Wer soll den Denkmalschutz bezahlen?


Wer soll den Denkmalschutz bezahlen?
Das Rheinische Amt für Denkmalpflege fand im Kürtener Raum 110 schützenswerte Objekte

VON VOLKER LÜBECK
vl Kürten. Wenn man den Fachleuten des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege in Bonn Glauben schenkt, dann ist die Sülztalgemeinde Kürten reich an historischen Kleinodien. In einer jetzt vorliegenden Liste sind 36 Gebäude, 70 Wegekreuze und vier Bodendenkmäler aufgeführt, die nach Auffassung der Bonner Behörde unter Denkmalschutz zu stellen sind.
Ob der Rat den Vorschlägen folgen und alle genannten Objekte unter Denkmalschutz stellen wird, muß abgewartet werden. Vor allem die Restaurierung der Wegekreuze stellt einen nicht zu unterschätzenden Kostenfaktor dar. Wie die Verwaltung ermittelt hat, fallen für die Herrichtung eines Holzkreuzes Kosten zwischen 9000 bis 15000 Mark an. Die Renovierung eines Steinkreuzes schlägt mit 5000 bis 6000 Mark zu Buche.
Obwohl das Land für eine Einzelmaßnahme Zuschüsse bis zu 50 Prozent gewährt, müßte die Gemeinde in einem Zeitraum von 15 Jahren jährlich bis zu 15000 Mark für die Rettung der Zeugnisse bäuerlicher Volksfrömmigkeit ausgeben. Angesichts der Ebbe im Gemeindesäckel scheint dieses Vorhaben aber schon jetzt zum Scheitern verurteilt zu sein. Rathauschef Willi Schumacher: „Ich glaube, daß die Gemeinde nicht in der Lage ist, aus eigener Kraft alle Wegekreuze retten zu können."
Wenig Mühe dürfte die Unterschutzstellung der alten Kirchen in Kürten bereiten. Ihnen bescheingt das Amt einen guten Allgemeinzustand. In die Denkmalliste wurden St. Antonius Eremitus in Bechen, St. Nikolaus in Dürscheid, die Kapelle St. Jakobus mit Kreuzweg in Spitze, St. Peter und Paul in Offermannsheide, St. Johann Baptist in Kürten, die Kapelle St. Anna in Weiden, St. Margaretha in Olpe, die evangelische Pfarrkirche in Delling und die Wegekapelle in Biesenbach aufgenommen.
Auch zahlreiche Fachwerkbauten sollen der Nachwelt erhalten bleiben. Die Kommission des Bonner Amtes plädiert unter anderem für die Unterschutzstellung des Fachwerkhofes in Nellsbach, des Steegerhofes in Dürscheid, des 189 Jahre alten katholischen Pfarrhauses in Offermannsheide, des katholischen Pfarramtes in Kürten und der sogenannten Burg in Olpe.
Als Bodendenkmäler werden das Landwehr in Herweg, der Wall östlich der Weyermühle, die Abschnittsbefestigung (Am Burgberg) in Unterbörsch und der Ringwall (Burgring) in Sürth/Neuenhaus klassifiziert.
Die Verwaltung ist gegenwärtig dabei, die Eigentümer der Denkmäler zu ermitteln. Außerdem werden Lagepläne, Bauzeichnungen und Fotos zusammengestellt.
Die Eigentümer erhalten dann die Gelegenheit, sich zur Unterschutzstellung zu äußern. Nach Abschluß des Anhörungsverfahrens werden die Vorgänge dem Haupt-, Finanz- und Personalausschuß vorgelgt. Die endgültige Entscheidung liegt dann beim Gemeinderat.
Die Handhabung des Denkmalschutzgesetzes ist allerdings recht kompliziert, wie es zum Beispiel die leidvollen Erfahrungen der Stadt Bergisch Gladbach bei der Rettungsaktion für die verrottete Weyerburg beweisen. Sollte sich nämlich der Eigentümer aus finanziellen Gründen nicht zur Instandsetzung des schutzwürdigen Besitzes in der Lage sehen, muß die Gemeinde das Objekt kaufen und herrichten. „Das Gesetz könnte in diesem Falle zum Bumerang werden", befürchtet Gemeindedirektor Schumacher.

Quelle: 
BLZ-19830618-s2 (Bergische Landeszeitung)
Freigabe: 
Freigabe erteilt durch Bergische Landeszeitung (Brief 18.5.2011) und Volker Lübeck (email 16.5.2011)