„Lokomobile" rollt an


Kulturausschuß stimmt Ankauf aus Privatbesitz für Museum zu
„Lokomobile" rollt an
Rarität von 1907 — Exemplare sind kaum noch zu haben

Von Annelis Griebler
Bensberg — Dem Ankauf einer „Lokomobile" für das Bergische Museum in Bensberg — zum Preis von 15000 DM aus Privatbesitz angeboten —hat der Kulturausschuß in seiner Mai-Sitzung zugestimmt. Die Rarität (Baujahr 1907) der Gasmotorenfabrik Deutz mit Einzylinder-Viertaktmotor und stolzen sechs PS ist auf ein vom Stellmacher gefertiges hölzernes Fahrgestell montiert und noch betriebsfähig.
Pferdekraft ersetzt
Um die Jahrhundertwende dienten „Fahrzeuge" dieser Art zum Antrieb landwirtschaftlicher Maschinen wie Dreschmaschinen oder Kreissägen, und ersetzten in zunehmendem Maße (siehe oben) die Pferdekraft.
Auch in Bergisch Gladbach wurden sie gebaut, und zwar von der Maschinenfabrik Heckin Heidkamp. Exemplare der Spezis sind kaum noch zu haben, die wenigen noch erhaltenen Stücke befinden sich längst im Eigentum anderer Museen.
Schon deshalb nannte Museumsreferent Dr. Wolfgang Vomm den Erwerb der Maschine zum verlangten „moderaten Preis" dringend wünschenswert, aber auch aus den folgenden „konzeptionellen Überlegungen":
— „Verschiedene wichtige Kraftquellen der Vergangenheit werden im Museum bereits vorgeführt — wie Wasserkraft am Beispiel des Hammerwerkes, Pferdekraft am Beispiel des Göpels, Dampfmaschinenkraft am Beispiel der Wasserhaltungspumpe, Elektromotorenkraft am Beispiel der Kettenschmiede" und nicht zuletzt „menschliche Muskelkraft am Beispiel der Drechselbank in der Stellmacherei".
— „Vor der Scheune könnte in Gegenüberstellung der traditionellen Pferdekraft mit der Lokomobile die historische Entwicklung des Landmaschinenantriebs paradigmatisch am Dreschvorgang dargestellt werden;
Spendenaktion geplant
— Die Lokomobile selbst ist wegen der Kombination von industriell gefertigtem Motor und handwerklich hergestelltem Fahrgestell ein geradezu idealtypischer Beleg für den allmählichen Übergang von handwerklichen zu industriellen Fertigungsverfahren, also für jene Schnittstelle, die im Zentrum der Bensberger Museumskonzeption steht."
Der Museums-Förderverein will sich bemühen, den Ankauf durch eine gezielte Spendenaktion „in der örtlichen Kraftfahrzeugbranche" finanziell zu unterstützen.

Quelle: 
KStA-19870518-rn10
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011