Papst-Kreuz für neue Kapelle


Das wiederhergestellte Kardinal-Schulte-Haus wurde noch einmal Priesterseminar auf Zeit
Papst-Kreuz für neue Kapelle
Zum Gedenken an Edith Stein — Bauwerk ist größtes kirchliche Tagungshaus Deutschlands

Von Karin M. Erdtmann
Bensberg — „Dieses Haus ist eine Besonderheit im Bistum. Es gibt kein vergleichbares Gebäude, das in der relativ kurzen Zeit seines Bestehens so häufig einer anderen Nutzung zugeführt wurde und das durch zwei Katastrophen zum Teil erheblich in Mitleidenschaft gezogen wurde." Prälat Norbert Feldhoff, der die Geschäfte des Generalvikars des Erzbistums führt,kann jetzt schon wieder einen neuen Abschnitt in der Geschichte des Kardinal-Schulte-Hauses einläuten.
Das Gebäude, das am 21. Februar 1980 bei einer Brandkatastrophe zerstört worden war (zwei Feuerwehrmänner starben bei den Löscharbeiten), ist nach langen Umbau- und Renovierungsarbeiten wieder fertiggestellt.
Lazarett und Altenheim
In Zeiten „eines außerordentlich hohen Priesternachwuchses" hatten die angehenden Geistlichen in den 20er Jahren für den Bau eines Seminarhauses gespendet. Nuntius Pacelli, der spätere Papst Pius XII., legte 1926 den Grundstein für das Bensberger Priesterseminar, das zwei Jahre später in Betrieb genommen wurde.
Während des Zweiten Weltkrieges funktionierte man das Gebäude zum Lazarett um, ab 1948 wurden die Räume dann als Altenheim genutzt, ab 1958 zur Hälfte auch für die Thomas-Morus-Akademie. Nach dem Großbrand 1980 war die Zukunft des Hauses zunächst ungewiß. Im November 1984 entschied Kardinal Höffner, daß das Gebäude als Tagungshaus ausgebaut und im Innenhof eine neue Kirche errichtet werden soll. Mit den Planungen wurde das Leverkusener Architektenbüro Greyer & König beauftragt, das zusammen mit dem Leiter des Erzbischöflichen Bauamtes, Toni Barkey und dem Leiter der Abteilung Bildung, Erwin Müller-Ruckwitt, eine Kommission bildete.
„Erheblicher Widerstand"
Fachleute hatten zwischenzeitlich festgestellt, daß das Haus für die Altenpflege nicht mehr sinnvoll zu nutzen sei. „Wir haben es uns nicht leichtgetan mit der Entscheidung und gegen den erheblichen Widerstand aus der Bevölkerung beschlossen, kein Altersheim mehr dort einzurichten", erinnert sich Feldhoff. „Von der Entschädigungssumme der Versicherung wurden zwei Millionen Mark für den Neubau des Peter-Landwehr-Hauses in Paffrath bereitgestellt."
Heute ist das Kardinal-Schulte-Haus nach wie vor in der Trägerschaft des Erzbistums, die Thomas-Morus-Akademie sowie der Diözesanrat haben ein „festes Hausrecht". Seit dem 1. März wird das Gebäude von Bonner Theologiestudenten genutzt, die im Buspendelverkehr von Bensberg zur Universität das Bonn fahren. Erst Ende 1989, wenn Umbau und Renovierung des Bonner Albertinums beendet sind, wird es wieder als Bildungsstätte zur Verfügung stehen.
Insgesamt verfügt das Kardinal-Schulte-Haus über 266 Betten (zwei Drittel der Zimmer lassen sich zu Familienappartements umbauen), Personalwohnungen, einen Hörsaal für 300 Personen (in der ehemaligen Kapelle), zwölf Konferenzräume, zwei Speisesäle, Werkräume, Zimmer für die Kinderbetreuung, Kegelbahn, Weinstube und Sauna. Kühe und Pferde auf der Wiese, betreut vom Hausmeister, sollen ländliche Idylle vermitteln.
Das durch Löschwasser beschädigte Fresko auf der Rückwand des großen Hörsaals, das in den 60er Jahren von Peter Hecker gemalt wurde, ist von Walter Dorn, einem Restaurator, der früher mit Hecker zusammengearbeitet hat, restauriert worden. Auf gleichem Wege konnte auch das Stuckrelief aus dem Jahre 1930, das die Himmelfahrt Christi darstellt, erhalten werden.
Mittelpunkt des Hauses ist jedoch die neue Kapelle im Innenhof. Das Gotteshaus mit 180 Sitzplätzen soll nach dem Willen des verstorbenen Kardinals Höffner der im Dritten Reich ermordeten und 1987 vom Papst seliggesprochenen Edith Stein geweiht werden. Der Bildhauer Paul Nagel aus Wesseling-Keldenich wurde mit der künstlerischen Ausgestaltung beauftragt. In der Vorhalle wird die Vita der Edith Stein auf Steinstelen dargestellt, vor dem Eingang ein Stützelement als „Wolkensäule" gestaltet, und auf dem Kirchenportal werden von Edith Stein besonders verehrte Heilige abgebildet.
Bis zur Kirchweihe am 11. April ( durch Weihbischof Dr. Hubert Luthe) sollen der Altar aus rotem persischen Travertin und der mit 72 Kerzen geschmückte Radleuchter fertig sein. Die Fenster werden von Alain Grenier in Frankreich hergestellt (zwei sind schon fertig), eine Orgel ist geplant, und im Chorraum will man das Kreuz aufstellen, das der Papst Kardinal Höffner nach der Seligsprechung von Edith Stein überreicht hat.
Das ewige Sein
Nach dem künstlerischen Konzept wird im unteren Bereich der Kapelle das irdische Sein (Leben, Leiden und Erniedrigung Christi, der Heiligen und des Gottesvolkes) dargestellt, im oberen Bereich das ewige Sein. Bis zur Fertigstellung der Kapelle gibt es noch viel zu tun.
Die Gesamtkosten für die Baumaßnahme (Gebäude, Außenanlagen, Inneneinrichtung und Kirche) beliefen sich auf rund 40 Millionen Mark, zehn Millionen stammen aus Versicherungsleistungen, 30 Millionen aus Kirchensteuermitteln. Für Prälat Feldhoff ist das unter Denkmalschutz stehende und stadtbildprägende Haus „ein bemerkenswertes Zeugnis der Architektur der späten 20er Jahre".
„Heute", meint Felhoff, „hätten wir sicherlich nicht mehr so ein großes Gebäude geplant. Aber wir haben aus der Not eine Tugend gemacht. In dieser Größe und mit dieser Ausstattung gibt es in ganz Deutschland nichts Vergleichbares."

ZUFRIEDEN mit dem Neubau des Gotteshauses sind (von links) Prälat Feldhoff, Bauamtsleiter Barkey, (verdeckt), Architekt Greyer und der Leiter der Abteilung Bildung, Müller-Ruckwitt.

DIE NEUE KAPELLE IM INNENHOF des Kardinal-Schulte-Hauses wird Mitte April eingeweiht. Die Kosten der Renovierungs- und Umbaumaßnahmen in dem Gebäudekomplex belaufen sich auf rund 40 Millionen Mark.    Bilder: Albert Günther

180 GLÄUBIGE FINDEN in dem neuen Gotteshaus Platz. Die Kapelle soll der seliggesprochenen Edith Stein geweiht werden.

Quelle: 
KStA-19880331-rn13 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigegeben durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 17.5.2011 für den BGV Rhein-Berg