Die Front geht mitten durch Alt-Refrath


Die Hälfte der betroffenen Bürger ist für eine Umgehungsstraße, die andere Hälfte kämpft erbittert dagegen an
Die Front geht mitten durch Alt-Refrath
Politiker haben den „schwarzen Peter"

Von unserem Redakteur Jürgen Koch
Refrath — „Hier ist nur von ganz persönlichen Interessen die Rede", ärgerte sich eine Refratherin bei der Bürgerversammlung am Dienstagabend im Bensberger Ratssaal. Die Frau focht gegen eine Umgehung von Alt-Refrath. „Die Ablehnung dieser Straße ist Egoismus hoch drei", schallte es aus der Ecke jener, die sich von der neuen Straße mehr Ruhe im Bereich der alten Taufkirche versprechen.
Die Interessen standen in einer Deutlichkeit gegeneinander wie selten zuvor. Die mehr als dreihundert, Bürger, die zur Vorstellung der Pläne kamen, waren in zwei Lager gespalten. Die Befürworter der neuen Straße hatten sogar Schilder mitgebracht, auf denen sie forderten: „Mehr Sicherheit für die Kinder", „Die Taufkirche muß leben", „Schützt Alt-Refrath".
Für und gegen eine Umgehungstraße haben sich bereits zwei Initiativen gebildet, beide haben nach eigenem Bekunden mehr als 200 Bürger auf ihrer Seite. Folge: Ein Stadtteil entzweit sich.
Acht Jahre alter Plan
Der Plan, den Verkehr aus Richtung Bensberg von der Golfplatzstraße über den Forstweg Auf der Kaule auf die Dolmanstraße zu leiten, ist schon acht Jahre alt. Denn die Straße AltRefrath ist schmal, dort kommt es immer wieder zu Rückstaus. Die Verwaltung schlägt nun vor, die Straße Alt-Refrath abzubinden und verkehrszuberuhigen, so daß um die Taufkirche herum ein Platz gestaltet werden könnte. Die geplante Umgehung über den Forstweg soll einen Lärmschutzwall oder eine Lärmschutzwand erhalten.
Daß man in einer natürlichen ruhigen Zone eine neue Straße baue, um eine andere künstlich zu beruhigen, wollte einem Bürger nicht in den Kopf. Ein anderer argumentierte, bei der neuen Straße könnten die Anwohner aber durch Wände gegen den Lärm geschützt werden, das sei in Alt-Refrath nicht möglich.
Die Schulkinder müßten einen sicheren Weg haben, vor allem die Radfahrer, so ein Umgehungs-Befürworter. Den hätten sie doch gerade jetzt über den Forstweg, folgte die Antwort der anderen Seite auf dem Fuße. Es gehe doch nicht um die Interessen von einzelnen, meinte einer, aber die Taufkirche sei doch ein Kleinod, das geschützt werden müsse, daher die Umgehung. Die heutige Straße gehe doch 20 Meter an der Kirche vorbei, diese sei doch gar nicht gefährdet, schallte es aus der anderen Ecke.
Die Straße verlaufe im Wald (wenn auch nicht mehr ganz so tief, wie einst geplant), führten die einen an, der Forstfiskus werde sich da querlegen. Der Schutz der Menschen sei doch in diesem Fall wichtiger als die Rücksichtnahme auf einen verhältnismäßig kleinen Baumbestand, konterten die anderen. Wenn schon Umgehung, dann weiter im Kiefernwald, meinte ein anderer.
Die Straße Alt-Refrath solle verkehrsberuhigt werden, schlugen die Umgehungs-Gegner vor. Das gehe nicht, schlugen die Anwohner zurück. Bei mehr als 650 Autos in der Stunde sei eine Beruhigung nicht machbar, dann staue sich der Verkehr noch stärker.
Und auch von der Dolmanstraße hagelte es Proteste, die Anlieger zwischen den Einmündungen Auf der Kaule und AltRefrath fürchten mehr Verkehr Richtung Köln. Ob denn die Stadt nicht im Hinterkopf habe, die Sennefelder Straße bis zur Golfplatzstraße durchzubauen, so daß vom Gewerbegebiet an der Zinkhütte eine Verbindung nach Refrath bestehe, wurde gefragt. Das sei zur Zeit nicht geplant, gab die Verwaltung Auskunft. Ob man denn wolle, daß die Straße Sandbüchel wieder für den Durchgangsverkehr geöffnet werde, fragte ein anderer.
Kaum ein Argument, dem nicht widersprochen wurde, kaum eine Meinungsäußerung, die nicht von Zwischenrufen begleitet wurde. Die Verwaltung notierte alle Anregungen und Bedenken der Bürger. Entscheiden müssen die Politiker.

AUS EINEM RUHIGEN FORSTWEG soll eine Straße werden, die Straße Alt-Refrath wiederum soll verkehrsberuhigt werden. Das ärgert Bürger, andere finden diese Lösung vernünftig.

ALS ZERSTÖRUNG EINER IDYLLE werten Anwohner eine geplante Umgehungssstraße über Golfplatzweg und dem Forstweg Auf der Kaule zur Entlastung von Alt-Refrath.
Bilder: Günter Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19880310-rn9
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011