Verborgene Geschichte - Bodendenkmäler in Bergisch Gladbach 3: Aus dem Erdboden sprudelt eine Quelle mit rötlichem Wasser

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Verborgene Geschichte - Bodendenkmäler in Bergisch Gladbach 3
Aus dem Erdboden sprudelt eine Quelle mit rötlichem Wasser
Alte Stolleneingänge am Hang des Hardtknippen zeugen von reger Bergbautätigkeit

Von unserer Redakteurin Uta Böker
Bergisch Gladbach — Ob bereits die Römer im Bergischen Land nach Blei gegraben haben, ist unklar und muß von Historikern erst noch bewiesen werden. Feststeht jedoch, daß Mitte des 16. Jahrhunderts sächsische Bergleute anreisten, um dem Bergbau im Herzogtum Berg zum Aufschwung zu verhelfen.
Davon profitierte auch die 1893 stillgelegte Grube Blücher, südöstlich von Bensberg am Hang des Hardtknippen gelegen. Bis ins Tal hinunter zum Lerbach zeugen heute noch zahlreiche Bergbaurelikte von einer Zeit als die Anlage von Schürfgruben und Halden nicht nur für eine Veränderung der Landschaft sorgte, sondern vor allem Einfluß auf das gesellschaftliche Leben nahm.
Es entstanden zum einen völlig neue Berufe, — vorher gab es in der Region hauptsächlich Bauern und Tagelöhner — und zum anderen wanderten einige Fachleute aus weiter entfernten Landesteilen zu.
Der Erzreichtum bildete so die Grundlage für die Besiedlung des Bergischen Landes und sorgte darüber hinaus dafür, daß andere Geschäftszweige wie der Handel mit Grubenholz und das Transportwesen einen spürbaren Aufschwung erlebten. „Montanarchäologische Denkmäler sind Quellen der Sozial- und Wirtschaftsgeschichte", hebt Wolfgang Wegener vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege die Bedeutung der im Erdreich verborgenen Denkmäler hervor.
Der Forstbehörde und den Waldbesitzern legt er besonders die Reste von Bergbauschächtenans Herz, die sich auf dem bewaldeten Gelände der ehemaligen Grube Blücher noch gut sichtbar als trichterförmige Vertiefungen abzeichnen. Durch Einwurf von Astwerk oder anderen Holzabfällen könne das typische Erscheinungsbild leicht zerstört werden. Die sogenannten Pingen, erklärt Wegener, entstanden durch Nach-sacken des Gesteins, nachdem das Grundwasser an diesen Stellen dem Erzabbau eine natürliche Grenze gesetzt hatte.
Bis 45 Meter tief
Ein viel lebendigeres Zeichen des alten Bergbaureviers befindet sich an einem schmalen Weg abwärts ins Tal, wo früher die Aufbereitungsanlage stand: Aus dem Erdboden sprudelt eine Quelle,deren rote Verfärbung auf manganhaltiges Grubenwasser eines alten Stollens schließen läßt. Von den damaligen Bauten sind übrigens nur das Verwaltungsgebäude und das Zechenhaus weitgehend erhalten.
Einen in den Fels geschlagenen Eingang zu einem dieser unterirdischen Stollen — im Bereich der Grube Blücher erreichten einige eine Tiefe von 45 Metern — kann in einem Seitental am östlichen Ende des Haldenareals besichtigt werden.
Allerdings: Der Eintritt ist verboten. Der bis zu einer Tiefe von 20 Metern begehbare Schacht ist so gesichert, daß Abenteurer keine Chance haben, in die Unterwelt abzutauchen.
Das Risiko, in einem der dunklen Gänge verschütt zu gehen, läßtdagegen manche völlig kalt: „Fledermäuse suchen hier gerne Unter- schlupf', weiß Wegener. Insofern seien Bergbaustollen auch aus ökologischer Sicht erhaltenswert.
Über 200 Beschäftigte
Nachdem der Erzabbau auf der Grube Blücher in den Jahren 1854 bis 1881 auf Hochtouren gelaufen war — 78 935 Tonnen Zinkerze und 8681 Tonnen Bleierze wurden gefördert — kam der Betrieb 1893 zum Stillstand.
Mehr als 200 Mann hatten hier zeitweise eine Beschäftigung gefunden, geht aus einer Diplomarbeit hervor, die das Stadtarchiv für historisch Interessierte aufbewahrt. Vergeblich hatte man zehn Jahre später versucht den Betrieb noch einmal in Gang zu bringen.

Als obertägiger Verbruch sind auf dem ehemaligen Gelände der Grube Blücher die Reste eines alten Stollens erhalten. Wolfgang Wegener vom Rheinischen Amt für Bodendenkmalpflege erklärte die sozialgeschichtliche Bedeutung des Denkmals. (Bild: Uta Böker)

Quelle: 
KStA-19951212-rn11
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011