Feste, Konferenzen, Vorträge: Im Saal der Steinbreche ist fast alles möglich


Feste, Konferenzen, Vorträge: Im Saal der Steinbreche ist fast alles möglich
Edles Holz liegt Bürgern zu Füßen
Hinter der Bühne und unterm Parkett ist viel Technik zum Wohl der Gäste verborgen

Von unserem Redakteur Wilhelm Becker
Refrath — Der schönste Festsaal im ganzen Rheinisch-Bergischen Kreis ist nicht der Saal im Gladbacher oder im Overather Bürgerhaus, auch nicht der renovierte Saal im privaten Gladbacher Hotel „Am Bock" — trotz all' seiner Gemütlichkeit — und schließlich auch nicht die Aula im Kürtener oder im Overather oder im Rösrather Schulzentrum. Der schönste Saal im ganzen Rheinisch-Bergischen Kreis wurde in eineinhalb Jahren fast „in aller Stille" gebaut und wird in dieser Woche durch eine interne Schlüsselübergabe von einer Baustelle in ein „zu verwaltendes Gebäude" umgewandelt: Es handelt sich um den neuen Saal von „Haus Steinbreche" in Refrath, der bis zu 600 Personen aufnehmen kann.
Dem Kölner Architekten Professor Haunschild gebührt das Verdienst, in etwa auf dem Grundriß des alten Saales der Steinbreche — der Name der dort zu Karnevalszeiten von einer Kölner Künstlerclique veranstalteten Kostümbälle in der „Scheune" hätte durchaus das ganze Jahr über zu dem Altbau gepaßt — ein Bauwerk geplant zu haben, das eine gelungene Synthese zwischen herkömmlichen und modernen Stilelementen bei Verwendung traditioneller wie auch moderner Werkstoffe darstellt. Auffälligster und gleichzeitig zeitlose Eleganz repräsentierender Bestandteil des neuen Festsaales —seine Baukosten liegen über zwei Millionen Mark — ist die rund 400 Quadratmeter große Parkettfläche aus extrahartem Edelholz. Die Baumeister eines französischen Sonnenkönigs haben kaum schönere Ballsaalböden geschaffen. Die bis zur Erde gezogenen Rundbogenfenster ergänzen den Eindruck von Eleganz, und die offene Dachkonstruktion erinnert an die nordischen Festhallen der Wikinger, in denen Met, der berauschende Honigwein, in Strömen geflossen sein soll.
Bühne rund 25 Quadratmeter groß
Der Neuzeit wie auch der neuesten Sparsamkeits-Zeit entsprechend soll dieser neue Saal eine multifunktionale Nutzung erfahren. Um dieses Ziel optimal realisieren zu können, wurde ein Maximum an moderner Technik in diese städtische Prunkstube gepackt. Die rund 25 Quadratmeter große Bühne enthält verdeckte Vorrichtungen zum Aufbau von Notenpulten; ihre Beleuchtung ist blendfrei. Dort kann ein Kammerorchester unter guten äußeren Bedingungen musizieren; und selbst die Akusitk scheint — so weit das bei einem leeren Saal zu beurteilen ist — ausgesprochen gut zu sein. Unter der Bühne sind schachtelartig verpackt Podeste versteckt, mit denen die Bühne selbst um weitere 25 Quadratmeter vergrößert werden kann. Die Podeste können auch zu einem Podium an beliebiger Stelle im Saal zusammengeschoben werden.
Im Bühnenbereich wurden zudem kleine Künstlergarderoben und technische Einrichtungen, wie Scheinwerfer und Leinwand, installiert, die sowohl Theateraufführungen als auch Film- und Dia-Vorführungen zulassen. Eine weitere, nicht fest installierte Leinwand kann zur Vorführung von Dias und anderem Anschauungsmaterial in einem Teil des Saales — etwa bei Konferenzen — aufgestellt werden; einem Teil, der durch eine Faltwand abzutrennen ist. Hinter der Bühne gibt es zudem eine Teeküche, die gerade von Vereinen genutzt werden kann, wenn sie Feiern veranstalten wollen und sich dabei selbst verpflegen.
Im Parkettboden des Saales versteckt sind elektrische Anschlüsse für Kühlwagen wie für Wärmetheken, um kurze Wege des Personals zur gastronomischen Versorgung zu haben. Ebenfalls, fast unsichtbar, in den Holzparkettboden eingelassen ist ein Aufzug zum Tisch- und Stuhllager im Keller. Dort lagern auch zwei Arten von Tischen, breitere und schmalere, für Feste mit Mahlzeiten wie für Konferenzen, bei denen höchstens Getränke serviert werden.
Schallschluckende Akustiktüren, Doppeltüren dick wie Panzerschranktüren, trennen den Saal vom benachbarten Restaurantbereich des Hauses Steinbreche. Zudem lassen sich die zur Dolmanstraße gelegenen Bogenfenster mit Doppelvorhängen so dicht verhängen, daß — im Hinblick auf Diavorführugen — der Saal fast stockfinster zu verdunkeln ist.
Geblieben vom bisherigen Saal ist nur das — allerdings renovierte — Foyer. Es wird erst im Rahmen weiterer Baumaßnahmen, die für den Komplex von Haus Steinbreche vorgesehen sind, erneuert. Im Foyer -hängt ein Belegungs-und Bestuhlungsplan für den Saal mit einem runden Dutzend verschiedener Vorschläge, wie der neue Festraum als ganzes oder unterteilt, als Tanzsaal, für Vorführungen vor Stuhlreihen oder zur Abhaltung von .Konferenzen genutzt werden kann.
In diesen Tagen werden unter der Regie vom Baukoordinator Karl-Heinz Zervas vom städtischen Bergisch Gladbacher Hochbauamt die letzten Arbeiten unter Druck erledigt, denn der Mitarbeiter des Bauamts will pünktlich am Donnerstag die Schlüssel des fertigen Gebäudes dem Liegenschaftsamt übergeben können.

EIN NEUES ARCHITEKTONISCHES PRUNKTÜCK der Stadt Bergisch Gladbach ist der Saal von Haus Steinbreche. Auch für den Laien ist die gelungene architektonische Synthese von modernen und traditionellen gestalterischen Elementen der Baukunst sowie die Harmonie bei der Verwendung neuzeitlicher und althergebrachter Werkstoffe klar erkennbar.    Bilder: Albert Günther

EINE BESONDERE NOTE erhält der neue Saal der Steinbreche äußerlich (Blick von der Dolmanstraße) durch die gläsernen Windfänge vor den Notausgängen mti ihren Metallrahmen.

UM DAS DOPPELTE läßt sich die Bühne durch raumsparend untergebrachte Podeste, die beispielsweise auch zu einem Podium in der Saalmitte zusammengefügt werden können, vergrößern.

Quelle: 
KStA-19830726-rn15
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011