Böen rissen Löcher in den Wald


Nadelbäume mußten hektarweise gefällt werden Revierförster Frank: Sturmfolgen
Böen rissen Löcher in den Wald
Mißtrauische Anwohner vermuteten Nacht- und Nebelaktionen — Fichten oft überaltert

Von unserer Redakteurin Barbara A. Cepielik
Rösrath — Rund drei Hektar abgeholzter Fichten unweit des Forsbacher Ortsausganges an der L 170, Dutzende von gefällten Bäumen an der Bensberger Straße zwischen Forsbach und Rösrath — wo bis vor kurzem noch dichter Wald war, gähnen dem Betrachter leere gerodete Flächen entgegen. Was einigen als übertriebener Kahlschlag im Gemeindegebiet anmutet, war für Rösraths Revierförster Frank bittere Notwendigkeit: „Das sind die Folgen des Sturms im Dezember 1986. Der hat an einigen Stellen Löcher in den Wald hineingerissen".
Auch Eichen betroffen
Überalterte Fichten habe es besonders oft erwischt, sagt der Forstmann. Aber auch Eichen, die als sturmfest gelten, wurden aus dem Boden gerissen. „Und wo einmal ein Loch ist, greift der Wind bei nächster Gelegenheit wieder an". Deswegen machten Frank und seine Männer unweit der Forsbacher Mühle, aber auch am Ellersberg kurzen Prozeß. Die Flächen wurden ratzekahl abgeholzt. Wo der Sturm bereits einige Fichten umgerissen hat, so Frank, hätten die anderen nicht mehr lange eine Chance.
Und so ratterten die Sägen, die tonnenschwere Schälmaschine rollte über die Wege. Die um die 90 Jahre alten Bäume sind bereit für den Transport in die Paletten-Fabrik. Die rund 300 mal 300 Meter große Fläche an der L170 sieht gebeutelt aus. Förster Frank kann verstehen, wenn Passanten und Anwohner nach den Gründen für so massive Eingriffe fragen.
Bei Nadelbäumen sind die Förster im Gebiet allerdings noch nicht einmal unfroh, wenn sie fallen. Zu lange und zuviele Nadelbäume hatte man gesetzt, seit einigen Jahren ist man bemüht, verstärkt Buchen und Eichen, Laubbäume überhaupt, anzupflanzen. Und das, obwohl Nadelbäume das weitaus Billigste für die Waldbesitzer sind. Finanzielle Förderung soll sie dazu bewegen, mehr Laubbäume zu setzen. Gerade bei den Fichten im Königsforst, so argumentieren die Forstleute, setze jetzt eine Überalterung ein. Gelten rund 70 Jahre als das „richtige Fäll-Alter", so haben viele der Bäume schon mehr als ein Jahrhundert im Königsforst erlebt.
In den vergangenen drei Jahren brachten heftige Stürme die Forst-Pläne durcheinander. Oft schuf ein Windbruch den Anlaß, ein ganzes Terrain zu roden und wiederaufzuforsten, das noch nicht „an der Reihe war". Öfter als früher steht dann bei Frankdas Telefon nicht still: „Die Leute wollen genau wissen, was da passiert, und vermuten häufig Nacht- und Nebel-Aktionen."
Daß die Stürme so deutliche Spuren hinterlassen, hat mehrere Gründe. Es kämen, so sagen die Förster, verschiedene Faktoren zusammen. Waldboden, der saurer ist, als es den Bäume gut tut, sorgt dafür, daß das Feinwurzelwerk weniger dicht ist.
Die Bäume sind nicht mehr so fest im Boden verankert und daher bei Sturm anfälliger. Schadstoffe in der Luft tun ein Übriges, die mächtigen Bäume zu schwächen. Förster Frank kennt dicke, alte Exemplare, die nach einem kleinen Hauch umkippten. Viele der Stämme, die jetzt abgesägt am zerfurchten Wegesrand liegen, weisen Faulstellen im Inneren auf. Und auch Borkenkäfer knabbern sich —trotz der Fangkästen. — nach wie vor durch den Wirtschaftswald.
Nicht nur Waldbesitzer lassen im übrigen im Moment ihre Sägen im Walde knarren. Die Zahl derer, die sich beim Förster die Genehmigung zum „Holz-machen" im Wald holen, wächst ständig. Der Trend zum eigenen Ofen und zu offenen Kamin habe wieder zugenommen, berichten die Förster. Da nutzen dann Städter den Wald zur im doppelten Sinne aktiven Naherholung. Sie fahren mit der Spezialgenehmigung mit dem Privatwagen in den Wald und tragen aus dem ihnen zugewiesenen Bereich Holz zusammen, das sie pro Festmeter bezahlen.
Immerhin: Von Samstagmittag bis Sonntagabend werden die Benzinkutschen der „Selbstabholer" aus dem Wald verbannt. Vom 1. Mai bis Ende August sollen sie möglichst gar nicht durch den Wald stapfen — der Natur zuliebe.

EINE KAHLE FLÄCHE statt dichten Waldes: An der L-170 bei Forsbach wurden drei Hektar Fichten gefällt. Was Spaziergänger wundert, erklären die Förster als Folge der Herbststürme für nötig.    Bild: Albert Günther

Quelle: 
KStA-19870429-rn14
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011