Heute wird der Frankenforster Komponist und Musiker Franz Jos. Frey 75 Jahre alt


Sein künstlerisches Schaffen steht auch im Dienst der Wahlheimat
Heute wird der Frankenforster Komponist und Musiker Franz Jos. Frey 75 Jahre alt

Von Annemarie Hanrath
Refrath — Der nach dem Krieg aus Köln zugezogene Komponist, Pianist und Pädagoge Franz Jos. Frey wird heute Freitag, 26. Februar, 75 Jahre alt. Er ist jung geblieben im Kreise ehemaliger und jetziger Schüler, von einer nicht nachlassenden. Aktivität und Lernbegierde. So übt er jeden Morgen mehrere Stunden Klavier, nicht nur aus pädagogischen Gründen, sondern besonders, wie er sagt, weil „ich Musiker bin".
Frey, 1907 in Köln geboren, war der erste von drei Söhnen musikalischer Eltern. Mit acht Jahren erhielt er Klavierunterricht vom Vater. Der Traum des Vaters, Sänger zu werden, sollte im Sohn verwirklicht werden. Er wurdejedoch in erster Linie freischaffender Komponist. Von dem Konzertpianisten Heinz Lohmann ( t 1955) zur Auf nahme auf das Konservatorium in Köln vorbereitet, erhielt er ein Stipendium an  der Musikhochschule Köln und kam in die Klavier-Meisterklasse von Eduard Erdmann, studierte Komposition und Theorie bei Hermann Unger, Kontrapunkt und Instrumentation bei Philipp Jarnach. Nach acht Semestern war Frey als freischaffender Künstler tätig und ist sein Leben lang schöpferisch geblieben. Seit 1930 war er ausübender Lehrer, Pianist, Chorleiter und Rezensent verschiedener Zeitungen. Von 1939 bis 1942 hatte er eine Klavierklasse am Bergischen Konservatorium in Köln und begann langsam, als Komponist hervorzutreten. So wurden 1941 seine Eichendorff-Lieder in der Kölner Musikhochschule aufgeführt.
1941 erlitt Frey einen Totalfliegerschaden mit dem Verlust fast sämtlicher Manuskripte und Papiere zu dem Verlust von allem Übrigen.
Neubeginn in Refrath
1942 war Frey mit seiner vor einigen Jahren verstorbenen Frau Edith von Köln nach Frankenforst gezogen, wo ihm im Refugium von Verwandten seiner Frau ein Neubeginn gelang. In der damals geradezu paradiesischen Schönheit, Ruhe und Einsamkeit von Frankenforst —heute ein verlorenes Märchen —lebten sie höchst bescheiden, aber glücklich auf zwei kleinen Zimmern. Es ist verständlich,daß Frey dort, im idyllischen Anwesen in der Brüderstraße, in den folgenden 16 Jahren die künstlerisch fruchtbarste und freieste Zeit seines Lebens erlebte. Viele freundschaftliche und künstlerische Beziehungen konnte er dort finden, so mit der Sängerin Cäcilie Neller, die als Vorsitzende der Bensberger Goethe-Gesellschaft bis zu ihrem frühen Tod 1951 tätig war. Sie gaben zusammen zahlreiche Konzerte.
Die Goethe-Gesellschaft verschaffte ihm 1950 den ersten eigenen Kompositionsabend. In Köln wirkte er bei den literarisch-musikalischen Abenden des Hermann-Hesse-Archivs mit, wo Lieder moderner Komponisten nach Texten von Hesse vorgetragen wurden.
1950 entstand die „Sonatina für Koloratursopran und Klavier". Das Werk wurde am 18. 11. 51 im Belgischen Haus aufgeführt, gestaltet von der „Gemeinschaft der Künstler und Kunstfreunde", zum Tag der Hausmusik. Es war das letzte Werk, in dem Frau Neller kurz vor ihrem Tod mitwirkte. Frey begleitete selbst das Werk. Im gleichen Jahr entstand „Philomele" für Sopran, Flöte und Streichquartett nach dem Gedicht von Goethes „Philomele". Motive der Amsel sind in diesem Werk verarbeitet, Ergebnis seiner Studien der Vogelstimmen, besonders ausgedrückt im Wechselspiel zwischen Sopran und Flöte.
Silvia Nitsche als Sopran
Das Werk kam mit großem Erfolg zur Aufführung im Rahmen der „Bergisch-Schlesischen Musiktage 1976" in der Villa Zanders. Silvia Nitsche, Tochter von Paul Nitsche, übernahm die Sopranpartie.
1952 entstand „Waldheimat", ein Spiel mit Musik, Gesang und Tanz, ein wahres Stück heimatlicher Vergangenheit, wie schon der Titel sagt. Frey schuf das Werk für den damaligen „Heimat-Verein Refrath" zusammen mit Theo Stapper, dem damaligen Lehrer an der Refrather Grundschule „An der Wolfsmaar". In einer Baracke der Schule wurde dieses Tanz- und Singspiel, sehr Refrath-bezüglich, mit Stappers Schulkindern eifrig geprobt, teilweise mit der früheren Kölner Ballettmeisterin Maria Schallenberg. Nach den Proben stärkten sich die Teilnehmer im Bürgerhaus „Zum alten Postillon' , geführt von Hans und Käthe Straßer, einer in Refrath seinerzeit beliebten und urigen Kneipe — auch ein Stück Vergangenheit. Heute steht dort modern und nüchtern ein riesiger „Aldi"-Bau. Unter großer Teilnahme der Refrather wurde „Waldheimat" 1952 in „Haus Steinbreche" aufgeführt. Gern noch sprechen die Schüler von dieser schönen Vergangenheit.
1954 vertonte Frey „Die Schöpfungsfeier" — Teile aus dem berühmten „Mutterbuch" von Josef Winckler. Der Dichter des bekannten Schelmenromans „Der tolle Bomberg" (1921) hatte lange Zeit in Frankenforst gewohnt — er starb dort 1966 —und den Komponisten Frey hier kennengelernt. In dem Werk „Die Schöpfungsfeier" hat Frey eine Kantate für Sopran, Bariton, Chor und Orchester mit großer Besetzung vertont.
Sonnengesang des Echnaton
Frey befaßte sich längere Zeit mit ägyptischer Mythologie und komponierte für Paul Nitsche 1956 große Teile aus dem „Sonnengesang des Echnaton" für Soli, Chor und Orchester.
1957 bat Paul Nitsche ihn, ein „Pendant" zur „Psalmensinfonie" von Strawinsky zu schreiben, und Frey komponierte den 104. Psalm für Solo, Chor und Bläserorchester. Das Werk wurde vom Städtischen Chor Leverkusen unter Nitsches Leitung aufgeführt.
1957 schrieb Frey die „Kantate zur Glockenweihe", die zum 25. Jahrestag der Kirchweihe 1980 in Frankenforst, St. Maria Königin., aufgeführt wurde. Zur 100-JahrFeier der Stadt Bergisch Gladbach 1956 fand ein Festakt im Bergischen Löwen statt. Frey hatte mit der Vertonung eines Gedichtes von Rudolf Habelin, „Heimatstadt", mitgewirkt.
Chorgemeinschaft Bergisch Gladbach sang unter der Leitung von Paul Nitsche.
Erfahrung weitergeben
Seit 1981 war Frey Lehrbeauftragter der Rheinischen Musikschule und später der Musikhochschule Köln. Heute noch macht es ihm Freude, Musikunterricht zu erteilen, um von seiner Musikerfahrung anderen, besonders jungen Leuten, etwas mitzugeben.
Seine künstlerische Devise lautet: „Musik soll gefallen, bewegen, etwas ausdrücken, sonst ist Musik zwecklos." Musik, vor der man ratlos steht, sei keine Kunst. Da Musik aus innerer Bewegung heraus ausgedrückt werde, müsse sie auch ins Innere zurückgelangen.

URAUFGEFÜHRT IN Haus Steinbreche beim „Kulturabend" des Heimat-Vereins wurde „Waldheimat" — Ein Spiel mit Musik, Gesang und Tanz, wie dieser Programmzettel von 1952 ausweist.

AUS DER Zeit der Arbeit mit Josef Winckler an der „Schöpfungsfeier" stammt das Foto des Komponisten Franz Jos, Frey.

Quelle: 
KStA-19820226-rn15
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011