rest
Wegen Einsturzgefahr Gelände gesichert

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Bensberg — Ein gelindes Erschrecken erfaßt den Bürger beim Anblick eines Schildes am Bensberger Schloß: Einsturzgefahr. Aber gemach, das Schloß ist solide gebaut und erst vor wenigen Jahren in seinem Bestand renoviert worden. Vom Einsturz bedroht ist nur die Umfassungsmauer des einstigen Jagdschlosses von Kurfürst Jan Wellem samt den Brüstungen. An einigen Teilen sind tiefe Einbrüche erfolgt. Das im Schloß untergebrachte belgische Atheneum schlug Alarm.
Regierungsbaudirektor Heinrich Settegast von der Kölner Bezirksregierung hat unverzüglich zur Gefahrenabwendung für Personen Absperrungsmaßnahmen an den einsturzgefährdeten Bereichen vornehmen lassen. Wie zu erfahren war, haben deshalb auch die belgischen Schülerbusse eine andere Route bei der Ausfahrt gewählt. Settegast, der beim Regierungspräsidenten u.a. für die dem Land gehörenden Schlösser wie Bensberg und Brühl zuständig ist, sagte auf Anfrage, daß alles getan werde, die Schäden so schnell als möglich zu beheben. Sie wurden kürzlich von einer Kommission vom Land und der Oberfinanzdirektion in Augenschein genommen. 100 000 DM sind daraufhin noch für 1987 bereitgestellt worden für die Vorbereitung der umfangreichen Baumaßnahmen.
Da beschlossen wurde, die Restaurierung des Mauerwerks samt Brüstungen im gesamten Schloßbereich in einer umfassenden Weise vorzunehmen, um eine Sicherung auf Dauer zu erreichen, muß mit Kosten „von mehreren Millionen" für die Maßnahme gerechnet werden. „Die Endsumme steht noch nicht fest." Ab 1988 sollen sie fortlaufend für die Arbeiten in den Haushaltsplänen bereitgestellt werden. „Das Wichtigste", so Heinrich Settegast, „waren Sofortmaßnahmen zur Abgrenzung der Bereiche, zur Absicherung der Stützmauern und daß keiner gefährdet wird. Der Zustand ist zur Zeit so, daß nichts passieren kann."
„Viel Wasser eingedrungen"
Die Stützmauern und Brüstungen waren, wie man wußte, stark vom Zahn der Zeit zernagt, aber der strenge Winter hat ihnen den Rest gegeben. „Zwischen Mauerkern und Vormauerschale ist sehr viel Wasser eingedrungen", erklärte der Fachmann die Situation, das gefroren war und nach dem Auftauen die Mauern gewissermaßen gesprengt hat." Rein technisch geht es bei der Erneuerung des Mauerwerks um eine Neubefestigung von Mauerkern und Mauerschale.
Die Vollendung dieser Arbeiten am Schloß, für das sich Heinrich Settegast, wie man bei den Belgiern und der Stadt Bergisch Gladbach zu schätzen weiß, in außergewöhnlicher Weise engagiert hat, wird er von amtswegen nicht mehr erleben. Er hat in einigen Monaten die Altersgrenze erreicht und geht in Pension. „Die Arbeit am Schloß", bekannte er, „hat mir immer große Freude gemacht." Die Renovierung der Außenmauern mit der Schlämmung in weißer Farbe (auch aus konservatorischen Gründen) und die Restaurierung der reich stukkierten ehemaligen Gemächer des kurfürstlichen Paares, werden mit seinem Namen verbunden bleiben.

MAUERBRUCH AM NEUEN SCHLOSS IN BENSBERG: Umfangreiche Arbeiten, die Kosten in Millionenhöhe verursachen, sind zur Erneuerung der Schäden erforderlich.    Bilder: Albert Günther.

DER ZAHN DER ZEIT hat an den Brüstungen und Mauern genagt: Mit Absperrseilen wird das Gelände gesichert.

NICHT DAS SCHLOSS, aber die Schloßmauer ist vom Einsturz bedroht: ein Schild warnt vor dem Betreten des Geländes.

Quelle: 
KStA-19870409-rn11
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011