Traum-Haus für die Liebe zur Heimat


Traum-Haus für die Liebe zur Heimat
Herbert Stahl schuf sich ein Heim und und ein privates bergisches Museum

Von unserem Redakteur Arthur Lamka
Bergisch Gladbach — Es ist ein Haus wie aus einem bergischen Bilderbuch. Etwas abseits vom Schlodderdicher Weg in Gronau steht es, als hätte es dort schon seit zwei Jahrhunderten gestanden mit seiner verschieferten Außenfassade, den weißen Sprossenfenstern und grünen Läden, der Dachgaube im zweiten Obergeschoß und der reich geschnitzten eiehernen Eingangstür unter dem kleinen Vordach, durch die man das Haus betritt. Aber es ist ein Haus, das erst 1991 gebaut worden ist. Sein Erbauer, Herbert Stahl (53), von Beruf Arbeitsberater beim Arbeitsamt in Bergisch Gladbach, ist stolz und glücklich über dieses Bauwerk. "Ich habe mir damit", so sagte er, „einen Traumwunsch erfüllt. Aber ich wollte damit auch zeigen und anregen, daß man auch heute noch bodenständig bauen kann."
Der historisch so eingeschworene Bauherr hat einen ebenso verständigen Planer in Dipl.ing. Holger Pfleger, Bürgermeister von Bergisch Gladbach, gefunden."Gemeinsam", so meinte Stahl, „haben wir das richtige Konzept gefunden, das Außen und Innen in Einklang zu bringen". Das Innereentspricht allen Anforderungen an die Wohnkultur der Gegenwart. Herbert Stahl verleugnet nicht, daß es anfangs nicht ganz leicht gefallen sei, auch seiner Frau Hilla das Konzept schmackhaft zu machen. „Heute gefällt ihr das auch sehr", meinte er. Es ging Herbert Stahl aber nicht nur darum, der Familie im Stil des Bergischen Landes ein Heim zu errichten, sondern auch darum, seine private heimatkundliche bergische Sammlung angemessen unterzubringen.
Schlüsselerlebnis
Das Kind kleiner Leute vom Ravesack, dem Gebiet der einstigen Grube Weiß, der Vater war dort Bergmann gewesen, hatte früh einen Sinn für bergisches Volks-und Brauchtum entwickelt. Das wurde ihm zu einem Schlüsselerlebnis, als er Mitte der 70er Jahre-anfing, Bergisches zu sammeln. Alte Waffeleisen etwa -„ich wußte zuerst nicht, was das war" — , Handwerkszeug, Dinge des Alltags in den Häusern der kleinen Leute, Handwerker, Bauern, ehemaligen Bergleute, aus Küche, Wohnstube und Werkstatt, bodenständige Kleidung, Truhen voller Leinen, Mobilar wie Tisch, Schrank und Bett. Keramikgefäße, Gläser, wie sie bei den Menschen in Gebrauchwaren, Bilder, Grafiken, Stickereien runden das Bild ab.
Einen speziellen Rochus entwikkelte Herbert Stahl für den „blauen Dunst": das im Altbergischen viel verbreitete Rauchen aus langen Piepen mit ihren kunstvoll gestalteten Porzellanköpfen. Im neuen Stahl-Haus hängen sie zu Dutzenden an der Wand.Das zweite Obergeschoß seines Hauses hat Herbert Stahl ganz allein seiner umfangreichen Sammlung vorbehalten.Küche, Wohn-,Schlafraum und sogar einer Schulstube wird hier Tribut gezollt mit allem, was dazu gehört.
Das einzige, was nicht in diese Umgebung paßt, sind Stahls moderne Stahlschränke. Aber diesind, so erklärt er, für ihn unverzichtbar. Sie bergen sein bergisches Archiv, das er akribisch führt mit einer breit gefächerten Thematik, eine wahre Fundgrube für interessierte Heimatfreunde.
Herbert Stahl ist nicht kleinlich, Heimatfreunden seine Schätze zu zeigen und zu erschließen. Die Medien machen von dieser Möglichkeit zu allfälligen Gelegenheiten reichlichen Gebrauch. Auch der Bergische Geschichtsverein ließ sich dieser Tage die Gelegenheit nicht entgehen, in der Atmosphäre dieses einmaligen privaten Bergischen Museums seine Vorstandssitzung abzuhalten und die Sammlung zu begutachten. Es sind aber nicht nur die Interessierten und Wißbegierigen, die Herbert und Hilla Stahls Museums-Haus frequentieren, vor allem auch die schreibenden und forschenden Zeitgenossen, für die die fachbezogene Hausbibliothek attraktiv ist. "Ich hatte schnell erkannt, daß ohne entsprechende Literatur nichts zu machen ist", sagte Stahl. Mit Stolz kann er u.a. auf seine komplette Sammlung des Rheinisch-Bergischen Kalenders und anderer bergischer Periodika verweisen sowie auf Rarissima wie ein bergisches Gesetzbuch von 1696 und Erstausgaben der Zuccalmaglios. Herbert Stahl glücklich: „Mein Traum hat sich erfüllt."
Bewundernd betrachten Vorstandsmitglieder des Bergischen Geschichtsvereins Sammlungs- Stolzer und glücklicher Sammler und Eigentümer: Herbert Stahl in altbergischer Tracht in stücke aus dem handwerklichen Alltag im Bergischen. seiner Museumsküche mit altem Waffeleisen in der Hand.

Ein altbergisches Haus wie aus dem Bilderbuch: Herbert Stahl baute es für seine Familie und seine einzigartige Sammlung. Die Entwurfsplanung hatte Dipl. Ing. Holger Pfleger. (Bilder: Albert Günther)

Quelle: 
KStA-19920321-rn13 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 20.5.2011