Vor 30 Jahren wurde Engelskirchen in zwei Fliegerangriffen zerstört

An error occurred in a Search Lucene API module.


Vor 30 Jahren wurde Engelskirchen in zwei Fliegerangriffen zerstört
Ein Dorf sank in Trümmer

Bomben und Granaten kündigten im März 1945 im Bergischen das Kriegsende an

• Dreißig Jahre sind vergangen seit dem Ende des zweiten Weltkrieges. Seit die Menschen hervorkrochen aus ihren Bunkern, Stollen und Kellern. Sie nahmen — unter anderem — zur Kenntnis, daß sie ab sofort den Befehlen einer Militärregierung bedingungslos zu gehorchen hätten.
• Der Friede war im Bergischen Land besonders mühsam vorangegangen. „Der Boden des Rheinisch-Bergischen Kreises ist Stück für Stück von den Amerikanern mit der Waffe in der Hand erobert worden", so steht es in der Heimatchronik.
• Wie sich diese Eroberung vollzog, ist nachzulesen in Wehrmachtsberichten und Lagebuchaufzeichnungen, die der wissenschaftliche Betreuer des Bergisch Gladbacher Stadtarchivs, Dr. Gerd Müller, gesammelt hat und dem „Kölner Stadt-Anzeiger" für einen rückblickenden Bericht in der heutigen und morgigen Ausgabe zur Verfügung stellte.

Von Annelis Griebler
Rheinisch-Bergischer Kreis (ag) — An der deutschen Westfront wurde die Endphase des Krieges eingeleitet bereits Ende Semptember 1944. Der Wehrmachtsbericht meldete:
„Zwischen Maastricht und Aachen setzen die Amerikaner ihren von starken Panzerverbänden unterstützten Angriff fort."
Am 15. Oktober: „In Stellungskämpfen um Aachen erzielten die Amerikaner trotz starker Panzerangriffe gegen den tapferen Widerstand unserer Grenadiere nur geringe Fortschritte, dafür verwüsteten sie die alte Kaiserstadt auch außerhalb unserer Stellungen mit schwersten Bomben und Granaten ..."

Vermeintliche Wende
Am 20. Oktober wurden erbitterte Straßenkämpfe in Aachen um einzelne Häusergruppen „im Kampf Mann gegen Mann" gemeldet. Südlich von Aachen gelangen dem Gegner Einbrüche in die Vorfeldstellungen des Westwalls, „bei fortdauernder örtlicher Kampftätigkeit an der belgisch-holländischen Grenze und in Mittelholland geht die Schlacht im Raum Geilenkirchen-Stolberg mit steigender Erbitterung weiter ..."
Dann die (vermeintliche) Wende: "Starke deutsche Kräfte sind am 16. Dezember um 5.30 Uhr in breiter Front aus dem Westwall nach einer kurzen aber gewaltigen Feuervorbereitung zum Gegenangriff angetreten und haben die vordersten amerikanischen Stellungen im ersten Ansturm überrollt. Die Angriffsschlacht nimmt, von starken Jagdfliegerverbänden geschützt, ihren Fortgang ..."
Noch am 24. Dezember: „Die Winterschlacht in Belgien nimmt weiter einen günstigen Verkauf." Doch bereits einen Tag später. „Unter Zuführung von starken Kräften setzt der Gegner seine starken Angriffe gegen die Flanken unseres Stoßkeils fort ... Im Mittelabschnitt führte der Feind starke Entlastungsangriffe von Süden her,die sich nach geringem Bodengewinn festliefen ..."

„Wunderwaffe" blieb aus
Es gab Deutsche, die noch auf den Einsatz der „Wunderwaffen" hofften, von der schon seit Monaten die Rede war. Doch sie kam nicht. Statt dessen begann „an der Heimatfront" die Ausbildung des Volkssturmes und der Hitlerjugend als „Kampftruppen".
In der Zeit vom 23. Februar bis zum 1. März 1945 starteten die Amerikaner ihren Großangriff in breiter Front an der Roer, drangen vor in die Eifel bis nach Kyll.
Am 2. März wurde, laut Wehrmachtsbericht, „der zum Durchbruch ansetzende Feind nach Überschreiten des Erft-Abschnittes an der Straße Düren — Köln zum Stehen gebracht."

Durchbruch auf Köln
Am 3. März drangen starke Verbände der 9. amerikanischen Armee gegen Krefeld vor, der Brückenkopf Neuß wurde erbittert umkämpft. In der Abwehr-schlacht am Rhein südlich Düsseldorf wurde versucht, den von. den vorrückenden Truppen erstrebten Durchgang auf Köln zu vereiteln. Die Stadt wurde jedoch fast pausenlos von Briten bombardiert.
Am 4. März meldete Radio London: „Die Hohenzollernbrücke, der einzige in Köln noch existierende Rheinübergang, liegt unter dem Feuer der amerikanischen Artillerie."

Bomben auf Engelskirchen
Am Mittag des 5. März wurde die Stadtgrenze von den vorrückenden Truppen überwunden, Joseph Goebbels ließ die Nation wissen: „In Köln regiert der rote Mob!" und am 6. März meldete das Oberkommando der Wehrmacht: „Der Trümmerhaufen Köln wurde dem Feind überlassen." Drei Tage später, am 9. März, kapitulierte Bonn.
„Nachdem die amerikanischen Truppen am 7. März bei Remagen den Rhein überschritten hatten", so erinnert sich die „Heimatchronik des Rheinisch-Bergischen Kreises", „galt es für die meisten als Tatsache, daßder Krieg nunmehr unser Heimatgebiet unmittelbar mit einbeziehen würde."
Wer hätte aber mit zwei so furchtbaren Luftangriffen gerechnet, wie sie am 19. und 28. März auf Engelskirchen geführt wurden. Aber in den angloamerikanischen Dienstkarten war dieser Ort besonders gekennzeichnet und als lohnendes Ziel empfohlen worden. Das mit gutem Grund, denn in Engelskirchen befanden sich die Bildprüfstelle der Gestapo mit einigen hundert Betreuern, es gab dort Ansammlungen geflüchteter Parteiprominenz aus Köln und dem ganzen Rheinland, Munitionsverladungen an diesem Eisenbahn- und Straßenkreuzungspunkt waren an der Tagesordnung. Schließlich befand sich die Funkstation des Generals Model in nächster Nähe, in Ründeroth.

Wußte Gestapo Bescheid?
„Zu denken" gab dem Chronisten auch, daß von Gestapo-Leuten, die kurz vor dem Angriff vom 28. März Engelskirchen verließen, beim Abschied vertraulich geäußert worden sein soll, man möge sich für die nächsten Tage auf Bombenangriffe gefaßt machen. „Ließ man also die Bevölkerung ohne Warnung?"
Die beiden Luftangriffe forderten 233 Zivilopfer — nicht mitgezählt diejenigen, die man unter den Trümmern nicht mehr fand.

Bensberg unter Beschuß
Von Luftangriffen größeren Ausmaßes war die Gegend bis dahin verschont geblieben. In den Luftlagemeldungen von Februar bis Ende März wurdenzwar gelegentlich „Bombenabwürfe und Bordwaffenbeschuß" gemeldet, am 3. März auch vier Bomben auf Bensberg, am 19. März acht Sprengbomben auf Moitzfeld, am 21. März 'acht Bomben. auf den Bensberger Bahnhof und einen dort abgestellten Munitionszug, jedoch gab es Alarm hauptsächlich wegen des Überflugs von Bombenverbänden zu anderen Zielen. Am 8. März, nachdem Köln von den Amerikanern eingenommen worden war, setzte aber — zunächst vereinzelt, nachher regelmäßig — Artilleriebeschuß vor allem auf das Bensberger Stadtgebiet ein. Von da an gab es für die Bevölkerung keine „Entwarnung" mehr, es war lebensgefährlich, die Keller zu verlassen.

DAS BLIEB von Engelskirchen übrig, nachdem am 19. und 28. März Bomber ihre Last über dem Dorf abgeladen halten. Die von Edmund Schiefeling (f) stammende Aufnahme zeigt die Hauptstraße mit einer provisorischen Leppebrücke im Vordergrund.

RAUCHSCHWADEN von brennenden Trümmern erfüllten das Aggertah den Angriffen.

DAS WAREN die Reste ehemaliger Wohnhäuser an der Hauptstraße in Engelskirchen.

Quelle: 
KStA-19750319-rn13
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 8.7.2011