Kunst lag unter Bauschutt


Alte Dom-Kapitelle waren verloren gemeldet, aber sie tauchten wieder auf
Kunst lag unter Bauschutt
Bei Renovierung beinahe weggeworfen – Im Garten von Amtsleiter gelagert

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Bergisch Gladbach — Aller Beteiligten fiel nicht nur buch. stäblich ein Stein vom Herzen Es war schon fast eine ganz( Wagenladung. ' Und es warer auch nicht gewöhnliche, son dem ganz besondere, teilweise kunstvoll behauene Steine, Ka pitelle und Säulenreste, mittel. alterlicher zisterziensischei Baukunst aus den beim Kloster. brand 1815 vernichteten Gebäu deteilen. Die vier Exemplar( waren vom Altenberger Dom. Verein (ADV) als verloren ge- meldet worden.
Über anderthalb Jahre naci ihrem Verschwinden konnte je.doch über den städtischen Kulturdezernenten Dr. Hans Joachim Franke dem ADV-Geschäftsführer Arno Paffrath erleichtert die Mitteilung gemacht werden, daß die Kapitelle im Garten des Kulturamtsleiters Franz Ott gut aufgehoben sind. „Herr Ott behält die Kapitelle in Verwahrung, bis der ADV in das Haus Hauptstraße 267/69 eingezogen ist", heißt es in einer Notiz des ADV. Museumsreferent Dr. Wolfgang Vomm meinte auf Anfrage, er habe das Bauamt ersucht, sie sicherzustellen.
Doch Kulturamtsmitarbeiter Friedhelm Pytlik sagte: „Die Kapitelle wären um ein Haar bei den sogenannten Altlasten gelandet, wenn wir sie nicht in Verwahrung genommen hätten".
Nur als Leihgaben überlassen
Er erinnert sich: „Die lagen im Keller der Villa Zanders unter dem bei der Kellerrestaurierung angefallenen Bauschutt und ragten nur noch Zentimeter darüber hinaus. Zusammen mit dem ganzen Bauschutt sind sie dann über ein Transportband nach draußen befördert worden. Ich habe dann gesagt, daß es doch zu schade wäre, wenn die irgendwo auf dem Bauhof landen und vielleicht ein ähnliches Schicksal erfahren wie die Eichenbalken vom Löstigen Dreck. Aus diesem Grunde hat sie Herr Ott in Verwahrung genommen." In dessen Garten befinden sich seitdem unter anderem das schönste Stück, ein herrliches Blattkapitell aus dem 13. Jahrhundert sowie kleinere Säulenfragmente. Franz Ott: „Ich wäre schon froh, wenn ich sie wieder abgeben könnte. Von manchen Bekannten werde ich nämlich darauf angesprochen, ob sie nicht auch solche Stücke bekommen könnten."
Es wäre für den ADV freilich sehr peinlich gewesen, wenn die Stücke verschwunden wären, denn auch er ist nicht ihr Eigentümer: Sie stammen nämlich aus der Sammlung des verstorbenen früheren NRW-Kultusministers und Altenberg-Freunde Professor Luchtenberg und sind dem Altenberger Dom-Verein nur als Leihgaben für befristete Zeitüberlassen worden. So konnte denn auch Geschäftsführer Arno Paffrath aufatmen, daß sie gerettet waren. Nur hatte ihm keiner Bescheid gegeben, so daß er eines Tages mit Schrecken das Verschwinden der Altenberg-Steine feststellen mußte, die Jahr und Tag in einem abgeschlossenen Keller der Villa lagerten.
Daß die Kellerräume in dem Gebäude, in dem er als ADV-Geschäftsführer residiert, baulich saniert wurden und auch der Lagerraum der Kapitelle davon betroffen war, daran hatte er wohl nicht gedacht. Der blanke Zufall führte ihn eines Tages dahin und ließen ihn nachforschen. Dr. Vomm, gewissermaßen Hausherr in der Städtischen Galerie Villa Zanders, meinte allerdings: „Man hätte ihn unterrichten sollen."

EIN HERRLICHES BLATTKAPITELL aus Altenberg als Gartenzierde: Kulturamtsleiter Franz Ott wird oft darum beneidet. Aber es gehört ihm nicht, er hat es nur in Obhut genommen.
Bilder: Albert Günther

AUCH DIESER MITTELALTERLICHE Säulenstumpf kann als Sitzgelegenheit im Garten dienen.

Quelle: 
KStA-19871212
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011