Grabstein liegt unter Schutt


Richard Zörner machte sich um Bensberg verdient — Andenken sollte in Ehren gehalten werden
Grabstein liegt unter Schutt
In Außendepot entdeckt    Stadt: Nicht die beste Aufbewahrung — Magazin ist keine Müllhalde

Von Karin M. Erdtmann
Bensberg — Als das Bensberger Heimatmuseum im März 1928 feierlich eröffnet wurde, galt einem Mann besonderer Dank: Bergrat Dr. h.c. Richard Zörner (1861-1941) hatte sich nicht nur als Beisitzer im Vorstand des Trägervereins „AltBensberg" für den Aufbau des Hauses ( das zunächst im Südflügel des Schlosses untergebracht war) engagiert, sondern auch die Einrichtung eines Schau-Bergwerks ermöglicht.
Heute erinnert ein Straßenname in der einstigen Schloßstadt an den Bensberger, ansonsten wird sein Andenken allenfalls noch in alten Archiv-Schriften hochgehalten. Der Grabstein Zörners, der bis 1984 auf dem Bensberger Friedhof gestanden hatte, liegt heute zwar im Museum — aber nicht in denhistorischen Mauern, in denen Zörner einst wirkte. Der Findling befindet sich in einem Außendepot — kaum erkennbar unter einem Berg alter Steine und Balken. Nur der Nachname ist noch lesbar.
Manche Bürger betrachten dies mit Kopfschütteln. „Warum hat man den Grabstein überhaupt abgeräumt?" fragen sie sich und vermuten finanzielle Gründe.
Die Lagerung unter mehr oder weniger wertvollen Schuttbergen ist auch für den städtischen Pressesprecher Peter Schlösser „sicherlich nicht die beste Art, besondere Grabsteine aufzubewahren". „Auch wir sind nicht sehr glücklich darüber, daß der Stein quasi zwischen Schutt und Gerümpel liegt." Allerdings handle es sich bei dem Magazin des Museums auch nicht um eine Müllhalde.

„Grabsteine mit Denkmalwert"
Da sich jedoch im Innen-Bereich des Museums derzeit keine Möglichkeit böte, den Stein aufzustellen, erwägt man, ihn wieder auf den Bensberger Friedhof zu bringen, wo in einem bestimmten Bereich „Grabsteine mit Denkmalwert" wieder zu Ehren kommen sollen. Dort würde nach den Vorstellungen der Stadt auch der Engel vom Grab der Bensberg-Gönnerin Emilie Schmitz wieder aufgestellt, der vor vielen Monaten auseinanderbrach und seitdem weitgehend unangetastet unter der Arbeitsbank in der ehemaligen Totenhalle des Friedhofs liegt.
Daß die Stadt mit Gräbern verdienter Bürger nicht gerade pfleglich umgehe, diese Kritik wies Schlösser entschieden zurück. „Es kann nicht in der Entscheidung des Friedhofsgärtners liegen, ob ein Grab nach Ablauf der Ruhefrist abgeräumt wird. Da setzen sich Mitarbeiter aus verschiedenen Ämtern zusammen, um die Umstände entsprechend zu prüfen."
Die Befürchtung, demnächst werde auch die am 28. April 1908 errichtete monumentale Grabstätte des Ehrenbürgers und ehemaligen Reichsministers Hermann v. Budde abgerissen, bezeichnete Schlösser als grundlos. Die Existenz dieses Grabmals sei durch die Vergabe entsprechender Nutzungsrechte gesichert.
Das war im Fall Zörner an- ders. Als die Grabstelle 1984 geräumt wurde, transportierte man den mit Hammer und Schlegel, dem Symbol des Bergbaus, versehenen Findling zwar zum Museum, die beiden kleineren Grabsteine mit den Namen von Ehefrau Helene und Sohn Walter (der als Leutnant der Reserve 1917 in Flandern fiel) hingegen wanderten auf den Müll.
Am 27. August 1861 als Sohn eines Bergwerksdirektors im Saalekreis geboren, erwarb sich Zörner in seiner Wahlheimat Bensberg viele Verdienste und machte sich auch weit über die Grenzen der Stadt hinaus einen Namen. Als er nach kurzer schwerer Krankheit am 4. Dezember 1941 starb, würdigte ihn die „Rheinisch-Bergische Zeitung" in einem Nachruf als „einen der bedeutendsten Vertreter und Förderer der rheinischen Bergbau- und Maschinenbauindustrie".
„Eine Anzahl industrieller und wirtschaftlicher Vereine und Verbände schätzten ihn als ihren Leiter und Ratgeber", heißt es weiter. „Seine schriftstellerischen Arbeiten über allgemeinwirtschaftliche, betriebswirtschaftliche und bergwirtschaftliche Tagesfragen genossen in Fachkreisen einen guten Ruf."
Auch als Bodenkenner, Heimatforscher und Heimatpflegersei Zörner emsig tätig gewesen. „Als solcher war er in den letzten Jahren mit großem Interesse sehr bemüht um die Ausgrabungen der Erdenburg bei Bensberg, und förderte nach besten Kräften das Bensberger Heimatmuseum, dessen Bergbauabteilung er schuf und mit der er sich selbst ein bleibendes Denkmal setzte. In Dankbarkeit wird man daher sein Andenken in Ehren halten!"

RICHARD ZÖRNER engagierte sich stark für das Heimatmuseum.    Repro: Möllinghoff

VERSTECKT UNTER GERÜMPEL (Pfeil) liegt der Grabstein von Richard Zörner im Außendepot.    Bilder: Albert Günther

GESICHERT IST DIE EXISTENZ der monumentalen Grabstätte des ehemaligen Reichsministers Budde.

DIE LETZTE RUHESTÄTTE der Familie Zörner auf dem Bensberger Friedhof wurde 1984 abgeräumt.    Bild: Stadtarchiv

Quelle: 
KStA-19880122-rn11
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011