Hohe Straße von Refrath - Baustopp Siebenmorgen


Hohe Straße von Refrath - Baustopp Siebenmorgen

Wilhelm Becker
Mit Empörung reagierte der gesunde Menschenverstand vieler Refrather Bürger, als am Siebenmorgen ein sechsgeschossiger Betonklotz neben einem zweigeschossigen Altbau in den Himmel schoß. Nur: Der gesunde Menschenverstand hätte nichts ausrichten können, wenn der Stadtdirektor bei der Nachprüfung der Bauunterlagen nicht eine gravierende Überschreitung der Geschoßflächenzahl festgestellt hätte. Der Stadtrat beschloß nämlich 1979 einen Bebauungsplan, der eine solche, jeden Maßstab sprengende Bebauung zuläßt.
Selbst wenn das zweigeschossig ausgebaute Satteldach am Siebenmorgen 45 durch ein Flachdach ersetzt wird, wirkt der dann nur noch viergeschossige Gewerbebau kaum weniger wuchtig. Daran dürfte auch keine – vorgesehene – Marmorpassage und keine Schiefer-Granit-Verkleidung etwas ändern. 1979 wollten Refrather Stadtverordnete gemeinsam mit der Ratsmehrheit dort ihr „Geschäftszentrum Siebenmorgen". Heute werden sie nicht gern daran erinnert, daß sie in Refrath am liebsten eine Hohe Straße angesiedelt hätten, um den Wählern Einkaufswege nach Gladbach, Bensberg oder Köln zu ersparen und gleichzeitig einigen ortsansässigen Grundstücksbesitzern gefällig zu sein.
Wenn der Stadtrat verhindern will, daß der ganze Siebenmorgen mit viergeschossigen Bauten plus zweigeschossig ausgebauten Dächern zubetoniert wird, sollte er schleunigst versuchen, durch ergänzende Beschlüsse den Bebauungsplan „Geschäftszentrum Siebenmorgen" einzuschränken, um der zur Zeit möglichen extensiven Bebauung einen Riegel vorzuschieben.
Allerdings: Unter Umständen könnten solche Planänderungen zu Schadenersatzforderungen gegen die Stadt führen, weil bereits weitere Grundstücksgeschäfte und Bauvorhaben eingeleitet sind. Bauträger Harald Holm kennt sich gut aus im Geschäftsdreieck Siebenmorgen, wo er nun schon am dritten Baukomplex maßgeblich beteiligt ist.
Am Schadensersatz kaum vorbeikommen dürfte die Stadt in Sachen Baustopp Siebenmorgen 45, weil sie dem Lageplan mit Flächennachweis den Stempel „Bau-auf sichtlich geprüft" aufgedrückt hat. Ob sie die Verantwortung auf den öffentlich bestellten – und vereidigten –Vermessungsingenieur abwälzen kann, erscheint fraglich.

Quelle: 
KStA-19880715-rn10
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011