Regierung macht für Bensberg Millionen locker


Die schiefen Türme von Bensberg werden jetzt restauriert: Der erste wurde schon vom Dach des Schlosses geholt
Regierung macht für Bensberg Millionen locker
Arbeiten sind außen und innen geplant

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Bensberg – Ein schiefer Turm von Schloß Bensberg ist herunter! Mit einem Superkran wurde der ganze Turmhelm vom Dach in den Schloßhof gehievt. Da steht er nun und wartet auf seine Restaurierung.
Das Manöver der Kuppelentfernung wurde von zahlreichen Schaulustigen beobachtet. Daß zwei der fünf Schloßtürme seit längerer Zeit Schlagseite hatten, hat der „Kölner Stadt-Anzeiger" bereits berichtet. Mit Ausnahme eines durch Brand vernichteten Turms, der nach dem Krieg in Stahlkonstruktion neu errichtet wurde, bestehen die Türme noch in der Holzkonstruktion aus der Zeit Kurfürst Johann Wilhelms II. (Jan Wellem).
Untersuchungen des Staatshochbauamtes hatten ergeben, daß sie durch eingedrungene Feuchtigkeit und mangelnde Durchlüftung morsch geworden waren. Die Landesregierung,als Rechtsnachfolger des Preußischen Staates Eigentümer des unter Schutz gestellten Baudenkmals, investiert fast vier Millionen DM in die Instandsetzung von Türmen und Dach.
Wie sie bereits im September mitgeteilt hatte, sollten die Arbeiten noch in diesem Jahr aufgenommen und 1992 abgeschlossen werden. Mittelfristig wird auch eine Innenrenovierung von Schloß Bensberg angestrebt, für die Kosten in Höhe von 3,65 Millionen DM veranschlagt sind. Frühestens 1991 könne damit begonnen werden. Die Arbeiten an der Stützmauer laufen bereits. Sie kosten 3,42 Millionen DM.
Auch über die Frage der Öffnung des Schlosses für Zwecke der Öffentlichkeit hat sich das Land geäußert: „Die wünschenswerte Öffnung ist erst nach Rückgabe an das Land möglich." Ob der Zeitpunkt dafür näherrückt, nachdem seitens der Belgischen Streikräfte in diesen Tagen verlautbart wurde, daß ab 1992 20000 Soldaten abziehen, ist noch fraglich. Es konnte am Wochenende von zuständigen Stellen nicht bestätigt werden. Im Raum Köln soll eine belgische Brigade in einer Stärke von 5 000 Mann stationiert bleiben.
Die Stadt hatte bereits vor einiger Zeit im Zusammenhang mit Truppenreduzierungen auf 400 Wohnungen der Belgier reflektiert. Auch damit wird sie vermutlich vorerst nicht rechnen können. Das im Schloß untergebrachte Königliche Atheneum mit Internat und Werkstätten hat zwar geringere Schüler-und Lehrerzahlen, aber es wird nur daran gedacht, nicht mehr benutzte Räume freizustellen. So soll das Amtsgericht im Einvernehmen mit dem Regierungspräsidenten den rechten Schloßflügel zur Nutzung erhalten. Es werden aber noch Untersuchungen angestellt.
Bürgermeister Holger Pfleger erinnerte daran, daß er im Juli ein Gespäch mit General Cauchie, dem Oberkommandierenden der belgischen Streitkräfte in Bensberg geführt habe, daß aber trotz positiver Signale für eine Öffnung des Schlosses keine Aussagen zu einer Aufgabe des Schlosses gemacht wurden. Wenn es dazu komme, sei freilich noch nicht bekannt, ob das Land als Eigentümer bestimmte kulturelle Absichten mit dem Schloß verfolge.
Für die Stadt, so meinte Pfleger, sei die Frage interessanter, ob durch einen Truppenabzug 400 Wohnungen in Bergisch Gladbach auf einen Schlag frei würden. Dies wäre für die Wohnungssituation in der Stadt freilich ein besonders glücklicher Umstand. Aber dafür gäbe es zur Zeit noch keine Signale.

ABGESTELLT, ragt die Schloßkuppel (links) über die Galerie hinaus bis ins erste Obergeschoß des Schlosses.

EIN SCHIEFER TURM IST WEG! Die Kuppel-Konstruktion aus Holz ist morsch und wird restauriert. Viele Bürger haben es bisher
kaum bemerkt, daß auf dem Bensberger Schloß ein Turm fehlt. Bilder: Günter Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19901103
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011