Auch 150 Jahre alte Eichen wurden gefällt — Anfrage im Rat


Die Motorsäge sorgt für mehr Verkehrssicherheit
Auch 150 Jahre alte Eichen wurden gefällt — Anfrage im Rat

Von unserem Redakteur Wilhelm Becker
Refrath – Zu beiden Seiten der Golfplatzstraße rissen am Montag Motorsägen klaffende Lücken in den Baumbestand. Gestern waren Holzarbeiter bereits dabei, die gefällten Stämme – Fichten, Kiefern und bis zu 150 Jahre alte Eichen – zu zerkleinern. Nach Informationen der FDP-Fraktionsvorsitzenden im Bergisch Gladbacher Stadtrat, Renate Schmidt-Bolzmann, wurden die Bäume entlang der Straße aus Verkehrssicherheitsgründen gefällt.
Die Kommunalpolitikerin wundert sich über die einfache Erledigung der Verkehrssicherungspflicht durch die Forstbehörde, während in ähnlichen Fällen an anderer Stelle von anderen Behörden oft um die Erhaltung jedes einzelnen Baumes gekämpft und dafür oft genug auch viel Geld ausgegeben werde. Schmidt-Bolzmann kündigte gestern nachmittag wegen der Baumfällaktion eine Anfrage im Stadtrat an, der gestern abend im Bensberger Ratssaal tagte.
Nach der jüngsten Fällaktion zwischen den Freizeitanlagen an der Saaler Mühle und den ersten Häusern von Alt-Refrath hat sich der Wald auf der dazwischen liegenden Strecke entlang der Golfplatzstraße weiter gelichtet. Ein Teil des Golfplatzes, der früher Passantenaugen durch Buschwerk und dichten Baumbestand verborgen blieb, kann nun ungehindert eingesehen werden. Auf der anderen Straßenseite liegen gefällte Baumriesen und rissen im Fallen andere Stämme und Äste mit.
„Potentielle Gefahr"
Von den privaten Holzarbeitern, die gestern im Auftrag der Forstbehörde Stämme zersägten, wurde bestätigt, die Bäume seien gefällt worden, weil morsche Aste für Fußgänger und Fahrzeugverkehr eine potentielle Gefahr dargestellt hätten. Der Auftrag zum Fällen habe sich auf vielleicht 20 bis 25 Bäume erstreckt; weitere Bäume seien allenfalls von fallenden Stämmen mitgerissen worden. Nicht informiert über die Aktion war der stellvertretende Leiter der Forstverwaltung Königsforst in Bensberg, Konrad Hecker. Wahrscheinlich sei der Auftrag vom zuständigen Revierförster im Forsthaus Hardt erteilt worden, vermutete Hecker. Im Forsthaus Hardt meldete sich gestern nachmittag nur der telefonische Anrufbeantworter. Grundsätzlich erläuterte Konrad Hecker, durch Gerichtsentscheide aus jüngerer Vergangenheit komme es gerade im Kölner Raum aus der Sicht der Forstbehörde zu einer „überzogenen Verkehrssicherung". Wenn beispielsweise ein Obergericht in seiner rechtskräftigen Entscheidung die Forstbehörde dafür verantwortlich mache, daß bei Windstärke 12 ein Fichtenbestand flachgelegt wurde, dann könne theoretisch jeder Förster haftbar gemacht werden. Um den einzelnen Revierförster von der Haftung zu entlasten, seien bestimmte Anweisungen von der Höheren Forstbehörde ergangen, die nun befolgt werden müßten. So müßten inzwischen zweimal jährlich die Waldränder auf Trockenäste und „Gefahrenbäume" hin in Augenschein genommen werden.
Die Entfernung einzelner Äste von einem Hubwagen aus, verbunden mit Kosten von „zigtausend Mark", sei nicht immer das Richtige, betont Hecker. Oft sei es besser, Bäume zu fällen, um den Waldrand insgesamt zu stärken, als lediglich Trockenäste zu entfernen. Entschieden werden müsse nach der Maxime, „was das Vernünftigste auf Dauer ist".

EIN PAAR DUTZEND gefällter Bäume entlang der Golfplatzstraße ziehen die Aufmerksamkeit von Passanten auf sich. – Eine Folge überzogener Verkehrssicherung?    Bild: Diethold

Quelle: 
KStA-19891220-rn11
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011