Am 100jährigen NCG liegt vieles im Argen — Schüler fertigten Mängelliste an


„Ein Stück Schule abreißen"
Am 100jährigen NCG liegt vieles im Argen — Schüler fertigten Mängelliste an

Von Karin M. Erdtmann
Bergisch Gladbach — Daß Schüler für mehr Wandertage plädieren und am liebsten einen Teil der Schule abreißen würden, ist eigentlich nichts Ungewöhnliches. Daß die Pennäler aber gleich eine achtseitige Mängelliste verfassen, in der sie nahezu jede Ecke des Schulgebäudes kritisch unter die Lupe nehmen, ist sicher nicht alltäglich.
Die Schülerschaft des Nicolaus-Cusanus-Gymnasiums (NCG) legte jetzt der Schulleiterin Barbara Witting eine solche Mängelliste vor. „Wir verstehen uns nicht als destruktive Ankläger sparwütiger Kommunalpolitik" stellt Schülersprecher Joachim Schabacker darin fest. Deshalb zeige die Liste auch Verbesserungsvorschläge auf. „Die Mängelliste versteht sich auch in ihren schulinternen Kritikpunkten nicht als Angriff gegen Einzelpersonen,schon gar nicht gegen die jetzige Schulleitung, der gewachsene Mängel nicht anzulasten sind."
Bemängelt wird unter anderem der „permanent desolate Zustand der Toiletten", der „wenig repräsentative" Eingangsbereich des Schulgebäudes sowie die „völlig verkommene Bausubstanz des Westtraktes": „Im Sommer ist es hier zu warm, im Winter zu kalt, und die Decke hält nicht an allen Stellen den Regen aus und fest." Wände seien hellhörig, Türen stellten eine akute Verletzungsgefahr dar. Zudem gewähre „der Außen- sowie der Innenanblick wenig Spielraum für ästhetische Gefühle". Als Konsequenz fordern die Schüler möglichst bald einen Abriß dieses Traktes sowie eine Aufstockung und Erweiterung des Hauptgebäudes. „Die Schülerschaft bietet ihre Hilfe beim Abriß an", heißt es.
Die Sporthalle empfinden die Gymnasiasten als „zu dreckig und ungepflegt", die Möblierung und Ausstattung der Klassenräume als „ungesund, indiskutabel, veraltet und unzweckmäßig". Verdunklungsmöglichkeiten werden ebenso vermißt wie abschließbare Schränke, funktionierende Tageslichtprojektoren und Filmapparate, aktuelle Fachliteratur sowie Fenster, die mit ihren scharfen Kanten nicht nach innen öffnen. Auch Sprachlabor und Erdkunderaum seien „recht antiquiert und sollten mittelfrsitig modernisiert werden".
Ferner wünscht man sich ein Telefon im Foyer, einen Kiosk auf dem Schulgelände, eine hochwertige Beschallungs- und Lichtanlage für Großveranstaltungen, stufenübergreifende Wandertage sowie mehr und längere Fahrten.
Das Lehrerzimmer empfinden die NCG-Schüler als „Nadelöhr zum Allerheiligsten". Immer wieder scheiterten Bemühungen, in den Pausen das Gespräch mit den Lehrern zu suchen.
Schulleiterin Barbara Witting, die seit November im Amt ist, hatte angeregt, die Mängel aufzulisten — und ihre Kollegen gebeten, gleiches zu tun. Gemeinsam will man einen Mängelkatalog aufstellen und der Stadt als Schulträger an die Hand geben. „Wir platzen hier einfach aus den Nähten, und es gibt viele Sachen, die überaltet sind", erläutert sie. „Die Pavillons sind abbruchreif, und das Lehrerzimmer ist eine absolute Katastrophe. Da hat noch lange nicht jeder Kollege in den Pausen Gelegenheit, sich zu setzen." Konferenzen müßten in der Aula abgehalten werden.
„Es ist mir manchmal richtig peinlich, wenn ich neue Schüler durchs Haus führen muß. Bislang ist es uns gelungen, die baulichen Mängel durch verstärktes pädagogisches Engagement auszugreichen." Die Stadt habe sich zwar nicht prinzipiell gegen die Wünsche der Schule gesperrt, doch scheiterten bislang alle Pläne an den Finanzen. Demnächst soll der Schulausschuß im NCG tagen und die Mängel vor Ort in Augenschein nehmen.
„Der Vorschlag, Schüler an andere Gymnasien abzugeben, kann ja nicht die Lösung sein", meint Barbara Witting — sicherlich auch mit Blick auf die in wenigen Monaten anstehenden Jubiläumsfeiern. Im Oktober nämlich feiert das NCG sein 100jähriges Bestehen.
Wie von der Stadtverwaltung zu erfahren war, sind im Haushalt für Maßnahmen am NCG (u.a. Fassaden- und Fußbodenerneuerung, Innenanstrich und Renovierung alte Turnhalle) 160000 Mark veranschlagt. „Was finanziell machbar ist, wird gemacht", hieß es aus dem Rathaus.

Quelle: 
KStA-19880310-rn9
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011