Firmen wollen Ansiedlung am Bockenberg


Firmen wollen Ansiedlung am Bockenberg
Wird die grüne Fläche nun doch Gewerbegebiet?
Verwaltung soll künftige Nutzung prüfen

Von Sylvia Koppelberg
Bensberg — Am Bockenberg soll kein Gewerbe angesiedelt werden. Darin waren sich in einer Bürgerversammlung vor der letzten Kommunalwahl die Vertreter der drei damals im Stadtrat vertretenen Parteien einig. Vorher — Ende 1983/Anfang 1984 — hatte eine Bürgerinitiative Hunderte von Unterschriften gegen die damals geplante Ausweisung als Gewerbegebiet gesammelt. Auch die Geschäftsführung des benachbarten Vinzenz-Pallotti-Hospitals protestierte seinerzeit energisch. Inzwischen, so war zu erfahren, liegen der Stadt mehrere Anträge von Unternehmen vor, die sich in diesem Bereich zwischen Krankenhaus, VinzenzPallotti-Straße, Grube Weiß und der B 55 ansiedeln möchten, darunter ein Autohaus.
Ein Antrag von vier SPD-Politikern, diesen Bereich als Grünfläche festzuschreiben, wurde in der jüngsten Planungsausschußsitzung vertagt. Die Stadtverwaltung soll zunächst einmal untersuchen, ob und wie der Bockenberg als Gewerbegebiet genutzt werden kann. Dabei geht es vor allem um die Frage, ob das Genossenschaftsunternehmen „Großeinkaufsvereinigung Deutscher Bürobedarfsgeschäfte" (gdb) dort ideal untergebracht wäre. Die Firma, die zur Zeit an der Ernst-ReuterStraße angesiedelt ist, will expandieren und sucht zu diesem Zweck einen neuen Standort-.Wie Planungsausschußmitglied Hartmut Schneider (Grüne) mitteilte, habe Stadtdirektor Otto Fell vor der jüngsten Sitzung in einer „eilig einberufenen Besprechung" der SPD ihren Antrag auf Erhalt des Bockenbergsgeländes als Grünfläche „auszureden" versucht. Als Begründung habe die Verwaltung zunächst die Standortverlagerungsabsichten von gdb angeführt. Sozialdemokraten bestätigten diese Darstellung.
„Als sich herausstellte", so Schneider, „daß gdb eigentlich lieber das Offermann-Gelände in Bensberg übernehmen möchte, wurde deutlich, daß Fell und CDU, wohl auch FDP, zur allgemeinen Überraschung aber auch die SPD (zumindest Fraktionschef Holger Pfleger) die Ansiedlung dieser Firma am Bockenberg nur als Alibi benutzen wollten, um dort auf jeden Fall ein großflächiges Gewerbegebiet einzurichten."
Die Vertagung des SPD-Antrags in der anschließenden Planungsausschußsitzung sei darum nur „folgerichtig" gewesen, findet Schneider. Ausschußvorsitzender Hans Peter Schmitz (SPD) habe den Antrag sogar zurückziehen wollen, aber nicht gekonnt, weil keiner der vier Antragsteller anwesend war. Dem widerspricht Schmitz: „Ich wollte den Antrag nicht zurückziehen, sah nur die Gefahr, daß, er abgelehnt worden wäre."
Ohnehin, so bekundeten mehrere Sozialdemokraten, sei die SPD nach wie vor gegen Gewerbe am. Bockenberg. Pfleger stehe mit seiner Auffassung, die Ansiedlu ng von Firmen dort zu prüfen.. allein in der Fraktion. Auch die Grünen, die zur Zeit der Bürgerversammlung vor der Kommunalwahl noch nicht im Stadtrat waren, sind gegen ein solches „Gewerbegebiet auf der grünen Wiese". Stattdessen, so Schneider, sollten die noch vorhandenen genutzt werden und der Firma gdb das Angebot gemacht werden, das OffermannGelände zu nutzen. (Siehe dazu auch den Bericht auf der nächsten Seite.)

WIRD DIE GRÜNFLÄCHE in Bockenberg zu einem Gewerbegebiet? Vor drei Jahren protestierten Anwohner energisch gegen diese Pläne. Jetzt ist die Diskussion darüber wieder aufgelebt.    Bild: Günter Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19860924
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011