Fahren bald wieder Kähne auf dem Weiher?


Wie sieht die Zukunft des Gewässers aus? — Feuchtbiotop oder Ausflugsziel
Fahren bald wieder Kähne auf dem Weiher?
Entschlammung in Refrath schreitet voran

Von unserem Redakteur Wilhelm Becker
Refrath – Wird der Refrather Kahnweiher wieder das, was er einmal war, eine Ausflugsattrakion? Oder wird daraus demnächst ein „Feuchtbiotop" zur Pflege und Erhaltung vom Austerben bedrohter Exemplare aus Flora und Fauna, in dessen Nähe man sich – wenn überhaupt – nur flüsternd und auf Zehenspitzen fortbewegen darf? Siegt die Tradition, oder siegt der Fortschritt? Läßt sich eventuell beides miteinander kombinieren? Über diese Fragen darf schon bald der Bergisch Gladbacher Umweltausschuß beraten, denn die Arbeiten an der „Entschlammung" des Teiches gehen zügiger voran, als zunächst erwartet wurde.
Einst diente das Gewässer mitten in Refrath dem Zweck, er ihm den Namen gab. Generationen von Wanderern, vor allem aus Köln, aber auch aus Bergisch Gladbach und Benserg, zogen mit Kind und Kegel zur Steinbreche, um auf dem Kahnweiher ein Ruderboot zu mieten und „Kahn zu fahren". Schon seit Jahren ist der Bootsverleih eingestellt. Angler sicherten sich Rechte an dem Gewässer, das zusehends verschlammte.
Für die Stadt Bergisch Gladbach ist der Weiher allerdings weder als Kahnweiher noch als Angelsportstätte förderungswürdig. Die Wiederherstellung der ursprünglichen Wassertiefe von durchschnittlich 2,20 Metern – der Teich war zuletzt nur noch etwa 40 Zentimeter tief – , nimmt die Stadt ausschließlich aus wasserwirtschaftlichen Gründen vor, betont der Leiter der Stadtentwässerung im Tiefbauamt, Josef Konkulewski. Der Teich spielt eine wichtige Rolle als Wasserrückhaltebecken nach starken Regenfällen. Wegen der Schlammassen, die sich im Lauf der Jahre auf seinem Grund ansammelten und die die Wassertiefe abflachen ließen, konnte er diese Funktion nicht mehr erfüllen. Im Haushalt 1986 der Stadt Bergisch Gladbach wurden zunächst 70000 Mark für Teilarbeiten im Rahmen einer geplanten Entschlammung des Kahnweihers bereitgestellt. „Der Dauerfrost in den vergangeen Monaten hat uns jedoch so sehr geholfen, daß wir schon erheblich weiter sind, als geplant", berichtet Konkulewski.
Auf gefrorenem Schlamm gefahren
Durch die lange Frostperiode habe man den gefrorenen Schlamm befahren können, wodurch die Arbeiten erheblich beschleunigt wurden. Die Wiedernutzbarmachung des Kahnweihers ist inzwischen so weit fortgeschritten, daß durch Entwässerung die ursprünglich 31000 Kubikmeter Schlamm auf rund  0000 Kubikmeter verfestigt und erdichtet wurden. Nun steht die Fortsetzung der Arbeiten an. Allerdings, so Konkulewski, muß über das weitere Verfahren zunächst der zuständige Tiefbauausschuß der Stadt entscheiden, dem die Stadtverwaltung vorschlagen werde, die Entschlammung ohne Unterbrechung zu Ende zu führen. Möglich wäre auch eine Entschlammung in Raten, indem nach einer Teilabfuhr des festen Schlammes wieder Wasser eingelassen und die Entschlammung dann zu einem späteren Zeitpunkt fortgesetzt würde. Sollte der Fachausschuß den Standpunkt der Stadtverwaltung teilen, die Arbeiten ohne Unterbrechung fortzusetzen, so müßten über den städtischen Nachtragshaushalt noch rund 30000 Mark, zumindest ein größerer Teilbetrag davon, zusätzlich bereitgestellt werden. Die Gesamtkosten für die Entschlammung werden – ohne Rekultivierung und ohne Arbeiten zur Neugestaltung des Uferbereiches – mit rund 150000 Mark veranschlagt.
An Gerüchten, die in Refrath kursieren und nach denen der ehemalige Weiher in einer Nacht- und Nebelaktion in einen Parkplatz umgewandelt werden solle, sei nichts dran; versichert der verantwortliche Mann bei der Stadtentwässerung. So stellt auch die Verrohrung des Lückerather  Baches (im Oberlauf „Milchbornbach"), der normalerweise den Kahnweiher mit Wasser versorgt, ein Provisorium dar. Die Kunststoffrohre, die einen Durchmesser von 50 Zentimetern haben und über eine Distanz von rund 350 Metern verlegt wurden, nehmen den Bachlauf nur so lange auf, wie die Säuberung des Teiches dauert. Anschließend wird der provisorische Kanal beseitigt, und die Rohre werden für andere Zwecke weiterverwendet.
An den Überlegungen über die zukünftige Nutzung des wieder tieferen und saubereren Weihers werden sich bestimmt auch Bergisch Gladbacher Bürger, besonders Einwohner von Refrath, mit Engagement beteiligen.

NUR EIN PROVISORIUM STELLT die „Verrohrung" des Lückerather Baches (Milchbornbach) im Bereich des Refrather Kahnweihers dar. Noch steht allerdings nicht fest, wann das Bachwasser den Weiher wieder füllen wird.    Bild: Albert Günther

Quelle: 
KStA-19860409
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011