Acht Minuten für den Internet-Ruhm

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Acht Minuten für den Internet-Ruhm
DRIESCHER KREISEL Mehr als 8000 Nutzer haben sich den Film über das aufwändige Bauwerk bereits angesehen
VON STEFAN KUNZE

Bergisch Gladbach. Der Driescher Kreisel hat echte Fans. Während viele Bergisch Gladbacher angesichts des Bauwerkes aus Kreisverkehr, Fußgängerüberweg und Bahnübergang am westlichen Ende der Fußgängerzone immer noch ungläubig den Kopf schütteln, wird der Kreisel weltweit bestaunt: Unter dem Titel „Größter Bahnübergang Deutschlands" steht ein achtminütiger Film über den Bahnübergang auf dem Videoportal „YouTube" im Internet – und mehr als 8000 Nutzer haben sich den Kreisel-Film bereits angesehen.
Aufgenommen hat ihn Max Maaßen aus der Nähe von Mönchengladbach. Der 19-Jährige arbeitet bei der Deutschen Bahn und las im „Kölner Stadt-Anzeiger" von dem Super-Kreisel. „Den wollte ich mir ansehen. So etwas gibt es kein zweites Mal in Deutschland", sagte er. In den Sommerferien setzte er sich in den Zug und kam nach Bergisch Gladbach. „Ein toller Kreisel mit den ganzen Anschlüssen, Schranken und der Bahn, die darüber fährt."
In dem Film können sich die Zuschauer selbst ein Bild des faszinierenden Bauwerks machen. Für Nicht-Eisenbahnfans passiert unterm Strich nicht viel – es ist eben so, wie es die Bergisch Gladbacher täglich erleben. Begleitet von lauten Warngeräuschen schalten zunächst die Ampeln auf Rot. Dann senken sich langsam die Schranken herab. Autofahrer, die sich zu diesem Zeitpunkt im Kreisel befinden, reagieren verunsichert ob der zahlreichen Schlagbäume. Nach rund zwei Minuten Piepen und Blinken steht im Kreisel alles still – die Zanders-Werkbahn kann kommen. Nach fünf Minuten ist der ganze Spuk vorbei. Auf YouTube geht es hingegen weiter. Weil es so schön ist, wird die nächste Ampelphase aus anderer Perspektive gezeigt, bis sich die Schranken wieder heben. Die Zuschauer im Internet sind begeistert. „Und ich dachte, der sechsgleisige Bahnübergang in Diepholz ist riesig, aber der, der ist einfach gigantisch. Zu dem muss ich unbedingt mal", schreibt einer – und erkundigt sich nach dem genauen Ort und der Uhrzeit, zu der der Zug in Bergisch Gladbach vorfährt.
Ein anderer möchte wissen, was wohl die Firma herstelle, die den großen Zug mit den vielen Güterwaggons benötige. Wieder andere Internet-Nutzer sind beinahe sprachlos: „Woah echt nice, Da muss ich mal hin!", oder: „Wer hatte da denn Langweile beim Bauen??? Das ist ja unglaublich!! !" Auch Verbesserungsvorschläge werden gemacht: Einem Internet-Nutzer sind beispielsweise die Signalezu leise – er fordert er das Anbringen von so „herrlichen Glocken wie in den USA".
Trotz all der Fans und der Aufmerksamkeit im Internet: Als Touristenziel mit Massenwirkung hat sich das inzwischen auch als „Kirmeskreisel" bekannte Bauwerk noch nicht etabliert.
Beim Eisenbahnclub Bergisch Gladbach seien jedenfalls noch keine Wünsche nach Führungen eingegangen, sagt Markus Rathmann, Zweiter Vorsitzender der Eisenbahnfreunde.

Der Zug durchquert am Mittwoch wie gewohnt den. Kreisverkehr – wen das nervt, der liegt wohl falsch.    BILD: ROLAND U. NEUMANN

Im Internet hat das Gladbacher Kuriosum schon eine Fangemeinde.

Quelle: 
KStA-20110113-s33 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011