STATISTIK Zahl der Schüler im Kreisgebiet wird in den nächsten Jahren drastisch sinken


Schließungen drohen ab 2015
STATISTIK Zahl der Schüler im Kreisgebiet wird in den nächsten Jahren drastisch sinken

VON STEPHANIE PEINE
Bergisch Gladbach. Der demographische Wandel ist an der Schultür angelangt.« In den nächsten zehn Jahren wird die Zahl der Schüler an Grund-, Haupt- und Real- und Gesamtschulen sowie Gymnasien in NRW dramatisch schrumpfen. Nach Angaben des Statistischen Landesamtes wird auch die Zahl der Schüler in Rhein-Berg um 19 Prozent auf 26 629 sinken. Ein Rückgang, von dem die einzelnen Kommunen allerdings unterschiedlich stark betroffen sind.
So bleibt in Bergisch Gladbach die Zahl der Einschulungen bis 2014 konstant. Bis dahin, so ist Hans Pütz von Schulamt mit Blick auf die Einwohnerstatistik sicher, werden hier jährlich rund 1000 Jungen und Mädchen an den 20 Grundschulen der Stadt aufgenommen. „Wir profitieren davon, dass wir immer noch ein Zuzugsgebiet sind", begründete Pütz. Keine der städtischen Grundschulen sei daher kurzfristig von der Schließung bedroht.
Doch die Schulidylle ist trügerisch. 2015 könnte sie ein abruptes Ende finden. Dann, so Pütz, zeige die niedrige Geburtenrate auch in Gladbach ihre Wirkung. Verschärft werde die Situation dadurch, dass im gleichen Jahr die Umstellung der früheren Einschulung abgeschlossen ist.
Stichtag verschoben
Durch die Verschiebung des Stichtages auf den 31. Dezember wird 2015 lediglich ein Jahrgang eingeschult. Während der Anpassungsphase wurden stets Kinder einer 13-monatigen Zeitspanne erfasst. „2015 werden nur noch 858 Kinder eingeschult werden", glaubt Pütz. Damit würden sechs Grundschulklassen fehlen. Unterm Strich könnte dies das Ende für drei Grundschulen bedeuten.
Und damit hätten nicht nur Eltern, Schüler und Lehrer ein Problem, sondern auch die Stadt. Denn mit dem Ausbau der Grundschulen zu offenen Ganz- tagseinrichtungen ab 2004 hat die Stadt eine 20-jährige Bestandsgarantie gegeben, um Fördermittel vom Land zu erhalten. Eine vorzeitige Schließung könnte teuer werden, sollte keine alternative Nutzung der Gebäude in Sicht sein. Was die Grundschulen ab 2015 drückt, schlägt vier Jahre später auf die weiterführenden Schulen durch. Sorgenkinder dürften besonders Haupt- und Realschulen sein, die heute schon ums Überleben kämpfen. Obwohl Gladbaoh 2006 eine der drei örtlichen Hauptschulen geschlossen hat, reicht die Schülerzahl nach Angaben der Stadt trotzdem nicht aus, um die verbleibenden Schulen Ahornweg und Im Kleefeld sicher zu füllen. Trotz aller Bemühungen sinke die Schülerzahl Jahr für Jahr weiter.
Meldeten sich 2003 an beiden Schulen noch insgesamt 918 Schüler an, waren es 2010 nur noch 722. Ebenso die Situation an fast allen Realschulen. 2003 verzeichneten die fünf Realschulen zusammen 2486 Anmeldungen, 2010 nur noch 2224, während die Integrierte Gesamtschule Paffrath und die Gymnasien weiter starken Zulauf hatten.
Kein Wunder also, dass die Stadt bemüht ist, die Atempause bis 2015 zu nutzen und sich schon jetzt Gedanken über die Schulentwicklung macht. In der vergangenen Woche tagte erstmals ein Projektteam der Fachhochschule Köln. Die Studenten sollen Empfehlungen erarbeiten, wie die Stadt als Schulträger die Sekundarstufe I in Zukunft organisieren kann. Pütz: „Wir wollen wissen, wie wir aufgestellt sind. Ob wir ab 2019 einen Schulstandort ohne Qualitätseinbußen aufgeben können und ob wir etwa in Bensberg eine Schule brauchen, in der man länger gemeinsam lernen kann." Elternbefragungen sollen klären, ob ein Bedarf für die neue Gemeinschaftsschule oder eine weitere Gesamtschule vorhanden ist.
Auch in Alt-Gladbach könnte sich die Schullandschaft verändern, sollten nicht beide Hauptschulen erhalten bleiben können. Das Gebäude Ahornweg, jüngst saniert und um eine Mensa erweitert, könnte dann Begehrlichkeiten anderer Schulen wecken, die derzeit in maroden 70er Jahre Bauten untergebracht sind— etwa das Nicolaus-Cusanus-Gymnasium. Auch eine Zweigstelle der Integrierten Gesamtschule Paffrath wäre hier denkbar.

Die Situation in den anderen Südkreis-Kommunen
Kürten: Der Schulentwicklungsplan hat die Bürger in Olpe aufgeschreckt. Aufgrund der rückläufigen Schülerzahlen wird dort die Schließung der Grundschule empfohlen. Verantwortlich für einen solchen Beschluss ist die Schulaufsicht. Die Politik ist sich einig, dass der Schulbetrieb in Olpe aufrechterhalten werden soll. Die Verwaltung hat zudem bei der Bezirksregierung angefragt, ob die Weiterführung des Schulbetriebes trotz zu geringer Schülerzahlen möglich ist. Die anderen vier Grundschulen sowie die Gesamtschule sind in ihrem Bestand nicht gefährdet.
Rösrath: Die Veränderungen bleiben sehr begrenzt. Vom Schuljahr 2011/2012 bis zum Schuljahr 2015/2016 wird die Zahl der Schulanfänger um zehn Prozent zurückgehen - von 274 auf 243 Kinder. Damit schrumpft die Zahl der Eingangsklassen von zwölf auf zehn. Der Fortbestand der vier Grundschulen ist gesichert, sie werden teils mit zwei, teils mit drei Eingangsklassen ins Schuljahr 2015/2016 starten.
Odenthal: Dort sinkt die Zahl der i-Dötzchen, von 161 im Schuljahr 2011/2012 auf 135 im Schuljahr 2015/16. Dennoch soll sich an der Planung derzeit nichts ändern, die fünf Grundschulen sollen erhalten bleiben.
Overath: 2011 werden 278 Kinder eingeschult, 2015 nur noch 236. Dennoch sind zunächst sowohl Grund- wie weiterführende Schulen gesichert. Mittelfristig soll die Hauptschule wegen sinkender Schülerzahlen im Schulzentrum untergebracht werden.

Quelle: 
KStA-20101103-s38 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011