Fachwerkbau steht vor einer bewegten Zukunft

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An sich sollte das alte Haus in Untereschbach nur abgerissen werden: Jetzt bauen Studenten es aber wieder auf
Fachwerkbau steht vor einer bewegten Zukunft
Die Kirche zahlt den „Umzug" — Neuer Standort ist Volberg

Von unsrer Redakteurin Barbara A. Cepielik
Untereschbach – Das Haus Faßbender – vor kurzem noch dem Abbruch geweiht – sieht einer „bewegten" Zukunft entgegen: Am Samstag begannen Studenten der Kölner Fachhochschule, Fachbereich Architektur, ein Praktikum, in dessen Rahmen das nahe der katholischen Kirche Untereschbach stehende Haus abgebaut und nahe der evangelischen Kirche in Volberg (Hoffnungsthal) wieder aufgebaut werden soll. Mitinitiator dieser sogenannten „Translozierung" ist Hans Haas, der Rösrather Denkmalschutzbeauftragte, der dieses Fachhochschulprojekt gemeinsam mit Dr. Jürgen Eberhardt leitet.
Das Fachwerkhaus aus dem Jahr 1779 war bis vor etwa einem Jahr bewohnt gewesen und hatte dann leergestanden, weil die Katholische Kirche es abreißen wollte, um über kurz oder lang auf dem Grundstück an der Straße nach Hoffnungsthal einen Pfarrsaal mit Nebenräumen zu errichten. Die Abbruchgenehmigung war auch erteilt worden. Das Haus schien auf den ersten Blick nicht erhaltungswürdig.
Hans Haas ging der Sache auf den Grund und stellte fest, daß das Gebäude zwar von außen recht heruntergekommen sei, die Eichen-Fachwerkkonstruktion im Innern jedoch noch völlig in- takt. „Außerdem ist das Haus eines der wenigen Fachwerkhäuser des Spätbarock, die noch erhalten sind in der Umgebung. Die bäuerlich-schlichte Architektur ist typisch für jene Zeit,: Ende des 18. Jahrhunderts." Für Hans Haas war es keine Frage: Es mußte. alles getan werden, Haus Faßbender zu retten.
Die Katholische Kirche, die schon beim Generalvikariat in Köln Geld für den Abbruch per Bagger beantragt hatte, stellte diese Summe den Studenten zur Verfügung, mit deren Hilfe das Haus „wandern" soll.
Am Samstag wurde das Gebäude zunächst einmal entrümpelt: Tonnenweise holten die Architekturstudenten alte Möbel, Matratzen, Zeitungen, Müll aus den drei Etagen heraus. Die nächsten Schritte ihrer Arbeit sind weniger knochenschindend, aber nicht minder wichtig. Ihr denkmalpflegerisches Praktikum sieht nach der Entrümpelung eine detailgetreue Bauaufnahme und eine baugeschichtliche Untersuchung vor.
Dazu muß das Fachwerk völlig freigelegt werden. In einigen Wochen werden die Overather also nur noch das „Skelett" des Fachwerkhauses sehen. Danach wird jeder Balken vermessen, eine schon vorher aufgenommene Fotodokumentation hat alle Details festgehalten. Danach ist es die Aufgabe der Studenten, einen Demontageplan zu entwerfen.
Nächster Schritt ist die Planung für die Rekonstruktion und die neue Nutzung. Es gehört zu den Lernzielen der Studenten, einen Kindergarten in das wiedererrichtete Gebäude einzuplanen. Noch vor Ende dieses Jahres wird dann das Haus nach Volberg wandern. Der WDR begleitet das Projekt: Ein Dokumentarfilm über die Translozierung soll entstehen.
Die Holzkonstruktion wird restauriert und notfalls ergänzt. Es hat bereits Gespräche mit der Hanswerkskammer Köln und der Innung der Zimmerleute ge geben: Möglicherweise wird das Haus in Kooperation von Zimmermann-Auszubildenden und Studenten wiedererrichtet.

NUR VON EINER SEITE ist die gut erhaltene Fachwerkkonstruktion von Haus Faßbender Zu erkennen – die anderen Fronten sind verputzt.    Bilden Albert Günther

HAUS FASSBENDER wird wandern: Architekturstudenten entrümpelten das dem Abbruch geweihte Haus in Untereschbach und werden es in Volberg wiederaufbauen.

NUR NOCH DAS SKELETT aus Eichenbalken steht von Haus Faßbender in Untereschbach. Zimmerleute aus Frankreich demontieren las Gebäude Balken für Balken.    Bild: Günther Möllinghoff

Quelle: 
KStA-19831018 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigegeben durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 17.5.2011 für den BGV Rhein-Berg