Der Weg führt heute ins Nirgendwo


Der Weg führt heute ins Nirgendwo
HEIMATFORSCHUNG Der Bergische Geschichtsverein erinnert in einer Veröffentlichung an den untergegangenen Weiler Büchel bei Marialinden - und an die Familie Bücheler, deren Geschicke mit dem Ort verbunden waren

VON STEPHANIE PEINE
Overath. Der Weiler Büchel bei Marialinden existiert nicht mehr. Nur die Reste einer alten Zufahrt, die früher zu Häusern, Scheunen und Stallungen führte, sind noch zu erkennen. Heute endet der Weg im grünen Nichtsder Wiese. Mit Band 65 seiner Schriftenreihe erinnert der Bergische Geschichtsverein Rhein-Berg an den untergegangenen Weiler und die dort lebende Familie Bücheler, deren Geschicke über Jahrhunderte mit dem Ort verbunden waren.
Ina Tenberg hatte bereits 1988 in den Archiven geforscht, um die Geschichte ihrer Familie aufzuarbeiten. „Innerhalb von zwei Jahren erfasste ich alles, was mit »Bücheler« zu tun hatte: Hofgerichtsprotokolle, Steuerlisten, Hausnummerierungskataster,
Besitzgrößen und vieles mehr", erinnert sie sich. Die Ergebnisse ihrer Recherche griff Peter Lückerath auf, einer der genealogischen Experten im Bergischen Geschichtsverein, und ergänzte die Familiengeschichte um weiteres Quellenmaterial und um Seitenlinien der Familie.

Der Name Büchel wird auf das mittelhochdeutsche „Buckel" zurückgeführt, ein Siedlungsplatz also in hügeligem Gelände. Eine im Bergischen nicht eben seltene geographische Gegebenheit, die dazu führte, dass es 1845 im damaligen Regierungsbezirk Köln 14 Wohnplätze, Höfe oder Häuser mit dem Namen Büchel gab – drei davon allein in Overath.
Vom Weiler bei Marialinden habe man zunächst nicht einmal ein Foto besessen, so Lückerath.

Erst nach und nach hätten die Quellen vieles über die Geschichte des Weilers, über
seine Häuser und seine Bewohner preisgegeben. Und so erfahren  wir von Johann, Joes, Lucaß und Girtgen zum Büchel, die im Jahr 1690 vor dem Hofgericht erschienen, um sich das Erbe ihrer Eltern zu sichern. Vom Ackersmann Johann Wilhelm Büchel, der 1757 das Zeitliche segnete und Frau und Kinder offenbar in sehr ärmlichen Verhältnissen hinterließ. Und auch von Elias Bücheler, mit dem im Jahr 1804 der letzte „Bücheler" in Büchel starb. Viele seiner Verwandten lebten da längst auf Höfen in der Nachbarschaft oder waren in andere Gemeinden abgewandert.
Wenn auch keine Büchelers mehr in Büchel lebten, war der Weiler aber noch bis in die 1980-er Jahre bewirtschaftet. Dass er dann aufgegeben wurde, hatte im wesentlichen zwei Gründe, vermuten die Autoren. Zum einen zwang die allgemeine Situationin der Landwirtschaft viele Bauern mit geringen Wirtschaftsflächen zur Aufgabe. Zum anderen drohte die Errichtung „einer Trinkwassersperre, mit deren Bau in den 1980er Jahren begonnen werden sollte, die Büchel in die Wasserschutzzone I gerückt hätte, verbunden mit entsprechenden Einschränkungen und Verboten für die Landwirtschaft".
Peter Lückerath/Ina Tenberg: „Die Familie Bücheler »vom Büchell« bei Marialinden. Ein Beitrag zur Geschichte des Weilers Büchel und zur Familiengeschichte der Bücheler, Schriftenreihe des Bergischen Geschichtsvereins Rhein-Berg, Band 65, Bergisch Gladbach 2010, ISBN 3-932326-65-2, Preis: 10 Euro.

Das Fachwerkhaus Büchel Nr. 4 wurde vermutlich in der Mitte des 18. Jahrhunderts errichtet. In Quellen wurde es zeitweise als Backhaus, später als Wohnhaus bezeichnet. Diese Aufnahme, entnommen aus dem Band des Geschichtsvereins, entstand um 1930.
BILDER: BERGISCHER GESCHICHTSVEREIN

Clara und Josef Bücheler mit ihren Kindern. Sie gehören zu den Nachfahren der Bewohner von Büchel. Das Bild -entstand etwa 1916.

Quelle: 
KStA-20110105-s34 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011