Hildegunde schenkte Immekeppel das Leben

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Hildegunde schenkte Immekeppel das Leben
Der 800 jährige Ort feiert Geburtstag mit einer Festwoche

Von Peter Kleinert
Immekeppel (bpk) — Schon seit einigen Jahren haben zuerst eine Handvoll, dann einige Dutzend heimatverbundener Bürger des Ortes Immekeppel mit unermüdlichem Fleiß und wissenschaftlicher Genauigkeit die 800-Jahr-Feier des Ortes vorbereitet. Während diese Arbeiten, von der Öffentlichkeit unbemerkt, in aller Stille getan wurde, liegen inzwischen, vier Tage vor dem Beginn der Festwoche, die ersten Ergebnisse vor und werden nun auch von allen den alten und neuen Bürgern des Ortes wahrgenommen, die nicht zum engeren Kreis der Eingeweihten und Helfer gehören.
Trotz des regnerisch trüben Wetters, das, wie die Veranstalter hoffen, von Samstag, 11. Juni, bis Montag, 20. Juni, strahlendem Jubiläums-Sonnenschein weichen soll, wird dem ganzen Ort jetzt ein Festkleid angezogen. Das beginnt mit Renovierungsarbeiten an verschiedenen alten Häusern des Ortes, deren Eigentümer jetzt die Zeit für gekommen sahen, die altersgrauen Fassaden aufzufrischen. Das setzt sich fort in Wegebauarbeiten des Tiefbauamtes der Stadt Bensberg. Schließlich sollen sich Straßen und Fußgängerwege im Ortskern dem erwarteten Besucherandrang und natürlich den einheimischen Gastgebern mit sauberem Teer-belag und ohne tiefe Regenwasserpfützen präsentieren.
Das Innere des 1887 durch einen Festgottesdienst eingeweihten „Sülztaler Domes", der Nachfolgekirche der 1885 abgebrochenen alten Pfarrkirche, ist in strahlendem Weiß restauriert worden. Die Orgel und die Orgelempore leuchten in frischem Weiß, Blau und Gold. Vor der Kirche wurde der Stumpf der berühmten, über 250 Jahre alten Löher Eiche aufgerichtet. Am Stamm wurde vor einigen Tagen ein metergroßes Abbild der roten handtellergroßen Wachsplaketten befestigt, die, so hofft Immekeppels Pfarrer und Dechant Blumentrath, bald jedes Immekeppeler Heim als bleibendes Jubiläums-Andenken schmücken werden.
Tausend Exemplare eines 360 Seiten starken Heimatbuches wurden vor wenigen Tagen, pünktlich zum Jubiläum, im Pfarrhaus angeliefert. 45 Männer und Frauen aus dem Ort und seiner Umgebung haben ehrenamtlich an seiner Gestaltung und Ausstattung mitgewirkt.
Heimatvereins-Vorsitzender Dr. Hubert Müller schleppte am Montagmorgen zweitausend Exemplare einer 55 Seiten starken, mit zahlreichen Aufsätzen versehenen Programmschrift für die Festwoche in sein Haus oberhalb der Kirche. Sie alle sollen, für eine Mark das Stück, in den nächsten Tagen ihre Abnehmer finden.
Volksschullehrer a. D. Albert Siebenmorgen (71), in Immekeppel und Umgebung seit seiner Pensionierung und auch schon vorher als begabter Heimat-Maler bekannt, restauriert in fieberhafter Eile die Bilder eines hundert Jahre alten Kreuzweges, den die Pfarrei zum Jubiläum geschenkt bekam und der noch rechtzeitig am Freitag in der Kirche aufgehängt werden soll.
Gleichzeitig macht er die letzten überarbeitenden Pinselstriche an dem großen Bild der Ortsgründerin, der seligen Hildegunde von Meer, die am 22. Februar 1166 ihren Besitz, darunter den Hof Sulsen, die Urzelle von Immekeppel, der Kölner Kirche schenkte. Sie vollzog damit, für die historische Forschung, den Geburtsakt des späteren Immekeppel, das aus diesem Lehnshof entstand, indem sie die den Hof nennende Schenkungsurkunde in Anwesenheit des Kölner Erzbischofs Reinald von Dassel ausfertigte.
Der ebenfalls längst pensionierte Bensberger Schachtmeister Johann Kierspel (68), dessen emsiges Ordnen und Stöbern in Archiven und Registraturen zahllose Urkundentexte ans Lichtbeförderte und der einer der wichtigsten Mitarbeiter bei der Abfassung des Heimatbuches war, hat trotz des fertigen Buches immer noch keine Ruhe. Zur Zeit sichtet er alte Schriften, Urkunden und Fundstücke, die er am Freitag zusammen mit einigen Helfern im katholischen Jugendheim ausstellen will.
Ein Festzeit soll im Ortsmittelpunkt aufgebaut werden, denn neben den zahlreichen kirchlichen Veranstaltungen, die der 800-Jahr-Feier ihr Gepräge geben und am Samstagnachmittag um 17.45 Uhr mit dem Eintreffen des Weihbischofs Dr. Frotz (Köln) beginnen sollen, werden auch weltliche, kulturelle und unterhaltende Veranstaltungen nicht zu kurz kommen. In unseren nächsten Ausgaben werden fortlaufend und ausführlich über das Programm der Festwoche berichten und einen Überblick über die historische Entwicklung des 800jährigen Ortes geben.

Dieses Bild der Gründerin von Immekeppel, der seligen Hildegunde von Meer, soll nach seiner feierlichen Weihe am Sonntag, dem 19. Juni, in der Pfarrkirche aufgehängt werden. Volksschullehrer a. D. Albert Siebenmorgen malte es in seinem Atelier am Ufer der Sülz.

Von rund 150 Menschen, die den Lehnshof Sulzen, die Urzelle von Immekeppel, im 12. Jahrhundert bewohnten, ist der Ort heute auf 3000 Einwohner angewachsen. Beherrschender Mittelpunkt ist auch heute, wie in den vergangenen Jahrhunderten, die katholische Pfarrkirche. Wie die Bensberger Lehrerin und Heimatforscherin Christiane Dirkes im Heimatbuch vermutet, rührt denn auch der Name Immekeppel, der 1309 als „ymmin Kappelin" erstmals urkundlich belegt ist, von der damaligen alten Kirche (Kapelle) her. „Immi" war die Bezeichnung für ein altes fränkisches Getreidemaß, das maßgebend beim Pachtzins und bei Abgaben zur Unterhaltung der Kapelle gewesen ist. Der Name „Immekeppel" weist darauf hin, daß die ursprüngliche Kapelle des Lehnshofes Sulzen zur Pfarrkirche des Sülztaler Lehnsverbandes wurde.    Bild: Kleinert

Als Amateurhistoriker und Archiv-Detektiv betätigte sich der ehemalige Schachtmeister Johann Kierspel. Am Freitag wird er, zusammen mit einigen Helfern, die Jubiläums-Ausstellung einrichten.

Die Gedächtnisplakette der 800-Jahr-Feier, angebracht am Stumpf der „Löher Eiche" vor der Pfarrkirche, soll eine bleibende Erinnerung an die Jubiläumsfeiern bilden.
Bilder: Kleinert

Unermüdlich ist Oberstudienrat Dr. Hubert Müller an den Jubiläums-Vorbereitungen beteiligt gewesen. 2000 Festprogramme schleppte er am Montag nach der Schule in sein Haus.

Quelle: 
KStA-19660607-rn13 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 6.5.2011