Ausschuß lehnt neue Ost-West-Trasse vorerst ab


Untersuchungsergebnis diskutiert - Ausschuß lehnt neue Ost-West-Trasse vorerst ab
Viele kleine Schritte beschlossen
Ziel: Reduktion des Durchgangsverkehrs in Refrath — Viele neue Rädwege geplant

Von unserem Redakteur Wilhelm Becker
Refrath — Acht Beschlüsse zur Reduktion des Durchgangsverkerhs in Refrath westlich der Dolmannstraße (K 27) faßte jetzt der Bergisch Gladbacher Tiefbau- und Verkehrsausschuß. Keine Mehrheit fand allerdings der als Punkt 1 von der Stadtverwaltung empfohlene Vor- schlag, „auf eine schnelle Ver- wirklichung der L286n hinzuwirken" und, wenn das scheitere, „andere Ersatztrassen in diesem Raum zu untersuchen und dem Ausschuß vorzustellen."
Die konkreten Beschlüsse wurden gefaßt, nachdem die Stadtverwaltung eine umfangreiche    Verkehrsuntersuchung für das Refrather Wohngebiet westlich der K 27 vorgestellt hatte.
Nicht nur Autos gezählt
Bei der Untersuchung wurden nicht nur Autos und Radfahrer gezählt, sondern auch neuralgische Punkte ermittelt — zum Beispiel Unfallschwerpunkte. Parkmöglichkeiten, Altersstruktur der Bevölkerung, Standorte von Handel und Gewerbe spielten ebenfalls eine Rolle.
Zu den Ergebnissen der Untersuchung gehört, daß neben den bekannten Autobahnzubringern (K 27 und Straßenzug Im Beningsfeld/ In der Auen) und den Querverbindungen —B 55, Vürfels und Bernard-Eyberg-Straße der Straßenzug Brandroster/Halbenmorgen —eine in Ost-West-Richtung ver-. laufende Trasse besonders stark befahren wird. Die Stadtverwaltung kommt zum Schluß, daß gerade für Halbenmorgen/ Brandroster nur eine Ersatzstraße Entlastung bringen könnte. Das aber lehnte die Ausschußmehrheit ab.
Die Grünen wollen die L 286 n grundsätzlich nicht, weil dadurch andere Stadtteile noch stärker belastet würden als heute Refrath durch den Durchgangsverkehr, SPD und FDP plädierten für Vertagung, weil jetzt der Landschaftsverband am Zuge sei, eine Entscheidung zu fällen. Nur die CDU wollte sich erneut und sofort für die L 286 n oder eine Ersatztrasse entscheiden.
Allerdings, so der in dieser Angelegenheit wortführende CDU-Stadtverordnete Rainer Deppe, hätte die CDU am liebsten alle Punkte zu Verkehrsberuhigung und -verbesserung für Refrath westlich der K 27 vertagt, weil die CDU-Mitglieder angeblich wegen Unlesbarkeit vieler Zahlen die Angaben der Stadtverwaltung nicht hätten zur Kennntis nehmen können.
Nachdem jedoch die Ausschußmehrheit an Ort und Stelle entscheiden wollte, zog auch die CDU mit. Deppe bezeichnete die SPD-Taktik für den Refrather und den Bergisch Gladbacher Verkehr als „Politik der kleinen Schritte", durch die für bestimmte Bevölkerungsgruppen Verbesserungen erzielt würden, anderen Gruppen dagegen noch mehr Verkehr zugeteilt werde. Er nannte das ein Verfahren, das an Grenzen stoße. Danach stimmte die CDU trotzdem meist einstimmig den von der Verwaltung vorgelegten und vom Ausschuß ergänzten „kleinen Schritten" mit zu.
Im einzelnen wurde beschlossen:
■ Im Zuge der Straße In der Auen werden auf beiden Seiten Radwege angelegt, die Fahrbahnen werden zurückgebaut.
■ Beim Ausbau der Straße Vürfels sollen Fußgänger sowie die Ordnung des ruhenden Verkehrs zu berücksichtigt werden.
■ Bei der Neugestaltung des Marktbereiches in Refrath soll die Einmündung der Straße Steinbreche in die Dolmanstraße „verkehrshemmend" gestaltet werden (Aufpflasterung).
■ Längs der Straße Beningsfeld soll der Radweg bis zur Stadtgrenze weiterführen. Auf Anregung der Grünen soll zudem geprüft werden, ob nicht durch Aufpflasterungen — ähnlich den Höckern auf dem angrenzenden Penningsfelder Weg in Köln — auch im Bereich des Klärwerks an der dort besonders schmalen Straße Im Beningsfeld der Verkehr zum Langsamfahren gezwungen werden sollte.
Fraktionen einig
■ Im Zuge der Straße In der Taufe ist eine Radwegeachse zur Entlastung der Straße Vürfels und des Straßenzuges Immanuel-Kant-Straße/Beckershäuschen/Steinbreche vom Fahrradverkehr zu planen und auszubauen. Falls Grunderwerbsprobleme auftauchen, soll der Planungsausschuß diese Radwegeachse durch einen Bebauungsplan sichern.
Die vier Fraktionen waren darüber einig, daß ein solcher Bebauungsplan auf keinen Fall eine zukünftige neue Straßenquerverbindung zwischen K 27 und In der Auen präjudizieren dürfe.
■    Im Straßenzug Von-Andreae-Straße/Heuweg sollen verkehrsregelnde Maßnahmen realisiert werden.
■ Überprüft und u.U. verbessert werden soll die Situation an folgenden Kreuzungen: Immanuel-Kant-Straße, Steinbreche/ Steinbrecher Weg, Thielenbrucher Straße/Auf der Kaule, Brandroster/Am Meiler und Bernard-Eyberg-Straße/ Steinbrecher Weg.
Als achter Punkt wurde auf Antrag des SPD-Sprechers Walter Schneeloch beschlossen, im Wohngebiet südlich der K 27 eine 30-Kilometer-pro-Stunde-Geschwindigkeitsbegrenzung einzuführen. Baudezernent Wilhelm Franzen sagte dazu, das lasse sich in den reinen Wohngebieten realisieren, nicht jedoch auf den Straßen wie der B 55, Dolmanstraße, In der Auen und Bernard-Eyberg-Straße. Dagegen wehre sich vor allem die Verkehrsbetrieben, die bei einer geschwindigkeitsbegrenzung Schwierigkeiten mit dem Fahrplan befürchtet.

Wilhelm Becker
Mit sonorem Baßbariton
Verkehrsdebatte Refrath

Zum x-ten Mal wurden am Mittwoch abend im Bergisch Gladbacher Tiefbau- und Verkehrsausschuß die Argumente für und gegen die L 286 n zur Entlastung Refraths vom Verkehr vorgetragen. CDU-Stadtverordneter Rainer Deppe wiederholte bei dieser Gelegenheit ungeniert die ehrenrührigen Äußerungen gegen den Vorsitzenden der Landschaftsversammlung, Dr. Jürgen Wilhelm, die einem Sprecher der Bürgerinitiative „Rettet Refrath vor Verkehr" bereits eine gerichtliche einstweilige Verfügung auf Unterlassung einbrachten. Originalton Deppe: Nachdem Wilhelm von Refrath weggezogen war und die Grünen ihm ein Pöstchen angeboten hatten, war Wilhelm gegen die L 286 n.
Auschußvorsitzender Klaus Freese (SPD) gab mit einem Einwurf in die Debatte zu erkennen, daß er die Diskussion nicht ausufern lassen wolle (vor einigen Wochen dauerte eine Tiefbauausschußsitzung bis Mitternacht). Als nächster war CDU-Ausschußmitglied Otto Jung mit seiner Wortmeldung an der Reihe. Jung ist als Gronauer Bürger am Refrather Verkehr interessiert, weil Zusammenhänge zwischen den Verkehrsströmen in beiden Stadtteilen nicht von der Hand zu weisen sind.
Hinter Jung saßen schätzungsweise 20 Zuhörer aus dem Raum Refrath/Gronau. Mit sonorer Baßbaritonstimme und jn gewichtigem Tonfall leitete Otto Jung seine Worte mit der Bemerkung ein, daß die lokalen Verkehrsprobleme doch wohl wichtiger seien als ein Fußballspiel im Fernsehen. Wohlwollende Blicke der Zuhörer trafen den breiten Rücken des CDU-Mannes.
Der Ausschußvorsitzende sah sich genötigt zu versichern, daß selbstverständlich der Bergisch Gladbacher Verkehr wichtiger sei als Fußball im Fernsehen. Wenige Minuten später war die Debatte über den Refrather Verkehr beendet. Die Zuhörerreihen lichteten sich. Ausschußmitglied Otto Jung packte sein Aktenköfferchen und verließ die Sitzung, die erst nach 20 Uhr zu Ende ging.
Festzustellen bleibt: Ausschußvorsitzender Klaus Freese saß am Mittwochabend, um 19.50 Uhr, als die Übertragung des Fußballwelt-' meisterschaftsspiels Deutschland gegen Uruguay aus Mexiko begann, noch im Bensberger Ratssaal und nicht irgendwo vorm Fernseher. Otto Jung hatte die Sitzung zu diesem Zeitpunkt längst verlassen.

 

Quelle: 
KStA-19860606-rn14
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011