Die Taufkirche in Refrath


Die Taufkirche in Refrath
entnommen aus: Bernd Fischer, Das Bergische Land, DuMont Verlag, Köln 1979

Ein Urkunde von 1233 — in einer Abschrift aus der Zeit um 1600 erhalten — erwähnt die kleine Dorfkirche bereits, doch reicht die Überlieferung sogar bis ins 11. Jahrhundert zurück. Im Gegensatz zu den spärlich vorhandenen Urkunden beschäftigen sich zahlreiche Sagen mit dem alten Gotteshaus. So soll sich an dieser Stelle eine heidnische Opferstätte befunden haben, bevor die ersten Christen dieser Gegend hier einen Schutzraum für die Täuflinge schufen, die ja ursprünglich in den Taufbrunnen hinabstiegen. Der Bach, der heute an der Friedhofsmauer entlang fließt, soll damals durch den Kirchenraum geflossen sein und das Taufbecken gespeist haben. Grabungen zu Beginn dieses Jahrhunderts scheinen diese Überliefet sogar zu bestätigen.
Deutlich sind die verschiedenen Bauabschnitte zu unterscheiden.
Das einschiffige, aus (verputzten) Bruchsteinen errichtete Langhaus ist der älteste Teil, vielleicht noch aus dem 11., spätestens aber aus dem 12. Jahrhundert. Daran schließt sich der vorgedrungene, dreigeschossige Westturm an.
Sein stumpfes Pyramidendach betont die Schwere und Erdge- bundenheit des Bauwerks. Ein schlichtes Bogenportal führt von Westen in den Turm; das Haupt- portal der Kirche jedoch, aus wuchtigen Wolfdorfer Blöcken, befindet sich an der Norseite des Langhauses. Ein kleiner quadrati- scher Stein mit einer Kreuzzeich- nung, rechts oberhalb des Portals, wirkt wie ein altes Siegel oder Thingmal (Abb. 76). Das gleiche Zeichen begegnet uns an alten Kirchen von Köln-Kriel und Lüs- sem bei Euskirchen. Das Geheim- nisvolle, Sagenverhaftete dieses Ortes wird noch lebendiger in der Fratzenkonsole in der Nordost-ecke des Chores. (Auch hierzu gibt es Gegenstücke: an den Kirchen St. Klemens in Bergisch Gladbach-Paffrath und St. Michael in Porz-Zündorf).
Wenn man diesen Chor als dritten Bauabschnitt bezeichnen will, so muß man doch wissen, daß auch er — wie Langhaus und Turm — nicht in einem Guß entstanden ist. Es war eine arme Gemeinde, die sich hier nach und nach ein Gotteshaus errichtet hat. An den Chor wurde dann im 17. Jahrhundert noch eine kleine Sakristei angebaut.
So ärmlich das Äußere der Kirche ist, um so mehr überrascht ist man vom Freskenschmuck im Inneren. Sieben überlebensgroße Apostelgemälde und der Kirchenpatron im Chor umgeben wie eine Ehrenwache den Altar. In den Jahren 1907 bis 1909 wurden sie entdeckt und von Professor Anton Bardenhewer, dem wenige Jahre später auch die Restaurierung der »bunten Kirche« von Lieberhausen zu danken ist, freigelegt. Die Lebensnähe im Ausdruck dieser Anfang des 15. Jahrhunderts entstandenen Fresken ist frappierend. So ist in den Zügen des Hl. Thomas deutlich der intellektuelle Zweifler zu erkennen; der Mund verzieht sich zu leichtem Spott und deutet doch gleichzeitig auch verborgenen Schmerz, Trauer über die eigenen Unzulänglichkeit an (Abb. 75).
Von hohen Eschen beschattet bieten Kirche und ehemaliger Friedhof ein friedliches Bild. Viele beachtenswerte Grabsteine, die ältesten aus dem 15. Jahrhundert, sind erhalten. Der vielleicht schönste ist ein Trachytkreuz mit achtkantigen Balken, dessen geschweifter Fuß aus dem Boden zu wachsen scheint. Es trägt nur den Namen des Toten: Jacob va(n) Gildern(?). Die Schrift ist nicht eindeutig zu lesen.

Quelle: 
BHB-19830430-nr48