Jubiäumsausgabe zur 100 Jahrfeier Stadt Bergisch Gladbach

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VORLAGE UNVOLLSTÄNDIG!

 

Vor 100 Jahren verlieh König Friedrich Wilhelm IV. die Stadtrechte an Bergisch Gladbach

Eine Hundertjährige zwischen Gärten und Fabriken bewahrt sich ihre Eigenart
Tor zum Bergischen Land - Durch keine Tradition belastet - Neonlicht vor Fachwerkhäusern

Sprudelt Segen bringende Quellen; die ihr speiset die fleißige Strunde". Das steht auf einem Stein in Herrenstrunden, und dieser Stein *markiert die Stelle, wo die Strunde — ein größer Bach oder ein kleines Flüßlein, wie immer man sie nennen will — in die Welt tritt. An diesem heißen Sommertag liegt das Dörfchen Herrenstrunden wie von der' Welt vergessen in seinem Ruhebett, aber es schläft durchaus nicht. Nur ist der Rhythmus seiner Betriebsamkeit anders als in der Stadt.
Die Worte formen sich bedächtiger im Gespräch, der Blick verliert sich gelegentlich, um sich an den satten Wiesen festzusaugen, an den Hügeln oder an dem märchenhaft vor sich hinträumenden Teich um die alte Burg. Sie war die Komturei der Maltheser oder Johanniter, die hier ihre Kreuzzüge vorbereiteten. Und bis 1803, bis zur Säkularisierung, hat die Burg, die nicht auf Sand, wohl aber auf dem Wasser gebaut wurde und darum keine Keller hat, dem Orden gehört.

Ein seltsames Gebilde
Diesen Weg sollte man einmal entlangspaziert sein — den von Herrenstrunden nach Bergisch Gladbach. Soviel Lieblichkeit und Gelassenheit. Sanftheit gepaart mit dem Geheimnisvollen findet ihresgleichen nicht so bald in unserem Bereich. Und schon gar nicht solch ein seltsames Gebilde wie Bergisch Gladbach. Vor hundert Jahren hat man es zur Stadt "geschlagen". Wirtschaftliche Gründe mögen damals den Ausschlag gegeben haben, denn: eine Stadt war es damals noch nicht. Und ist es auch heute noch nicht, jedenfalls nicht im landläufiuen Sinn, auch wenn gewisse Merkmale einer Stadt nicht zu verkennen sind.

Hundert Jahre — das ist viel für ein Menschenalter. Und wenig für eine Stadt. Eine Geschichte. hat sie wohl, aber keine Tradition. Fragt man einen Bergisch Gladbacher nach historischen Sehenswürdigkeiten, blickt er einen nachdenklich an undsagtdarin nach einer Weile: ,Da müssen Sie nach Altenberg fahren, bei uns gibt es so was nicht."Goethe empfand Tradition als Belastung und pries Amerika als das Land ohne Schlösser und Basalte. Nun, Bergisch Gladbach hat, wenn man will, tatsächlich keine Sehenswürdigkeiten: Es ist eine. Weil das  selten und ungewöhnlich ist - wie — daß eine Stadt keine Stadt sein will. Wie, daß Siedlungen, Anwesen und Gehöfte sich voneinander isolieren und ihr Eigenleben bewahren. Wie, da ein Ort, der vornehmlich von der Industrie lebt — und das ist ja das Besondere daran. —, sich nicht von der Industrie an die Wand drücken und nicht verschandeln läßt.   

Rosenstöcke und Bananenstauden
wenn da Farbeindrücke auf der Netzhaut zurückbleiben, wenn man die Stadt verlassen hat, dann sind es die von Grün und Rot. Grün von den Bäumen, von den Wiesen der Anlagen. Rot von den Rosen im Rosengarten mit seinem Paradestück: der Bananenstaude und der Vielzahl an Blumen in den Fenstern. Gartenstädte werden heute von Städteplanern propagiert. Bergisch Gladbach ist eine geworden und geblieben. Landschaft und Häuserzeilen durchdringen sich hier harmonisch, und darum ist es nirgendwo monoton, grau und verschlissen.
Zeige mir ihren Rathausplatz und ich sage dir, wie eine Stadt ist. So könnte man sagen. Nun, der von Bergisch Gladbach ist kaum älter als ein halbes Jahrhundert, entstanden noch in den Gründerjahren, also in einer baukünstlerisch wenig schöpferischen und darum restaurativen Zeit. Man griff zurück auf alte Formen, die nicht von selbst gewachsen waren. Das spürt man ihm an. Dennoch: Er ist mit seinem Rathaus, der katholischen Kirche, seinen Gasthöfen ein echtes Zentrum der Stadt geworden, einheitlich und harmonisch.
Ein Kern, um den sich die Baulichkeiten lagern und gliedern; ein Treffpunkt, wo es sich gut einmal mit alten Bekannten plaudern läßt, ein Rendezvous-Platz für Liebespaare.
Von den Bänken in den Anlagen aus beobachten gelassen aber nicht ohne Neugier die Alten, wer da wohl ankommen mag oder abfahren will. Und ein wenig abseits erkundigen sich wieder sommerlich gekleidete junge Bergisch Gladbacher bei einem Omnibusschaffner nach den günstigsten Fahrtverbindungen, während dicht daneben ein gewaltiger Doppellastzug, mit riesigen Fudern Stroh um die Ecke kurvt.
Ebenso alt wie modern
Auf diesem Platz und mehr noch auf der Hauptstraße, die ihn durchquert, hier wirkt Bergisch Gladbach mit seinen Neon-Lichtreklamen, mit den gediegenen aber durchaus modernen Geschäften, mit seiner Milchbar nicht nur städtisch, sondern fast sogar großstädtisch. Biegt man aber aus der Hauptstraße in einen der Nebenwege ein, steht man gleich vor einem Fachwerkhaus, das früher vielleicht einmal zu einer Mühle gehörte, läuft man an einem Bach vorbei und überquert ihn über einen Steg. So unmittelbar geht hier das Städtische in das Ländliche über, daß man fast davon verwirrt ist.
Eine Hundertjährige, die einen verwirrt - das ist allerdings etwas Seltenes. Das muß schon eine sehr junge, aktive und vitale Person sein, die das fertigbringt. Und genau das trifft für Bergisch Gladbach zu. Es ist jung, aktiv und vital. Aber es ist nicht hektisch, es protzt nicht, es will nicht mehr sein, als es ist. Gleich dem Teich von Herrenstrunden, ruht es in sich, strahlt Ruhe und. Behaglichkeit aus ohne zu versteinern. In einer Zeit, die ihre Ruhe und Behaglichkeit verloren zu haben scheint, ist das fast ein Anachronismus. Und also etwas Besonderes. Und das Merkwürdigste daran ist, daß sich diese Hundertjährige ihres Andersseins gar nicht bewußt ist. Würde man es ihr sagen, würde sie vermutlich nur gleichmütig mit den Schultern zucken. Und das wäre genau die Reaktion, die ihr entspräche.
WOLFGANG EBERT

Stadtwerdung ohne Glockengeläut
Der preußische König Friedrich Wilhelm IV. unterschrieb am 9. August 1856 die schicksalsträchtige Kabinettsordre, mit der er „den auf dem Rheinischen Provinzial-Landtage im Stande der Städte vertretenen Gemeinden Mülheim und Gladbach im Kreise Mülheim, deren Antrage gemäß, die Städte-Ordnung für die 'Rheinprovinz' verlieh. Der Gladbacher Gemeinderat hatte diesen Antrag auf Veranlassung 'des Mülheimer Landrats Oskar Danzier in einer Sitzung vom 7. Juli einstimmig beschlossen, nachdem der Bürgermeister Jakob Herweg mit klugen und besonnenen Worten alle Vorteile der Städteordnung dargelegt hatte.
Keineswegs war dann die ganze  Angelegenheit reibungslos verlaufen; vielmehr mußten starke bürokratische Bedenken, die sich auf den fast rein ländlichen Charakter Gladbachs stützten, ausgeräumt werden. Nur der verständnisvollen Haltung des preußischen Innenministers Ferdinand Otto Wilhelm Henning von Westphalen hat Gladbach letztlich seinen „Sieg' zu verdanken.
Auf den Tag zwei Monate nach der historischen Gemeinderatssitzung traf die königliche Kabinettsordre in Gladbach ein; zwei Tage danach erschien sie im Amtsblatt der Kölner Regierung. Wer nun glaubt: man hätte mit allen Glocken geläutet, Freudenfeuer auf den Bergen entzündet- und einen Fackelzug gemacht, der irrt sich sehr. Erst für den. 23. September berief der Bürgermeister die bisherigen Gemeindeverordneten, die nun allerdings zu Stadtverordneten aufgerückt waren, zur Sitzung ein, in der es recht sachlich und nüchtern herging.
Wie soll man das erklären? — Einmal lag es daran, daß tatsächlich der Großteil der neuen Stadt ein durchaus ländliches Aussehen trug — selbst die neuen Stadtverordneten waren in erheblicher Zahl Landwirte, zum anderen jedoch hatte man sich bisher schon durchaus als Stadt gefühlt, seitdem Gladbach mit seinen. Gemeinden Gladbach, Gronau und Sand wegen „dortiger Fabriktätigkeit" schon ab 1827 im Stande der Städte zu den Provinzialständen wählte. Die eigentliche Anregung zur Erwirkung dieses Hoheitsaktes war außerdem nicht von unten aufgestiegen, sondern von. oben auf dem Verwaltungsweg herabgeträufelt. Er war ein Ausfluß des gewaltigen Werkes weitschauender preußischer Staatsführung, die der im Jahre 1815 neu erworbenen Rheinprovinz zu einem ungeahnten und 'beispiellosen Aufschwung verhalf.

 

Der Fronhof besteht bald 700 Jahre

Erhaltung sollte selbstverständlich sein — Inschrift ist eine Fälschung
Der Gladbacher Fronhof ist nicht nur seinem baulichen Bestande nach das älteste Haus im Inneren der Stadt Bergisch Gladbach, sondern er ist als Siedlung die Urzelle Gladbachs schlechthin. Jene Urkunde, die uns als frühest erhaltene erstmalig den Namen Gladbach an der Strunde nennt, bringt auch die erste sichere Kunde von diesem Hof des Landesherrn, der als königlich-fränkische Gründung in den Besitz der Grafen und Herzöge von Berg überging und ihnen allezeit Verblieb, bis er in französischen und dann in preußischen Staatsbesitz überging.
Am 15. Juli 1271 befreite Graf Adolf V. von Berg Elisabeth, die Frau des Schultheißen Hermann von Paffrath, und ebenso Klementia, beide mit ihren Kindern und Nachkommen, von der Grundhörigkeit zu seinem Hofe in Gladbach und machte sie zu Wachdienstpflichtigen des Siechenhauses von Altenberg. Es wird also nur noch fünfzehn Jahre dauern, dann kann Bergisch Gladbach wiederum ein Fest begehen und das siebenhundertjährige Gedächtnis an die erste Nennung seines Fronhofs feiern. Die verantwortlichen Männer mögen sich daher ihrer hohen Verpflichtung auch in dieser Frage bewußt sein und alles nur Mögliche tun, diesen ehrwürdigen Hof zu erhalten.
Der Fronhof war durch die Jahrhunderte stets an Erbpächter ausgegeben, die allerdings oft inweiblicher Erbfolge die Pacht fortführten. Diese Erbpächter sind für lange Zeiten genau bekannt. Sie zahlten zunächst in Naturalien, und zwar den halben Ertrag von Feld und Stall, später nur in Geld.
Im November 1954 ist der Nachweis erbracht worden, daß die Inschrift über der Tür des Fronhofs eine Fälschung ist. Sie ist wahrscheinlich erst im Zusammenhang mit der Gründung des ersten Marktplatzes im Jahre 1819, der vor dem Fronhof lag, entstanden. Richtig lautet sie: „Antonivs Servos vnd Gerdravt Kvckelberg, erbphachter des Frohnhoffs zv Gladbach, haben dieses havs vermog Chvr-Fürstl.: gnädigsten befelch erbawet zur Zeit B. J. Scherer Oberschvlteis. anno 1734, 25. 9br. Herr, behvte es vor donner vnd blitzgefahr."

INMITTEN des pulsierenden Lebens der modernen Stadt steht der Fronhof, dieses reizende Fachwerkhaus, das als das älteste Haus Gladbachs bekannt Ist.

 

Vergilbtes Foto weckt Erinnerungen an die Zeit vor fünfzig Jahren

Bergisch Gladbach um die Jahrhundertwende — Vieles änderte sich

VON DR. ANTON JUX
Mit dem nebenstehenden Bild werden wahrscheinlich selbst eingesessene Gladbacher fürs erste nichts anzufangen wissen. Dann jedoch werden den Betagten unter ihnen, die mindestens an die 70 Jahre alt sind, auf einmal die Augen hell aufleuchten. Hier wird ihnen nämlich ein Blick ins Reich der frühen Jugend ermöglicht. Unsere Aufnahme zeigt ein Stück mitten aus dem Herzen der noch unfertigen, werdenden Stadt zu Anfang des Jahres 1895.
Am meisten fesselt zunächst die Fachwerkhäusergruppe rechter Hand die Aufmerksamkeit, wo sich heute in zusammenhängendem Block große Geschäftshäuser erheben. Das ist die uralte Hofstelle „am Roß", eine von den vielen, aus denen der Stadtkern im Laufe der letzten hundert Jahre erst zusammengewachsen ist. Ein Hermann vom Roß ist schon im Jahre 1282 urkundlich bezeugt, so daß man immerhin von einem ehrwürdigen Alter dieser Stätte sprechen kann. Aber wer von den tausend Menschen, die alltäglich in den modernen Kraftfahrzeugen hier vorüberfahren oder hier auf die Omnibusse warten, denkt wohl einmal daran!
Die „Brombachsmöhn"
Links, wo die Paffrather Straße von der Wilhelmstraße abzweigt, steht die zu jener Zeit „weltberühmte" Bude der weitbekannten volkstümlichen „Brombachsmöhn", die hier Zigarren, Kautabak, Süßholz, Johannisbrot, „Klitsch" (Lakritz) und andere Leckereien für große und kleine Mäuler feilhielt und vor allem am Osterfest die Eier zum Kippen körbeweise losschlug. Sie mußte später ihren Standort an die alte, hohe Kirchhofsmauer verlegen und fand hier schließlich ihre Ablösung durch die neue „Budendynastie" der Familie Keppel.
Das vordere Fachwerkhaus war im Jahre 1816 als erstes Schulhaus der Laurentiuspfarre von der bürgerlichen Gemeinde Gladbach gebaut worden und hatte das alte „Schul- und Offerhaus" auf dem Steegerkamp abgelöst, Es hatbis 1862 genügen müssen, wenn auch 1837 der steigenden Kinderzahl wegen ein zweiter Schulsaal in dem alten bergwärts gelegenen Hause „am Reif" an der Laurentiusstraße eingerichtet werden mußte.
Baufreudiger Pfarrer
Unter Peter Josef Weingarten wurde dann 1862 die neue Schule „im Gronauer Feld" (die heutige Realschule und Hilfsschule) errichtet, deren Gebäude auf dem Bild hinter dem im Sommer 1894 vollendeten neuerbauten katholischen Pastorat sichtbar wird. Der baufreudige Pfarrer Ludwig Fußbahn hatte sich das neue Haus aufführen lassen, nachdem er bis dahin das nebenan liegende alte, hochgiebelige Fachwerkhaus bewohnt hatte. Es diente von 1894 bis 1909 dem noch hochbetagt lebenden biederen Küster und Organisten Johann Peter Kierdorf als Wohnung, bis er in das neue Küsterheim neben der Kirche verzog. Damals wurde das altehrwürdige schöne Fachwerkhaus leider niedergerissen, In dem ehemaligen Schulhaus gründete der Schuhmachermeister Johann Langel im Jahre 1877 ein Geschäft.
Von anderen Familien, die „am Roß° und in den nebenan zur Paffrather Straße hin stehenden Fachwerkhäusern wohnten, sind zu nennen die Familien Eschbach, Schlosser Stamm und Konrad Niedenhoff. Hier hatte ferner der alte Schreinermeister Wilhelm Pabst seine Werkstatt. Eine letzte Berühmtheit erlangte das Haus „am Roß" im Jahr 1892, als hier fünf Franziskanerinnen aus dem Mutterhaus Aachen ihr Heim aufschlugen, ehe sie im Februar 1895 das stattliche neue Krankenhaus auf dem Bocker Berg zur Betreuung übernahmen.
Auf dem Foto wird deutlich, daß für das alte Haus „am Roß" die letzte Stunde bald geschlagen hat, Ein Nebengebäude ist bereits abgebrochen worden, und vorn hat man schon aufgeräumt, um mit den Ausschachtungsarbeiten für das große Geschäftshaus zu beginnen, dessen Bau noch 1895 hier von Fritz Kiel in Angriff genommen wurde. In den Jahren darauf folgten rasch hintereinander an der Wilhelmstraße das Schuhhaus der Mülheimer Firma Josef Freund (Inhaber Karl Selbach) und die Konditorei Hermann Schulz, denen sich viel später erst die Drogerie Paul Wielpütz anschloß.
Hinter dem Grundstück der katholischen Volksschule an der Wilhelmstraße, die damals von Hauptlehrer Jakob Breuer als „unumschränktem Herrscher" regiert wurde, tauchen, an den großen Garten anschließend, schon die Häuser Nr. 5 mit der Schreinerei Heinrich Gehlen und die Mehlgroßhandlung Franssen-Eich im Eckhaus an der einstigen Bahnhofstraße auf, an die sich weitere große Häuser reihen, von denen besonders die Bäckerei und Gastwirtschaft Karl Herweg zu erkennen ist.
Wasser ließ keine tiefen Keller zu
An der linken südlichen Straßenseite erkennt man noch ein Stück des ehemaligen Parks vor der Zandersschen Villa, dem jetzigen Sitz der Kreisverwaltung. Das einem Steinsockel aufgesetzte Eisenstangengitter springt weit vor in en allzu schmalen Bürgersteig. Jedes Haus der langen Zeile hat noch die weit vorgebaute Treppe, denn der Grundwasserstand' ließ keine sehr tiefen Keller zu. Vorn liegt der „Bergische Hof", ein weit bekannter Gasthof mit seitlicher Veranda, Eigentum des Stadtverordneten und Kalkfabrikanten Theodor Zimmermann.
An das Zimmermannsche Wohnhaus schloß sich die Metzgerei Johann Heinrich Berger in Nr. 36 an, die noch mit Schuppen und Stall versehen war und wo selbstverständlich auch Kühe gehalten wurden. Sie machte später dem Konsum-Verein „Concordia" Platz. Dann folgte mit Nr. 34 das Haus von Josef Langel, dessen Sohn Karl hier eine Handlung mit Leder, Schuhmacherbedarfsartikeln und Kolonialwaren betrieb, ebenso in späteren Jahren das Kontor der Kalkwerke in der Schlade von Hambüchen und Langel leitete.
Stadtbekannter Briefträger
Endlich stoßen wir in Nr. 32 auf das noch heute blühende Eisen- und Haushaltwaren-Geschäft von Michael Schmitz, das 1867 gegründet wurde. Daneben in Nr. 30 war eine Zeitlang das Gladbacher Postamt, und im Hinterhaus wohnte als stadtbekannte Persönlichkeit der Briefträger Peter Schwarzenthal. In den beiden Häusern des Sattlermeisters Christoph Münch waren lange Zeit das Stadtbauamt und das Vermessungsamt untergebracht. Im Hause nebenan, Wilhelmstraße Nr. 20, war die Gastwirtschaft von Johann Rasch, die erst nach 1906 unter Johann Büchner sich den Namen „Alt-Heidelberg" zulegte. Bereits im Jahre 1874 gründete in dem Hause Wilhelmstraße Nr. 18 Johann Wielpütz ebenfalls eine Gastwirtschaft, dengen hat, Ein Nebengebäude ist bereits abgebrochen worden, und vorn hat man schon aufgeräumt, um mit den Ausschachtungsarbeiten für das große Geschäftshaus zu beginnen, dessen Bau noch 1895 hier von Fritz Kiel in Angriff genommen wurde. In den Jahren darauf folgten rasch hintereinander an der Wilhelmstraße das Schuhhaus der Mülheimer Firma Josef Freund (Inhaber Karl Selbach) und die Konditorei Hermann Schulz, denen sich viel später erst die Drogerie Paul Wielpütz anschloß.
„Gladbacher Hof", die er um die Jahrhundertwende in das auf dem Bilde noch nicht zu sehende neuerbaute große Nebenhaus verlegte, worauf ihn das „Kaisers Kaffee-Geschäft" im Pachtverhältnis ablöste, das heute noch an der nämlichen Stelle besteht Im Hintergebäude er öffnete Karl lehn 1900 seine Selterswasserfabrik, die von den Nachkommen am Refrather Weg noch immer betrieben wird.
Hausbesitzer dagegen
Etwas zurückstehend erscheint im Dämmer licht auch das ehemalige Zanderssche Verwaltungsgebäude, das nach dem Neubau am Gohrsmühlenweg von 1898 bis 1906 als Bürgermeisteramt diente, nachdem dieses vorher seit 1893 in den beiden oberen Stockwerken des Heisingschen Kaufhauses untergebracht war. Die Firma Zanders trug sich mit der Absicht, zu Anfang der neunziger Jahre einen Weg von der Villa zu dem alten Kontorhause zu bauen, und wollte zu diesem Zweck das gesamte Hinterland der Häuserzeile aufkaufen. Johann Rasch ging auch darauf ein, indessen die übrigen Hausbesitzer sich weigerten.
Ganz hinten verschwimmt schließlich auf dem Bilde das alte kleine Haus von Albert und Christian Illinger, worin 1887 die erste Bergisch Gladbacher Zeitung gegründet wurde, und dann dasjenige von Friedrich Hartmann mit einer Manufaktur-, Glas- und Porzellanwarenhandlung. Während dieses Haus in renoviertem Zustande noch steht und neue Geschäfte birgt, hat jenes längst einem modernen, großen Geschäftshause Platz gemacht.
Still liegt die Straße, als habe der Frost alle Menschen in die Häuser neben den Ofen verbannt. Die entlaubten Bäume verraten ja, daß dieses Bild zur Winterszeit gemacht worden ist. Nur vorn am Roß haben sich einige Leute aufgestellt, und sie wissen offenbar um die Aufnahme Bescheid. Ob wohl einer davon nochlebt? Ein einziges Gefährt ist auf der Straße zu sehen; es scheint eine Kalkkarre zu sein, wie sie in dieser Form längst verschwunden sind. Ein ganzes Buch ließe sich über das alte Bild schreiben, wollte man alle historischen Zusammenhänge, die es wachruft, näher beleuchten. Zweifellos wird es bei vielen älteren Leuten mancherlei Erinnerungen wecken. Wie das Bild selbst in vielem verblaßt, geht es auch dem Gedächtnis der Menschen, und schließlich sind 61 Jahre auch eine lange, lange Zeit, mehr als zwei volle Menschenalter.
Spareinlagen stiegen auf 25 Millionen DM
Die Kreissparkasse Bergisch Gladbach kann heute auf eine 55jährige Tätigkeit im Dienst der Bevölkerung der Stadt zurückblicken. Sie wurde im Jahre 1901 als Zweigstelle der 1856 — also vor 100 Jahren — gegründeten Spar- und Darlehnskasse des Landkreises Mülheim am Rhein errichtet. Heute ist sie als bedeutendste Zweigstelle der Zweckverbandssparkasse der Landkreise Köln, Rheinisch-Bergischer Kreis und Bergheim in Köln ein wichtiges Glied dieser größten Kreissparkasse im Bundesgebiet.
Der Kreissparkasse Bergisch Gladbach blieben bei der Währungsumstellung des Jahres 1948 `nur noch zwei Millionen DM Einlagen. Heute verwaltet sie wieder 25 Millionen DM Gesamteinlagen und steht damit an der Spitze der. 50 Zweigstellen der Zweckverbandssparkasse. Sie konnte also seit, der Währungsreform ihren Einlagebestand wieder auf das Zwölffache erhöhen. Jeder zweite Bürger der Stadt Bergisch Gladbach ist Sparer der Kreissparkasse.
Mit über 3000 Girokonten hält die Sparkasse enge Verbindung zu allen Wirtschaftszweigen der Stadt Bergisch Gladbach. Die überaus günstige Geschäftsentwicklung hat die Kreissparkasse in die Lage versetzt, einen bedeutenden finanziellen Beitrag zu der außerordentlichen Wiederaufbauleistung 'innerhalb der Stadt zu leisten.
Für den Wohnungsbau und öffentliche Bauvorhaben wurden insgesamt 15 Millionen DM langfristige Darlehen ausgeliehen. Ebenfalls beachtlich ist die Bereitstellung von 7 Millionen DM sonstiger langfristiger Darlehen für Investitionsvorhaben des Handwerks, Handels, der Landwirtschaft und der Industrie.
Die Tatsache, daß zur Zeit weitere 6 Millionen DM kurzfristige Kredite an gewerbliche und landwirtschaftliche Betriebe bewilligt sind, wertet die Kreissparkasse gleichfalls als Ausdruck ihrer lebendigen Verbindung zu allen Wirtschaftszweigen der Stadt. Die aktive Kreditpolitik hat sicherlich entscheidend zur raschen wirtschaftlichen Aufwärtsentwicklung der Stadt Bergisch Gladbach beigetragen. Den Geschäftsumfang der Kreissparkasse in Bergisch Gladbach kennzeichnet die Tatsache, daß seit der Währungsumstellung 3 Milliarden DM Umsätze in 6 Millionen Buchungsposten abgewikkelt wurden.

SO SAH DIE Bergisch Gladbacher Hauptstraße — damals hieß sie noch Wilhelmstraße — vor einigen Jahrzehnten aus. Der Fotograf schaute offenbar durch das Schalloch im Kirchturm von St. Laurentius.

Im Tal der Strunde
Leider wissen wir nicht, wem die Liebe zum Strundertal zu diesen Versen Anlaß gab. Sie flatterten uns vor einigen Tagen mit dem Bemerken „Ein Baum zur Jahrhundertfeier der Stadt Bergisch Gladbach" auf den Redaktionstisch.

 

Jung war ich,
da blickt ich nieder
auf dich stilles, müdes Tal ohne Menschlein —
hin und wieder
sang dir eine Nachtigall.
Sang sie dir
mit ihrer hellen
Stimme nicht dein Zukunftslied, sanft begleitet
von den Quellen,
von den Bächen und dem Ried?
Stolz stand ich
auf deinen Hügeln,
sah dem Treiben hämisch zu, sah dich wachsen
wie auf Flügeln
strebtest zu den Wolken du!
Alt bin ich,
jetzt blick ich wieder
auf dich reges, waches Tal. Fleiß und Arbeit
singen Lieder
dir, wie einst die Nachtigall.
Singen sie
mit ihrer) harten
Stimme nicht dein Glück voraus? Bleibe heiter,
lerne warten
mit Geduld und starker Faust.
Müd' steh' ich
auf deinen Hügeln,
seh' dem Treiben traurig zu, wünsch' dir Glück
und ew'gen Frieden.
Lebe fort! — Ich geh' zur Ruh'.
t fit"

 

Zwischen Martin und Dorothea liegen heute 36272 Tage

Der Älteste baute den ersten Motorwagen
Sein Unternehmer- und Erfindergeist leistete Schrittmacherdienste für die spätere Entwicklung

Wenn die Stadtverwaltung am Montag die ältesten Bürger der Jubiläum feiernden Stadt für einen Nachmittag als ihre Gäste begrüßt, dann wird in diesen wenigen Stunden in den Gesprächen der Alten gewiß mehr aus der Geschichte der Stadt lebendig, als man in Zeitungsartikeln und Büchern zu erzählen vermag. Der älteste unter ihnen wird Martin Heck sein, der im Februar nächsten Jahres sein 100. Lebensjahr vollendet, und der größte Teil dieses Lebens verbindet Martin Heck mit Bergisch Gladbach. Sein Unternehmer- und Erfindergeist ließen ihn schon vor mehr als 50 Jahren Schrittmacherdienste für die Entwicklung der Motorfahrzeuge leisten.
„Rheinisch-Bergische Motorenfabrik Martin Heck, gegründet 1891" steht auf dem vergilbten Briefkopf, der vor mir auf dem Tisch in einem alten Haus an der Feldstraße liegt. Neben mir sitzt dieser Martin Heck, dem man nicht glauben möchte, daß er sich im hundertsten Lebensjahr befindet, wenn man ihn so aufrecht und ohne fremde Hilfe durch die Stuben gehen sieht.
Bis vor wenigen Wochen noch konnte man sich mit ihm über alte Zeiten unterhalten, doch augenblicklich ist er fast völlig taub, und so, erzählt uns seine älteste Tochter, Frau Wilhelmine Bäumer, die selbst schon 71 Lenze zählt und in deren Haushalt er lebt, aus dem Leben des Vaters.
Einbaumotore für Fahrräder
Als Martin Heck seiner „Rheinisch-Bergischen Motorenfabrik" den Namen gab, konnte er noch nicht ahnen, daß man Jahrzehnte später das Kreisgebiet, dessen Hauptstadt Bergisch Gladbach wurde, ebenso nennen würde.
„Vater hat den ersten Motorwagen, der hier gelaufen ist, gebaut", erzählt Frau Bäumer. „Der Dachdeckermeister Schwarzenthal hat 20 000 Mk. darangelegt. Er war aus schwerem Eichenholz erbaut, und allein der Motor war so hoch wie ein Zimmer und wog bestimmt seine 40 bis 50 Zentner. Der Wagen fuhr auch, zog aber nicht richtig den Berg hinauf."
Anregung in der Weltausstellung.
Das war kurz nach der Jahrhundertwende. Angeregt worden zu diesem Pionierschritt war Martin Heck in der Weltausstellung im Jahr 1900 in Paris, wo er den ersten „Omnibus" gesehen hatte.
Schon der Vater Martin Hecks hatte Wagen gebaut, und zwar in Eupen, wo Martin auch am 18. Februar 1857 geboren wurde. Mit den Eltern kam er schon früh nach Bensberg und Bergisch Gladbach, wo er aufwuchs. Viele nette Episoden aus dieser Zeit des Lausbubenalters wissen die Kinder des alten Heck von ihm zu erzählen, u. a. folgende: Martin sollte häufig eine seiner jüngeren Schwestern im Kinderwagen verwahren. Dann aber tat er nichts lieber, als den Wagen in Bensberg den Schloßberg hinauszuschieben und ihn hinunterlaufen zu lassen, bis er unten samt Kind umkippte, worauf das Kleine jeweils vor Freude gejuchzt habe. Die Eltern sollen ob dieser „Privatfahrten" ihres Jungen weniger freundlich reagiert haben.
Fabrik in der Trotzenburg
Auf Wunsch des Vaters besuchte Martin das Gymnasium in Eupen, kam dann nach Bergisch Gladbach zur Maschinenfabrik Berger & Co. in die Lehre und vervollständigte seine Kenntnisse später in Abendkursen an der Technischen Hochschule in Aachen. Nachdem er 1883 geheiratet hatte, war er in den folgenden Jahren für Weltfirmen wie Siemens und Deutz-Motoren tätig, bis er sich 1891 in Bergisch Gladbach in der Trotzenburg selbständig machte. Inzwischen hatte Martin Berger auch schon mehrere Patente im Motorenbau angemeldet.
„Wenn man heute die große Zahl der Mopeds sieht", meint Frau Bäumer, „muß man sich sagen, daß der Vater damals schon auf dem richtigen Weg war, denn er hat ja auch schon Fahrradeinbaumotoren gebaut. Wenn der Krieg und andere Umstände nicht dazwischen gekommen wären, hätte sich aus dem Werk des Vaters vielleicht ein großer Industriezweig entwickeln lassen."
Der alte Schmitz Michel, ein Nachbar des Hecksehen Betriebes, soll oft gesagt 'haben: „Ech kann esu fröh opston wie ech well, eck hüre immer at den Martin op der Amboß schlonn." Und damit verkörpert Martin Heck, der zwar selbst gar nicht im Bergischen geboren ist, wohl am besten den Urtyp des alten bergischen Menschen.    P.

MARTIN HECK, der im nächsten Jahr am 18. Februar 100 Jahre alt wird.    Fotos: Pfeil (1), Privat (1)

AUS DER ZEIT vor dem ersten Weltkrieg stammt dieses Foto, das einen von Martin Heck gebauten Gasmotor zeigt. Zur Verbesserung der Fotografie hielten die beiden Söhne August (links, geb. 1889) und Theo (rechts, geb. 1887) zwei Leitern, an denen der „neutrale Hintergrund" aufgehängt war.

Papierindustrie trägt den Namen der Stadt in die Welt

Der „fleißigste Bach Deutschlands" lockte — Industrie besteht schon vierhundert Jahre
Als 1582 Herzog Wilhelm von Jühlich Cleve-Berg dem Kölner Kaufmann Philipp von Fürth die Konzession zum Bau der ersten Papiermühle an der Strunde erteilte, reihten sich an deren Ufer, gleich Perlen an der Kette, bereits die Mühlen, so Mahlmühlen, Leder- und Tuchwalkmühlen, Gewürz- und Ölmühlen, Holz- und Pulvermühlen und nicht zuletzt alle jene, die den verschiedenen Zweigen der Eisenindustrie dienten. Auf ihrem kurzen Weg von der Quelle in Herrenstrunden bis zur Mündung in den Rhein trieb die Strunde mehr als 50 Mühlen.
Für die Wahl des Standortes der Papiermühlen gaben jedoch zwei Faktoren den Ausschlag: einmal die stetige Wasserkraft der Strunde und zum andern die Nähe der rheinischen Handelsmetropole Köln als Absatzgebiet. Jene alten Papiermacher schätzten die sich für ihre Erzeugnisse gegen Ende des 16. Jahrhunderts ergebenden Möglichkeiten durchaus richtig ein. Das Zeitalter des Humanismus und der Reformation hatte, begünstigt durch die Vervielfältigungstechnik der noch jungen Buchdruckerkunst mit einer Fülle gelehrter Werke, religiöser Flugschriften und theologischer Abhandlungen, nicht nur die Vorbedingungen für die Entfaltung eines regulären Handelns mit Papier geschaffen, sondern garantierte erstmalig einen gesicherten Absatz.
Leinenlumpen Mangelware
So wuchs die Zahl der Papiermühlen an der Strunde, die trotz mancher Schwierigkeiten, besonders in der Versorgung mit dem damals einzigen Rohstoff, dem Leinenlumpen, bald im Wirtschaftsleben des damals kleinen, unbedeutenden Dorfes eine wichtige Stellung einnahmen. Durch die Papiermühlen ergaben sich für die Gemeinde und ihre Bevölkerung neue und einträgliche Arbeits- und Verdienstmöglichkeiten, zumal der Absatzmarkt planmäßig erweitert wurde. Bis zur großen Französischen Revolution haben diese Mühlen nicht nur Deutschland, sondern auch Frankreich, Belgien, Holland und Italien mit der Güte ihrer Erzeugnisse erobert.
Es ist daher verständlich, daß Bürgermeister Jakob Herweg den 1856 gestellten Antrag auf Verleihung der Stadtrechte für Bergisch Gladbach mit der gewerblichen Tätigkeit begründete, wobei die Papiermacher an erster Stelle standen. Die Erhebung der damas nur 4950 Seelen zählenden Gemeinde Bergisch Gladbach zur Stadt war eine besondere Auszeichnung, eine Anerkennung für den nie rastenden Unternehmergeist und den geradezu sprichwörtlichen Fleiß der Bürger, vor allem aber der Papiermacher unter ihnen. So ist es nur zu erklären, daß das Stadtwappen außer dem Bergischen Löwen und dem Symbol des Strunderbaches eine Papierrolle zeigt.
Technische Revolution
Bergisch Gladbach wurde so zur Papiermacherstadt. Diese Industrie gewann weiter schnell an Bedeutung, zumal auch für die Papiermacher mit der Erfindung der Papiermaschine gegen Ende des 18. Jahrhunderts das Maschinenzeitalter, die erste technische Revolution, hereinbrach. Als 1842 die erste Papiermaschine in der „Dombach' aufgestellt wurde, vollzog sich der Ubergang vom Handwerks- zum Industriebetrieb.
Inzwischen sind 100 Jahre vergangen. Aus dem kleinen Dorf Bergisch Gladbach wurde eine gesunde, blühende Mittelstadt mit über 36 000 Einwohnern, und die Papiermühlen haben sich zu modernen Fabriken entwickelt. Die Papierindustrie ist mehr denn je der weitaus wichtigste Wirtschaftsfaktor Bergisch Gladbachs. So sind die von ihr gezahlten Realsteuern das Rückgrat des städtischen Haushalts.
Förderung des Gemeinwohls
Der Anteil am Steueraufkommen hat aber nur eine beschränkte Aussagekraft, denn viele öffentliche Gebäude und kulturelle Einrichtungen verdanken ihre Entstehung der Initiative der Industrie, insbesondere aber den Stiftungen des Hauses Zanders. Diese Einstellung, welche auf der früheren Erkenntnis der unternehmerischen Verpflichtung zur Förderung des Gemeinwohls beruht, wirkte sich für die Stadt und seine Bürger segensreich aus.
Wie in der Vergangenheit, so gehen auch in der Gegenwart von der Papierindustrie starke, das Leben Bergisch Gladbachs befruchtende Impulse aus. Als Beweis hierfür wird oft die Zahl der Beschäftigten herangezogen, obwohl dies für die inzwischen stark mechanisierte Papierindustrie nur bedingt richtig ist. Geht man von einer durchschnittlichen Familiengröße von drei Personen aus, so leben von den rund 36000 Einwohnern der Kreisstadt 19 v. H. direkt von der Papierindustrie. In dieser Zahl ist ein hoher Anteil von Ostvertriebenen und Evakuierten enthalten.
'HANDGESCHÖPFTES Papier, das sogenannte Büttenpapier, ist auch heute noch sehr begehrt. Von Meisterhand im Sieb geschüttelt, formiert sich die steife, flüssige Masse zu einem Bogen, der alsdann zum Trocknen abgelegt wird. Es gehört große Erfahrung hierzu; meist ist es so, daß die Handschöpfer schon seit Generationen einer Familie entstammen.

 

Geheimnis der„Burg" ist ungeklärt

Verbindung zur Kirche? — Lebenskreis volkstümlicher Wirtinnen
Auch heute noch schwebt über allen Teilen des ehrwürdigen Kirchdorfes Paffrath der Hauch einer großen Vergangenheit. Geradezu verwunderlich wäre es, wenn darin eingeschlossen nicht vor allem der alte Gasthof gleich neben der Kirche eingangs der Nußbaumer Straße wäre. Der seltsame Name „Zur Burg" weist ganz offensichtlich darauf hin, daß hier einst ein Rittersitz bestanden hat. Montanus hat den früheren Namen „Petersberg", allerdings ohne eine Angabe der Quelle, überliefert.
Man dürfte kaum fehlgehen mit der Annahme, daß es sich bei diesem Sitz um die früheste Burganlage zu Paffrath handelt, viel älter noch als Haus Blech. Zu dieser Vermutung drängt nicht nur die 'unmittelbare Nähe der Kirche, deren Entstehung noch im dunkeln liegt. Doch kann man ihn mit Sicherheit zum mindesten in die karolingische Zeit verlegen. Den Forscher verführt es geradezu, einen ursprünglichen Zusammenhang zwischen dieser Burg und der Kirche anzunehmen.
Zur Zeit des Montanus hieß die Burg noch „Burgfried", im Volksmund einfach „Berfert", und der gleiche Name taucht schon in einer Urkunde des Jahres 1463 auf. Damals verkaufte Konrad von Menzingen das Haus Blech nebst dem „Bergfried" im Dorf Paffrath an den Kölner Domprobst Stephan bei Rhein, der diesen Besitz dann dem Domstift schenkte. Dieses wiederum gab Haus Blech in Erbpacht undübereignete es später an die von Kessel zu Bottlenberg.
Aus einem Teilungsvertrag vom Jahre 1768 ist bekannt, daß die Burg als „großer Bergfried" bezeichnet wurde, und daß gegenüber auf der anderen Seite der Nußbaumer Straße der „kleine Berfert" lag. Man muß die Burg wohl unterscheiden vom Fronhof zu Paffrath. Um das Jahr 1900 wohnte im „Berfert" ein Johann Müller, allgemein der „Berferts Hannes" genannt, und seine Kinder hießen die „Berferts Kengder".
Um 1850 betrieb Heinrich Büchel in der Burg eine Gastwirtschaft und Brennerei. Erst führte seine Witwe das Geschäft weiter, dann wurden drei Töchter volkstümliche Wirtinnen in der Burg. Von ihnen gehen noch viele Anekdoten unter den alten Paffrathern um. — Auch heute ist die Gaststätte in der Burg noch allgemein beliebt.

IM SCHATTEN der Kirche von Paffrath liegt das alte „Gasthaus zur Burg", dessen Name auf die alte Geschichte des Ortes und seine einstige Bedeutung als Rittersitz, hinweist.

 

 

Vier Bürgermeister begründeten

JAKOB HERWEG
Der erste Stadtbürgermeister
Er wurde am 8. März 1811 in Lützenkirchen geboren, bereitete sich zunächst auf den Lehrerberuf vor, trat dann in den Verwaltungsdienst über und war von 1847 bis 1863 Bürgermeister von Bergisch Gladbach. Unter ihm verlieh der Preußische König am 9. August 1856 der Gemeinde. Gladbach die Rheinische Städteordnung. Herweg erwarb sich durch die Förderung der Industrie, des Straßenbaues und des Schulwesens große Verdienste. In den Notjahren wurde er ein wahrer Vater der Armen. Man lohnte ihm leider mit Undank. Er starb am 3. August 1891.

FRANZ JOSEF SCHROTER
Förderer sozialer Einrichtungen
Am 29. Dezember 1861 wurde er in Schellendorf, Kreis Goldberg, in Schlesien geboren, studierte in Breslau die Rechte und kam 1888 als Referendar an das Polizeipräsidium in Köln. 1894 wurde er Bürgermeister in Ruwer bei Trier, 1897 in Bergisch Gladbach. Unter ihm wurden das Wasserwerk fertiggestellt, der Schlachthof, zwei neue Volksschulen, das alte Gymnasium und das herrliche Rathaus errichtet. Er förderte das Berufsschulwesen, die Säuglingspflege, die Jugendfürsorge und die Verschönerung der Stadt auf vielfache Weise. Er starb am 22. Februar 1914.

150 Orte wurden zur Stadt vereinigt
Der Name Gladbach bestand kurioserweise nicht für sich allein
Noch bis zum vorletzten Jahrzehnt des vorigen Jahrhunderts, als die ersten amtlichen Straßennamen festgesetzt wurden, zählte Bergisch Gladbach über anderthalbhundert einzelbenannte Ortschaften. Die nachstehende Liste stellt einen vom Fronhof ausgehenden Rundgang dar, der durch alle fünf Katastergemeinden führt und vom Ortskundigen auch leicht zu verfolgen ist.
Die Namen werden in der Schreibweise gebracht, wie sie das aus dem Jahr 1858 stammende Verzeichnis bringt. Es ist zu beachten, daß die große Grenzbereinigung und der Gebietsaustausch mit der Nachbargemeinde Bensberg erst 1859 erfolgten, daher etwa Herrenstrunden noch nicht erscheint, dagegen manche Hofstellen, die heute zu Bensberg gehören, noch mitaufgeführt sind. Auch sind bei weitem nicht alle tatsächlich bestehenden Siedlungsnamen in der Liste, da manche schon in Sammelnamen, wie Strundorf und Paffrath, zusammengefaßt sind.
Verwunderlich erscheint vor allem, daß „Gladbach" selbst als Ortsname nicht allein für sich vorkommt, nur in den beiden Zusammensetzungen „Gladbacher Mühlen und „Gladbacher Wald". Einen „Gladbacher Hof" außer dem Fronhof hat's einst nie gegeben. Die ganze Innenstadt um den heutigen Marktplatz ist vornehmlich in den Orten Fronhof, Bock, Buchmühle, Roß, Bergershäuschen, Schnabelsmühle und Rindweg enthalten.
Aber das Verzeichnis, worin nach den Ortsnamen die Einwohnerzahlen angegeben sind, mag für sich sprechen: Fronhof 87 — Bock 10 — Buchmühle 23 — Roß 28 — Schnabelsmühle 48 — Bergershäuschen 15 — Gohrsmühle 8 — Rindweg 23 — Stegerkamp 34 — Reif 30 — Steinkrug 8 — Kamp 28 — Horngasse 18 — Berg 41 — Schlöm 138 — Sechzehnmorgen 22 — Irlenfeld 6 — Schlömerwiese 8 — Broch 5 — Gladbachermühle 11 — Wathsadc 26 — Quirl 5 — Kaule 48 — Steingasse 34 — Hammermühle 14 —Strundorf 159 — Steufelsberg 21 — Holzmühle 52 — Lehmkaule 2 — Lochermühle 17 — Jügg 34Heidkamp 103 — Oberheidkamp 22 — Hohnshäuschen — Schreibersheide 25 — Bonnschlade 79 — Schützheide 13 — Greuel 113 — Schmitzheide 16 — Wiese 34 — Waarde 41 —Heide 59 — Zinkhütte 20 — Körbchesweier 20
—    Gronauerfeld 170 — Gladbacherwald 9 — Heidchen 6 — Langenstück 16 — Driesch 29 — Gronau 130 — Cäderwald 10 — Schmitzberg 9
—    Gronauermühle 10 — Kippmühle 7 — Vierhäuschen 41 — Dünhof 59 — Neuemühle 27 — Rodemidi 71 — Piddelbornermühle 22 —
Piddelborn 61 -- Kradenpful 15 — Kradenpohlsmühle 6 — Duckterath 18 — Geisbock 16 — Schlodderdich 13 — Gierath 45 — Haus Blech 15 — Schneppruthe 25 — Hand 192 — Heide 28 — Paffrathermühle 13 — Kamp 23 — Kaule 27 — Büchel 19 — Dreck 32 — Weihpütz 14 — Platz 6
—    Wiedenhof 5 — Paffrath 42 — Burg 14 —Flachsberg 44 — Pohl 53 — Höffen 15 — Nußbaum 171 — Steinknippen 6 — Hufe 6 — Siefen 45 — Sträßchen 24 — Neuehaus 4 — Schüllerbusch 20 — Hoppersheide 47 — Vorend 27 — Selsheide 92 — Apenschoß 10 — Kempen 20 — Hülsen 43 — Plackenbroch 4 — Neuenhaus 34
Katterbach 32 — Heidchen 27 — Torringen 120 — Dipischrath 10 — Unterhebborn 170 — Oberhebborn 68 — Hebbornerhof 12 — Mutz 23
—    Unterborschbach 24 — Holz 56 -- Risch 26 — Gemarkenberg 6 — Kuckelberg 22 — Kleierhof 10 — Grube 14 — Kley 10 — Romaney 27 —Siefen 28 — Combüchen 35 — Büchel 14 — Grünenbäumchen 4 — Rosenthal 11 — Sand 33 — Lichten 12 — Häuserdombach 16 — Dombach 105 — Eulenburg 11 — Rommerscheid 120 — Iggel 13 — Schiff 6 — Oberthal 6 — Blissenbacherhof 10 — Herweg 16 — Weiermühle 19 — Meißwinkel 14 — Hauserhof 10 — Leerbach 18 — Wiedenhof 13.
Insgesamt zählten diese 136 Ortschaften des Stadtbereiches im Jahre 1858 4621 Einwohner.

 

 

den Aufstieg Bergisch Gladbachs

HERMANN JOSEF PUTZ
Anwalt der Bedrängten
Er stammte aus Düsseldorf, wo er am 17. Juni 1878 geboren wurde. Nach dem Studium der Rechte war er von 1910 an Assessor und Beigeordneter 'in Altenessen. Kurz nach Kriegsausbruch 1914 wurde er zum Bürgermeister von Bergisch Gladbach gewählt. So trug er die ganze Last der Weltkriegsjahre, die ihn vor allem vor die schweren Aufgaben der Kriegswirtschaft und Betreuung der Familien der Soldaten und dann der eigentlichen Kriegsopfer stellten. Auch in den Jahren der Besetzung der Stadt durch die Engländer war er ein Anwalt aller Bedrängten. 1920 berief ihn die Regierung als Landrat nach Aachen. Nach segensreichem Wirken starb er am 12. April 1928.

JOHANN ODENTHAL
Führender Wirtschaftler
Sohn einer alteingesessenen Gladbacher Familie, der am 28. Juni 1860 in Gronau geboren wurde. Er war von jungen Jahren an führend im Gladbacher Wirtschaftsleben als Guts- und Brennereibesitzer sowie als Kalkfabrikant. Lange Jahre gehörte Odenthal dem Kreistag, dem Kreisausschuß und dem Provinziallandtag als Vertreter der Zentrumspartei an. 1920 wurde er zum Bürgermeister seiner Vaterstadt gewählt und lenkte die Geschicke bis zum Jahre 1928. In diese Zeit fielen die Jahre der Geldentwertung und dann des Wiederaufbaues nach 1924, die hohe Anforderungen an seine Kraft stellten. Er starb am 21. März 1936.

Impulse kamen von der Industrie
Trotz Köln günstige Entwicklung — Wohnungsbau in erster Linie
Von Stadtdirektor Dr. Kenntenich
In den auf die Stadtwerdung folgenden Jahren und Jahrzehnten vollzog sich die Entwicklung Bergisch Gladbachs aus dem Charakter der bergischen Streusiedlung heraus in enger Anlehnung an die Ausweitung seiner Industrie. Die Lage an dem wasserreichen Strunderbach kam dabei besonders zustatten. In den heute vorhandenen Papierfabriken sind allein rund 2300 Arbeiter und Angestellte beschäftigt. Mit Recht zeigt daher das Wappen der Stadt im unteren Feld eine Papierrolle und versinnbildlicht damit die überragende Bedeutung dieses Wirtschaftszweiges.
Aber auch andere namhafte Betriebe haben in den vergangenen Jahrzehnten bis in die jüngste Zeit hinein in besonderem Maße zu einem starken Anwachsen und Ansehen der Stadt beigetragen. Bergisch Gladbach ist stolz darauf, daß viele dieser Betriebe zu den führenden ihres Fachgebietes gehören. Insgesamt sind heute 70 Industriebetriebe im Handelsregister eingetragen.
Handel ist wettbewerbsfähig
Handel und Handwerk haben sich in ähnlicher Weise wie die Industrie entwickelt. Sie wetteifern heute in gesunder Konkurrenz, ihre Waren und Produkte abzusetzen. Der Einzelhandel, der mit vielen modernen Geschäften, vor allem in den Hauptstraßen, vertreten ist, kann durchaus in einen Wettbewerb mit den entsprechenden Geschäften der Großstadt treten, wenngleich die Nähe der benachbarten Großstadt Köln infolge der überaus günstigen Verkehrsverbindungen immer noch weite Konsumkreise an sich zieht. Heute zählt die Stadt 520 Handwerksbetriebe, während der Handel mit insgesamt 735 Unternehmern vertreten ist. Insgesamt sind nach dem zweiten Weltkrieg bis heute 30 größere und mittlere Betriebe mit über 1000 Beschäftigten neu angesiedelt worden.
Die Einwohnerzahl stieg von 4947 bei der Stadtwerdung im Jahr 1856 auf über 11 435 im Jahr 1900, 22 286 im Jahr 1939 auf zurzeit über 36000. Damit ist allein gegenüber dem Vorkriegsstand von 1939 ein Bevölkerungszuwachs von über 60 v. H. zu verzeichnen. Von den berufstätigen Einwohnern der Stadt sind rund 6500 in den Industrie-, Handwerks- und Handelsbetrieben sowie in freien Berufen beschäftigt. Außerdem sind rund 3400 außerhalb wohnende Arbeitskräfte in den gewerblichen Betrieben Bergisch Gladbachs tätig. Demgegenüber beträgt die Zahl der hier wohnenden und auswärts in Gewerbebetrieben Beschäftigten zurzeit rund 4700.
Große Anforderungen
Die enorme Aufbauarbeit, verbunden mit dem starken Bevölkerungszuwachs nach dem Krieg, stellte und stellt auch heute noch außergewöhnliche Anforderungen an Rat und Verwaltung der Stadt. Mußten doch nach und nach alle auf der gemeindlichen Ebene bestehenden öffentlichen Einrichtungen der stark gewachsenen Stadt angepaßt werden. Daß dabei der Wohnungsbau als Voraussetzung der äußeren Versorgung der Bürger einen besonderen Platz einnahm und noch einnimmt, leuchtet ohne weiteres ein. Seit der Währungsreform im Juni 1948 bis heute konnten infolge der intensiven Bemühungen der Stadt über 2600 Wohnungen geschaffen werden. Dennoch beträgt die Zahl der Familien, die auch heute noch auf eine ausreichende Wohnung warten, immer noch rund 1600.
Daß aber Rat und Verwaltung und nicht zuletzt eine gesunde Unternehmerinitiative alles daransetzen, um der Wohnungsnot so bald wie möglich. Herr zu werden, mag daraus ersehen werden, daß allein im Jubiläumsjahr 1956 im sozialen Wohnungsbau fünf Siedlungen mit über 300 Wohnungen im Bau sind, von denen die sogenannte Jubiläumssiedlung, die als Eigenheimsiedlung für kinderreiche Familien entsteht, einen besonderen Platz einnimmt.
Verkehrsentwicklung wichtig
Auch die Ausdehnung der Stadt und die Ausweitung des Verkehrs brachten neue Probleme mit sich. Das Straßennetz mußte im wesentlichen neu ausgebaut und erheblich erweitert, neue Verkehrsverbindungen nach allen Seiten geschaffen, ein besonderer Omnibusbahnhof geplant (der teilweise fertiggestellt ist) und die notwendigen Parkplätze eingerichtet werden. Hinzu kam der Ausbau der Entlastungsstraßen, eine Aufgabe, die zurzeit in der Durchführung begriffen ist und die angesichts der geographischen Lage der Stadt besondere Schwierigkeiten und Aufwendungen verursacht.
Naturgemäß mußte auch die Strom-, Gas-und Wasserversorgung erheblich ausgebaut werden. Wenn daher an dieser Stelle noch der Neubau eines Wasserwerkes, die gänzliche Modernisierung des Schlachthofes mit dem Bau eines Kühlhauses aufgeführt werden darf, so mag deutlich werden, daß kein Lebensgebiet von der aufgezeigten außerordentlichen Bevölkerungsentwicklung ausgeschlossen blieb.

 

Als der „Bock" noch Bauernhof war

In 50 Jahren hat sich im Gladbacher Zentrum viel geändert
Das oben wiedergegebene Bild wurde von dem Paffrather Lehrer und Amateurfotografen Vinzenz Feckter um 1899 aufgenommen, anscheinend vom Dach des Textilkaufhauses Büttgen aus. Der Blick fällt auf die Westseite der Laurentiuskirche. Noch zieht sich die graue, hohe Mauer rund um ihren geweihten Bereich; nur nach der Marktseite zu sind Eisenstangengitter eingefügt. Im Turmwinkel steht noch das ehrwürdige Missionskreuz, und vorn links sind die Grabkreuze der beiden hier bestatteten Priester zu sehen, nämlich des Pfarrers Johann Krein (gestorben 1864), der die Kirche erbaute, und des Vikars Wilhelm Hölzer, der mit jenem in demselben Jahr verschieden ist. Ihre Gebeine wurden aus Anlaß der Erweiterung der Kirche im Jahre 1906 in feierlichem Zuge auf den neuen Friedhof übergeführt und der Verfasser nahm damals als Ministrant teil —übrigens bei strömendem Regen.
Links zeigt sich der Gasthof "„Zum Bock", den zu dieser Zeit der weit bekannte Wirt Johann Adolf Kierdorf, der „Bocker Schang", betreute, in seiner alten Pracht. Mit der Lupe kann man sogar das Gasthof-Schild auf dem Bild gut lesen. Im heutigen Reformhaus waren die Gaststuben, an die sich tausend Anekdoten für die alteingesessenen Gladbacher knüpfen. Die Sippe der Kierdorfs waltete hier bereits seit dem Jahre 1824, und sie setzte die mittelalterliche Tradition der Schenke an der Kirche fort. In den achtziger Jahren erbaute man den mächtigen Saal in altbergischer Fachwerkweise, wobei allerdings das Fachwerk des Wirtshauses selbst etwas später verschwand und einem Ziegelbau weichen mußte. Der große Saal wirkt wie eine altgermanische Halle aus der Recken-zeit. Eine Pfeilerreihe stützt den Saalbau vorn, so daß ein langer, überdachter, freier Raum blieb, ein Paradies der „Jläbbijer Jongen". Dort befanden sich die Pferdeställe; denn der „Bock" war die Übernachtungsstelle für fremde Fuhrleute, die' in jener Zeit noch tage- und wochenlange Fahrten über Land unternahmen.
Bierkeller wurde Luftschutzbunker
An der Hinterseite des Saales im eigentlichen Hof befanden sich die Kuhställe. Denn der „Bock" war zugleich ein großer Bauernhof mit viel Vieh und Knechten und Mägden. Täglich wurden die Tiere damals immer noch die Paff-rather Straße hinauf auf die Weiden an der Reuterstraße getrieben, Dort hatte sich der Rest der Bock er Ländereien am längsten erhalten. Dort lag auch der „Bocker Garten" mit zahlreichen Obstbäumen, der Jugend dank den Schlupflöchern in der Hecke wohlbekannt. Am Bock wurde natürlich auch eine Brauerei betrieben. Der Bierkeller unter dem hohen Berg bot im letzten Weltkrieg nach seinem Ausbau zum Luftschutzbunker den Bewohnern der Innenstadt und den Schulkindern einen sicheren Unterschlupf.
Viele glanzvolle Veranstaltungen hat der alte Bocker Saal auch vor 1900 bereits gesehen. Übrigens nennt Montanus schon 1849 das Gasthaus „Zum Bock" ein „weltberühmtes".. Etwa zugleich mit dem Bau des Rathauses erhielt es seine moderne Gestalt. Seit dem Jahre 1912 steht es im Eigentum der Familie Dederichs, die sich inzwischen längst fest verwurzelt hat.
Der Blick schweift dann die untere Laurentiusstraße hinauf. Die Häuserreihe beginnt rechts mit dem -Manufakturwarengeschäft der beiden Fräulein Fußbahn und Francke, von denen jene eine Nichte des volkstümlichen Pfarrers Ludwig Fußbahn war. Im Hinterhaus betrieb der alte Anton Kierdorf seine kleine Brennerei, und man sah oftmals den . einen oder anderen verstohlen hineinschlüpfen, um sich von dem guten Anton im Brennes den „Puddel" für wenig Geld füllen zu lassen. Dann kam die Schreinerei von Peter Kruft. Dieser tüchtige Meister starb leider früh, sein einziger Sohn Josef fiel im ersten Weltkrieg.
Nun folgt das Schuhgeschäft des biederen Meisters Wilhelm Werheit, der eine große Kinderschar mit seiner Hände ehrlicher Arbeit aufzog, und dessen Sohn noch heute hier das Handwerk weiterführt. Daneben schließt sich wieder ein Manufakturwarengeschäft an, nämlich von Thomas Boschbach, der übrigens im Hauptberuf Meister in der Zandersschen Papierfabrik war. Zu Hause verdienten sich Frau und Tochter mit dem Laden „einen Groschen" dazu.
Über eine große Lücke springt die Häuserzeile dann hinüber zu dem Schuhgeschäft von Peter Wihl und zur Bäckerei von Anton Jux, die beide noch heute bestehen und die Tradition der alten Handwerkerstraße wahren.

VOR 50 JAHREN ging in Bergisch Gladbach alles noch ein wenig gemächlicher zu als heute. Das Gasthaus „Am Bock", zu dem ein Bauernhof gehörte, spielte mit seiner Pferdestation noch die Rolle des heutigen Bahnhofs. Fahrzeuge sah man nur selten. Die Toten wurden noch bei der St.-Laurentius-Kirche begraben.
Ein Foto aus dem Jahre 1899:

Jungen hatten Appetit auf Schangs Äpfel
Auf der linken Straßenseite, die sich dem Bocker Berg zuneigt, überragen den Saal die Baumkronen des Bocker Hausgartens, die straßenwärts das schlichte Bocker Kreuz, ein einfaches Holzkreuz, damals noch ohne Corpus,' schützend überdachen. Dort standen aber auch ein paar- herrliche Mispelbäume, und wenn deren Früchte im Herbst reiften, mußte der Schang ständig wachen, um die Reifer Jungen abzuschrecken. Auch wenn der mächtige, nun verschwundene Nußbaum seine goldene Last abschüttelte, kam der Schang aus der Sorge nicht heraus. Jungen sind eben zu allen Zeiten Jungen gewesen, und der Nachbarsgarten hat sie immer angelockt! Manches nette Stücklein ließe sich. hier noch erzählen, doch davon ein andermal! — Weiter lugt dann der nackte Giebel der Schlosserei der Gebrüder Peter und Heinrich Will,. der bekannten „Steijerkämper Jongen", heraus. Ihr Vater hatte eine Schmiede auf dem Stegerkamp betrieben.
Hier sei noch vermerkt, daß damals hinter der rechten Häuserreihe und dann vor der Kirchhofsmauer her der offene Bocker Bach floß. Man konnte an dieser Mauer auf einer Steintreppe zu ihm hinabsteigen, und — man staunt — hier wurde noch klares Wasser geschöpft, das die braven Frauen zum Waschen brauchten. Erst von hier ab wurde der Bach unterirdisch unter dem Markt her seitlich am Bergisch-en Hof" vorüber in die Strunde geleitet. Die Jungen benutzten diesen Kanal zu abenteuerlichen Unternehmungen. Übrigens erzählten die Meister Peter Wihl und die bei ihm wohnenden Brüder Offermann oft davon, wie der Bach in ihrer Jugend noch offen über den Marktplatz floß! Ja, sie hatten in jungen Tagen noch in dem mittelalterlichen, jetzt abgebrochenen Kirchturm die Glocken geläutet.
Man ging noch zu Fuß
Rechter Hand lugt auf dem Bilde ein Stück des Zandersschen Parks heraus. Ebenso gewahrt man den hohen Gasthof -Kotter und den Giebel der Druckerei Heider an der damaligen Wilhelmstraße. Dicht neben der Kirche ist der Blick noch frei auf das breit angelegte Walmdach des ehrwürdigen Fronhofs und das alte Fachwerkhäuslein nebenan. Es ist vermutlich das im Jahre 1819 gebaute Haus für die Ortswache und die Feuerlöschgeräte. Das Textilkaufhaus Heising mit dem noch nicht hochgezogenen Erweiterungsbau grüßt wie heute als stattliches Eckhaus und gibt schon damals die bezeichnende Note. Die hohen- Bäume lassen die schon vorhandene anschließende Häuserreihe in ihrem Schatten verschwinden.
Nicht vergessen seien noch die beiden Buden am Markt. Die „Brombachsmöhn" hat ihre Bude, die wir auf dem Bilde um 1895 noch weiter westlich- am Marktrande entdeckten, an die Ecke Kirchhofsmauer verlegt. Das Keppels-Büdchen dagegen steht wie immer noch an seiner traditionellen Stelle. Der Marktplatz ist frisch hergerichtet, die Kastanienbäume sind noch jung. Vom rasenden Verkehrslärm unserer Tage fehlt jede Spur, man sieht nicht ein einziges Fuhrwerk auf den Straßen, — auch nicht die Spur von einem modernen „Manager" ist -zu entdecken. Friedhofsstille liegt über dem Bilde, wie denn um die Kirche herum in der Tat noch die alten Gräber mit ihren Steinkreuzlein treulich von den Familien gehütet und gepflegt wurden. Oh. ihr glücklichen Gladbacher von 1899!

Hofrat Fauth schuf auf Sumpfland Bergisch Gladbachs schönen Markt

Für Polizei und Kinder sollte Platz geschaffen werden

Oftmals ist der Nassau-Oranische Hofrat und Besitzer der Schnabelsmühle, Franz Heinrich Fauth, der zur Zeit der französischen Fremdherrschaft seit dem Jahre 1807 als Maire die Verwaltung der Mairie Gladbach leitete und der dann auch in der beginnenden preußischen Zelt als Bürgermeister an der Spitze der Gesamtgemeinde Gladbach verblieb, wegen seiner großen Verdienste um die Heimatstadt, gerühmt worden. Doch dürfte es gänzlich in Vergessenheit geraten sein, daß Bergisch Gladbach diesem tatkräftigen und weitblickenden Mann auch die erste Grunderwerbung zum Ausbau eines Marktplatzes als dem Vorläufer des heute weithin bekannten und schönen Platzes im Mittelpunkt der Stadt, verdankt.

Daß zu Fauths Zeiten das Rathaus noch nicht stand, ist allgemein bekannt. Doch auch die jetzige Kirche St. Laurentius war noch nicht vorhanden, vielmehr erhob sich östlich von ihrem Chor die kleine mittelalterliche Pfarrkirche in ihrer ursprünglichen Gestalt, und man konnte, wenn man sich etwa dahin stellte, wo jetzt das Textilhaus Heising ist, frei auf den stattlichen Fronhof sehen. Ebenso war das Gelände bis zur Schnabelsmühle hin völlig leer von Gebäuden, und nur „am Roß" (heute Ecke Textilhaus Büttgen) sah man eine Gruppe von Fachwerkhäusern, unter ihnen das Pfarrhaus und die erst 1816 ebenfalls in Fachwerk erbaute katholische Schule. Am Eingang zur Schlömergasse war dann noch der uralte Hof „Zum Bock" mit der Kirchenschenke.

Abgabepflichtige Güter

Der Gladbacher Fronhof war seit fränkischer Zeit immer noch landesherrlicher Besitz und wurde von Erbpächtern bewirtschaftet. Von seiner Bedeutung gewinnt man ein Bild, wenn man hört, daß er im ganzen 338 Morgen an Hofplatz, Garten, Ackerland, Wiesen, Weihern und Waldungen in eigener Bewirtschaftung umfaßte, daß zu seinem Lehnsverband noch 27 abgabepflichtige Güter zählten und daß er den Feldzehnten von weiteren 2921/2 Morgen im Gladbacher Bereich erhob. Nun hatte sich aber die preußische Staatsregierung entschlossen, den Fronhof zugleich mit zahlreichen anderen kleinen „Domänen", die ihr im Gefolge der Säkularisation zugefallen waren, zu verkaufen. Sie wollte sich damit ihrer Unterhaltungspflicht und einer lästigen Verwaltungsarbeit entledigen, freilich auch auf solche billige Weise flüssige Mittel zum Ausbau des noch durchaus unfertigen großen, neuen Staatsgebildes in die Hand bekommen.

Bürgermeister schaltete schnell

Diese Verkaufsabsichten waren dem Bürgermeister Fauth zu Anfang des Jahres 1819 zu, Ohren gekommen. Das gab ihm blitzartig den 'Gedanken ein, diese günstige Gelegenheit zu benutzen, den freien Platz südlich der alten Kirche, also westlich vom Fronhof, in den Besitz der - Gladbacher Zivilgemeinde zu bringen. Es handelte sich dabei um das Gebiet, auf dem heute die Häuser von der neuen Kirche bis zum Fronhof stehen. Der Platz war zwar, wie eigentlich die ganze Talniederung, sumpfig und wüst —, immerhin hielt Fauth ihn geeignet, darauf ein Wachlokal für die seit 1816 auf staatliche Anordnung hin eingerichtete Ortswache zu erbauen, ferner auch einen Schuppen für die öffentlichen Feuerlöschgeräte.

Schließlich schwebte ihm auch vor, hier einen Kinderspielplatz für die Schule, der noch fehlte, zu gewinnen, womit also im Grunde die spätere Ausdehnung zum „Roß" hin angedeutet wird. Um es rundheraus zu sagen: Es sollte nach Fauths Willen hier der Gladbacher Marktplatz entstehen. Zu diesem Zweck war der Platz auch tatsächlich bereits früher verwandt worden, offenbar bei der Kirmes oder bei Volksversammlungen.

 

Pfarrer und Stadträte stimmten zu

Ohne Zweifel hat Fauth den Plan voresst mit dem gelehrten evangelischen Pastor Dr. Johann Wilhelm Hasbach besprochen, zumal er dessen Kirchmeister war, desgleichen auch mit dem katholischen Pfarrer Alexander Gellermann, dem Schulpfleger des Deutzer Dekanates. Beide werden seiner Absicht freudig zugestimmt haben.
So berief denn der Bürgermeister am 26. Januar 1819 den Gemeinderat zusammen, um „wegen Anschaffung eines Platzes zu berathschlagen, weicher in der Bürgermeisterey Gladbach ausgemittelt werden muß, um ein Haus für die Wacht und Aufbewahrung der Brandanstalten zu erbauen". Über den Inhalt der Beratung berichtet das Protokoll: „Da unmittelbar an der Pfarrkirche zu Gladbach ein öder und sumpfiger Platz, ohngefähr 80 Ruthen haltend, liegt, welcher zwar mit zu dem anschließenden Domanial-Fronhof gehört, jedoch für diesen außer dem darüber hergehenden Fahrweg nicht von Nutzen ist und nur zu gemeinem öffentlichen Gebrauch und Kirchenplatz dienet, da ferner dieser Platz in ;einer jetzigen 'öden und sumpfigten Gestalt nur Mißstand und ekelhafte Pfützen dem Anblick darbietet, so treten hier Gründe der Nothwendigkeit und der Nützlichkeit für das gemeine Wohl zusammen, um darauf anzutragen, daß der bisher unnütze Platz, jedoch mit Vorbehalt des vollen Fahrwegsgerechtsam des Frohnhofs der Gemeine zugetheilt, geebnet, ausgefüllt und zu oben gesagtem Zweck um so mehr verwendet werde, weil er gerade in der Mitte des Haupt-Ortes der Bürgermeisterey liegt und die HauptCommunications-Straße, welche jetzt gebauet wird, an demselben hergehet und mit ihm verbunden ist."

Man kam dann zu dem einmutigen Beschluß: „Der Herr Bürgermeister wird daher von dem Gemeinde-Rath ersucht, nach vorläufig angelegter Taxe an gehörigem Orte nachdrücklichst sich dahin zu verwenden, daß gesagter Platz der Bürgermeisterey überlassen werde." Es unterschrieben die Scheffen Wilhelm Hölzer (Kombüchen) Jakob Odenthal (Gladbacher Mühle) — Theodor Koch (Obersiefen) — Jakob Neuheuser (Unterlerbach) — Aurelius Fues (Dombach) Gustav Müller (Dombach) — Johann Hölzer (Pächter der Gronauer Mühle) —Johann Schallenberg (Rodemich) — Gerhard Jakob Fues (Gierath), dazu noch der zweite Beigeordnete Franz Wilhelm de Caluwé (Haus Blech) und der Bürgermeister selbst, der seinen Siegelstempel mit dem preußischen Adler zufügte.
Wie es nun kam, daß Fauth den ganzen Monat Februar verstreichen ließ, ehe er die beiden Scheffen Jakob Odenthal und Johann Hölzer beauftragte, die Vermessung und Abschätzung des fraglichen Platzes vorzunehmen, ist unerfindlich. Vielleicht war das Wetter an der Verzögerung schuld. Erst am 10. März berichteten die beiden als „Ackersverständige", sie hätten „den Platz, ohngefähr 80 Ruthen haltend, taxiert und in Anschlag genommen. Besagter Platz besteht in einem öden, großen, teils sumpfigten, wüsten Raum und schlagen wir denselben im Werth zum höchsten an auf dreyzehn Thaler und sind erböthig, diese gewissenhaft von uns gemachte Taxe jederzeit mit einem Eyde zu bekräftigen".

 

"Mißstand und ekelhafte Pfützen"

Inzwischen hatten sich die Gerüchte um den baldigen Verkauf des Fronhofs verdichtet, und nun säumte Fauth nicht länger und schickte seinen Bericht und Antrag unter Ubergehung des Landrats unmittelbar an die Regierung in Köln. Er legte dar, der Platz sei „zu gemeinnützigen Zwecken u. a. zum Spielplatz für die Schule" nötig, und schrieb weiter: „Vor der katholischen Pfarrkirche zu Gladbach liegt ein der und sumpfigter Platz, ohngefähr 80 Ruthen naltend, welcher zwar zu dem anschließenden Domanial-Fronhof gehöret, aber für diesen keinen Werth als nur, daß er demselben zu dem Fahrweg dienet, welcher darüber hergehet."
„Aus anliegendem Protocoll der Berathung der Scheffen sind die Beweise dieser Umständen und zugleich der Wunsch und die Bitte der Gemeine zu ersehen. Dem Verlangen der Scheffen gemäß habe ich die Taxe anlegen lassen, welche urschriftlich hier beiliegt und 13 Berliner Thaler beträgt. — Außer oben angeführten und durch anliegendes Protocoll berührten Umständen füge ich noch die Bemerkung hinzu, daß eine Umgestaltung dieses Platzes, wie ihm solche von der Gemeine gegeben werden soll, selbst die Lage des Domanial-Fronhof es wesentlich verschönert, diesem also zum Nutzen gereichet, wie auch, daß dieser Platz zugleich zu einem Spielplatz, welcher noch für die katholische Schule zu Gladbach mangelt und anderswo schwerlich auszumitteln ist, sich am besten eignet, wenn jene Umgestaltung geschieht."
„Da es verlautet, daß der Domanial-Fronhof zu Gladbach verkauft werden soll, so glaube ich keine Zeit verlieren zu dörfen und daher unmittelbar wegen dieses Gegenstandes allsogleich an die Hochlöbliche Regierung meinen Bericht erstatten zu müßen mit der Bitte, für die Taxe der Gemeine gesagten Platz hochgeneigtest zu überlaßen."
Die Kölner Regierung übersandte Fauths Schreiben an den Landrat Freiherrn Ludwig von Spieß-Büllesheim in Mülheim am Rhein zu näherer Nachprüfung der Sachlage an Ort und Stelle, der seinerseits am 21. März 1819 den Auftrag an den Königlichen Domänen-Rentmeister Wolters in Bensberg weitergab. Dieser begab sich einige Tage danach nach Gladbach und nahm den Platz am Fronhof in Augenschein.

Einigung war schnell erreicht
Auf Grund dieses Berichtes des DomänenRentmeisters, mit dem sich Fauth übrigens, zumal er in Personalunion auch Bürgermeister von Bensberg war, offenbar gut verstand, reichte der Landrat am 1. April 1819 die Akten befürwortend an die Regierung zurück, und diese genehmigte am 6. April den Verkauf des Platzes an die Gemeinde Gladbach unter der Bedingung, daß der Fahrweg erhalten blieb. Auch mit dem Fronhofpächter Friedrich Siegen wurde Fauth rasch einig, und der erste Gladbacher Marktplatz konnte eingerichtet werden. Bereits im Jahr darauf wurde tatsächlich der Fronhof verkauft.

Der Fauthsche Marktplatz diente dann der Gemeinde, bis er nach dem Abbruch der alten Kirche im Jahre 1837 und der gleichzeitigen Einweihung eines Teilbaues der neuen Kirche seine Bedeutung verlieren mußte. Es entstand in der Folge ein neuer Marktplatz auf altem Bocker Grund an der heutigen Stelle, den allerdings der Bocker Bach durchfloß und erst um 1880 reguliert und später oftmals umgeändert wurde, ehe er die heutige Gestalt annahm.
Dr. Anton Jux

Quelle: 
KStA-19560714-Sonder (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV durch Kölner Stadt-Anzeiger mit e-mail vom 29.03.2008