Das Rathaus bleibt wie es ist


Das Rathaus bleibt wie es ist
Fraktionen machen Front gegen Erweiterung - Vorhandene Möglichkeiten erst ausschöpfen

Von unserem Redakteur Wilhelm Becker
Bergisch Gladbach — Rundum von allen Fraktionen abgelehnt wurde am Dienstagabend im Hauptausschuß der Vorschlag der Stadtverwaltung, das Bensberger Rathaus in einem zweiten Bauabschnitt zu erweitern. Akute Raumnot bei der Verwaltung machte Stadtdi- rektor Otto Fell zur Begründung des Antrags geltend.
Neben der Abfuhr bekam Stadtdirektor Otto Fell auch Spott zu hören. So wunderte sich SPD-Fraktionsvorsitzender Holger Pfleger, daß selbst bei der kleinsten Ausgabe im sozialen Bereich in den Verwaltungsvorlagen der Vermerk „vorbehaltlich der Haushaltsplanberatungen" enthalten sei, er einen solchen Vermerk beim Antrag zur Vergrößerung des Bensberger Rathauses jedoch nicht finde.
Rund zehn Seiten umfaßt die städtische Untersuchung zur Darstellung des Raumbedarfs der Verwaltung. Für die Berechnung der „Büro-Sollflächen" wurden laut Vorlage zugrundegelegt: pro Sachbearbeiter zwölf Quadratmeter, pro technischen Sachbearbeiter 14 Quadratmeter, pro Abteilungsleiter 20 Quadratmeter und pro Amtsleiter 25 Qudratmeter. Als durchschnittlicher Flächenbedarf in Büroräumen wurden je Arbeitsplatzzehn Quadratmeter angesetzt, für jeden Bildschirmarbeitsplatz zusätzlich 2,5 Quadratmeter.
In die Untersuchung einbezogen waren die Stadthäuser An der Gohrsmühle und am Konrad-Adenauer-Platz in Glad bach, das Rathaus Bensberg, die ausgelagerten Ämter für Sport und Rechnungsprüfung sowie das ehemalige Arbeitsamtsgebäude an der Gladbacher Hauptstraße, das die Stadt nach dem Umzug des Arbeitsamtes in den Neubau an der Bensberger Straße kaufte. Bestimmte Räume im alten Arbeitsamt seien als Büros für die Stadtverwaltung nicht geeignet, wurde unter anderem festgestellt, andere nach dem Willen des Stadtrats an Vereine und andere Organisationen vermietet.
Unterm Strich fehlen der Verwaltung nach eigener Feststellung 820 Quadratmeter Bürofläche. Wie der „Kölner Stadt-Anzeiger" erfuhr, liegen bereits Pläne zur Aufstockung des Stadthauses am Konrad-Adenauer-Platz sowie zur Rathauserweiterung „in der Schublade" . Laut Vorlage für den Hauptausschuß brächte die Aufstockung des Stadthauses am KonradAdenauer-Platz um eine Etage nur 460 Qudratmeter an zusätzlicher Nutzfläche, die Erweiterung des Rathauses Bensberg einen zweiten Bauabschnitt nach Süden hin sah der Planer des Rathauses, Architekt Gottfried Böhm, von Anfang an vor — dagegen 1 135 Quadratmeter.
Die rechnerische Reservefläche bei Erweiterung des Bensberger Rathauses käme dem Stadtdirektor sehr gelegen, verwies er doch darauf, daß in der Untersuchung weder die von den Gewerkschaften angestrebte Arbeitszeitverkürzung und eine daraus resultierende Personalaufstockung noch die Schaffung zusätzlicher Einzelarbeitsplätze nach dem neuen Datenschutzgesetz noch Reserveflächen für neue Stellen aufgrund zusätzlicher Aufgaben enthalten seien.
Eine Aufstockung des Stadthauses am Konrad-AdenauerPlatz in Gladbach möchte die Verwaltung vorläufig zurückstellen, weil damit ohnehin der errechnete Bedarf nicht gedeckt werden könnte. Die Aufstockung des Zweckbaus im Gladbacher Zentrum hatte als Tagesordnungspunkt in der September-Sitzung des Hochbauausschusses angestanden, wurde dort allerdings von der Tagesordnung abgesetzt. Immerhin brachte FDP-Fraktionsvorsitzende Renate Schmidt-Bolzmann in Erinnerung, daß in diesem Zusammenhang neben drei anderen Statikern von der Stadtverwaltung auch der Name des sachkundigen FDP-Fraktionsmitglieds Heinz Dziallas als möglicher Auftragnehmer für die Statikberechnung der Stadthausaufstockung aufgeführt worden war. Die Namensliste veranlaßte Schmidt-Bolzmann zu der Äußerung, die FDP-Fraktion lasse sich auch durch eine Auftragsvergabe an ihr Mitglied Dziallas nicht bewegen, für eine Stadthausaufstockung oder gar eine Rathauserweiterung zu stimmen.
Im Hauptausschuß erhielt die Stadtverwaltung am Dienstagabend aus allen Fraktionen Ratschläge, um ihren räumlichen Fehlbedarf zu senken. Die Vorschläge reichten von der Rücknahme eines an das Land Nordrhein-Westfalen fürs Bensberger Amtsgericht vermieteten, erst kürzlich von Grund auf renovierten alten Bruchsteinhauses — das Gericht könne in das ebenfalls dem Land gehörende Bensberger Schloß einziehen —über eine Nutzungsänderung des alten Arbeitsamtes bis zur Unterbringung von Verwaltungsdienststellen in der ehemaligen Realschule an der Odenthaler Straße in Gladbach. Man war sich im Hauptausschuß einig, daß sich der festgstellte Raumbedarf zumindest erheblich reduzieren lasse, wenn die vorhandenen Möglichkeiten wirklich ausgeschöpft würden. In Konsequenz der einheitlichen Hauptausschußmeinung wurde der Stadtdirektor erst gar nicht damit beauftragt, die Kosten für die Bensberger Rathauserweiterung zu ermitteln.

SCHON DER PLANER DES BENSBERGER Rathauses, Architekt Gottfried Böhm, sah die Erweiterung des originellen Bauwerks in einem zweiten Bauabschnitt vor. Danach sollte der Betonbau nach Süden hin (im Bild: nach rechts) aufgestockt werden.    Bild: Günter Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19871022-rn11
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011