Bensberg-Grafik: Ein Idyll aus alter Zeit


Bensberg-Grafik: Ein Idyll aus alter Zeit
Eine seltene Ansicht fürs Museum — Stadt dokumentiert Vergangenheit in zeitgenössischen Bildern

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Bensberg — Einen guten Schnapp machte die Stadt Bergisch Gladbach kürzlich für das Museum Bensberg. Auf dem Antikmarkt im „Bürgerhaus" hatte ein Antiquar ein seltenes Blatt einer Ansicht von Bensberg etwa aus dem Jahre 1830 im Köcher. Ein entsprechender Tip brachte Museumsreferent Dr. Wolfgang Vomm auf die Spur und mit Hilfe des Fördervereins des Museums letztlich auch in den Besitz der Grafik.
Vomm:„ Sie ist ohne Zweifel ein Rarissimum. Bensberg-Ansichten sind äußerst selten und werden kaum jemals angeboten." Schnelles Zugreifen war auch in diesem Fall geboten. Er ist bestrebt, für das Museum in „lokalhistorischem Auftrag" alles zu sammeln und zu erwerben, was mit Bensberg in Beziehung steht. Das ist manchmal nicht nur gut, sondern auch teuer. Mäzene und der Förderverein haben dem Museumschef da gelegentlich unter die Arme gegriffen.
Aus dem Jahre 1745
So gelang es unlängst, ein religiöses Werk aus dem Jahre 1745 zu erwerben, in dem sich immerhin zwei exzellente, auf Bensberg bezogene Kupfer befanden: Ein Porträt von Kurfürst Jan Wellem, dem Erbauer des Neuen Schlosses, und eine Ansicht von seiner Bensberger Residenz, ein brillantes Bild. Dies ist nun die älteste Bensberg-Ansicht im Museumsbesitz.
Es gibt freilich ältere Bilder von Schloß und Landschaft. Nur: Sie befinden sich in berühmten musealen Sammlungen. So die Schloß-Zeichnungen von Caspar Wollf in Aachen und Düsseldorf, das große WeenixBild mit Jagdstilleben und dem Schloß auf dem Berg in Münchens Pinakothek, eine Kopie ist in Schloß Lerbach beheimatet.
Auch die neueste Trouvaille einer Bensberg-Ansicht, eben jenes Bild aus der Zeit zwischen 1830 und 1840 aus einem Band über preußische Besitzungen, schildert ein Landschaftsidyll. Im Vordergrund sieht man einen Hirten mit seinen Kühen, was eher an eine Alper-Szene erinnert als an Bensberg, wären da nicht eindeutig das Neue Schloß und die alte Burg, der ehemalige Amtssitz des Amtmanns des Hauses Berg, zu erkennen. Sie ist heute im neuen Böhmschen Rathaus aufgegangen. Der Palas und der Ratssal erinnern noch an die alte Bausubstanz. Auch ein paar der dargestellten Fachwerkhäuser sind in natura vielleicht noch in veränderter Form erhalten. Signifikant ist auch die Bensberger St. Nikolaus-Kirche als Pendant zu Schloß und Burg. Perspektivisch, meinte der Museumsreferent, stimme das nicht ganz, aber insgesamt sei das Blatt schön und zutreffend zu nennen. Es hat sich also gelohnt, es zu erwerben.
Neben einem biedermeierlichen Stich nach einer Zeichnung von Gärtner aus dem Jahre 1840 ist es nun ein Staatsstück für die Zeit des Biedermeier. Das Museum besitzt darüber hinaus freilich eine ganze Reihe alter Ansichten ehemaliger Gruben und Förderanlagen: Auch sie sind als Zeitzeugen wichtige Dokumente. Wie Vomm berichtete, sei die Stadt sehr daran interessiert, auch das Material, das ein Geschichts-Kurs am AMG in Bensberg unter Max Morsches erstellt und im Juni in einer Ausstellung präsentiert hatte, für das Museum und eine ständige Ausstellung in einer aufbereiteten Form zu sichern. Es wäre schön, meinte der städtische Museumsreferent, wenn  man eine solche Ausstellung gemeinschaftlich mit dem Stadtarchiv eines Tages in den Räumen des Hauses Hauptstraße 267/69 einem interessierten Publikum präsentieren könnte.

BENSBERG IM NOVEMBERLICHT: Ein eindrucksvolles Bild, wie es sich den Bürgern in diesen Tagen darbietet. In der Ferne Klein Manhattan unter einem Himmel voller Regenwolken.    Bild: Günter Möllinghoff

BENSBERG VOR 150 JAHREN äuf einer lithografierten Zeichnnung. Sie ist die neueste Errungenschaft der Stadt für das Museum in Bensberg. Die Stadt sammelt alle Darstellungen von Bensberg aus alter Zeit.

Quelle: 
KStA-19871113
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011