Fachwerkhaus Gut Linde soll vor dem Verfall gerettet werden

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Fachwerkhaus Gut Linde soll vor dem Verfall gerettet werden

Wo einst wilde Töchter wohnten
Fachwerkhaus Gut Linde soll vor dem Verfall gerettet werden

Einst wurden hier schwererziehbare höhere Töchter gebändigt.Doch seit Jahren steht das Haus leer. Um das Denkmal zu erhalten, sind Ideen gefragt.

VON STEPHANIE PEINE
Bergisch Gladbach - Die Fenster sind mit Brettern vernagelt und durch die. Tür ist schon lange kein Bewohner mehr gegangen: Gut Linde steht, verloren auf dem großen, leergeräumten Grundstück am DiakonissenWeg, auf dem in der Vergangenheit Behelfswohnungen für Asylbewerber gestanden haben. Doch das für Moitzfeld prägende Fachwerkhaus soll eine neue Chance bekommen: Die Stadt möchte das Haus, das vor kurzem unter Denkmalschutz gestellt wurde, an einen Investor verkaufen und das umliegende Gelände als Bauland vermarkten.
Wichtiger als der Kaufpreis ist der Stadt nach eigenen Angaben, dass der Käufer die fachliche Qualifikation sowie ein überzeugendes Konzept für die Sanierung des Hauses hat. Nur eine sinnvolle Nutzung sichere das Haus vor dem Verfall, meint Karl Stabenow, Denkmalpfleger der Stadt. Das Gebäude müsse vollständig saniert werden, Heizung, Haustechnik, Fenster und anderes erneuert werden. Doch der Aufwand für das Hans, das ein gutes Beispiel für die Siedlungsgeschichte der Region darstelle, lohnt sich nach Ansicht von Stabenow. Die Sanierung sei durch die Möglichkeiten der steuerlichen Abschreibungen attraktiv.
Welcher Art eine spätere Nutzung sein könne, darauf will man sich bei der Stadt nicht festlegen. Von Arztpraxen, über Wohnungen bis hin zur Büros sei in dem Solitär vieles denkbar. Auf dem rund 4500 Quadratmeter großen Areal, rundherum sollen Einzel- und Doppelhäuser gebaut werden, sagte Bernd Martmann, Fachbereichsleiter Grundstückswirtschaft.
Bei dem alten Fachwerkhaus, einem zweigeschossigen L-förmigen Bau handelt es sich um das letzte Gebäude des historischen Gutes an der Linde. Nach Angaben der Stadt wurde es Mitte oder in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts in bergischer Fachwerkbauweise errichtet. Ursprünglich war es das Gut des Ackerers Jacob Schmitz zu Untermoitzfeld. Nach seinem Tod verwaltete seine Ehefrau Christine den Hof weiter, der schließlich auf den Schwiegersohn Johann Frielingsdorf überging. Nach 1892 wurde das Gut aufgeteilt. Spätere Eigentümer waren Matthias Arenz (1903), Butterhändler Gerhard Thiell (1910), Kaufmann Dechant und Dr. med. Karl Ortmann. Auf dem ehemaligen „Ortmannschen Gute" errichtete die Bergische Diakonie Aprath (bei Wuppertal) 1925 ein „Heim für schwererziehbare Töchter besserer Stände. 1945 zog in das Haus das Wirtschaftsamt Bensberg ein, mit zwei Amtszimmern und einer Wohnung für Bürgermeister Schumacher.
In den fünfziger Jahren diente das Haus als „Knabenheim". 1957 wohnten hier 40 Jungen in recht bescheidenem Ambiente: „Die Inneneinrichtung (ist) sehr veraltet. In verschiedenen Schafräumen stehen noch weiss lackierte Holzgestelle,die an Luftschutzbetten erinnern", berichtete das Kreisjugendamt damals in einem Schreiben an den Landschaftsverband. Auch die Kücheneinrichtung wird als "äußerst primitiv" und „rückständig" bezeichnet. 1962 heißt es in einem Zeitungsartikel: „Nun geht es im Heim nicht stur und militärisch streng zu. Manbemüht sich vielmehr, den Jungen etwas von der Nestwärme zu geben, die sie zu Hause nicht finden," 1965 erstand die Stadt Bensberg das Haus, 1975 wurde das „Gut an der Linde" aufgelöst.

Zeugnis bergischer Geschichte: Gut Linde soll vor dem Verfall gerettet
werden. BILD ROLAND U. NEUMANN

Quelle: 
KStA-20070822 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigegeben durch Kölner Stadt-Anzeiger mit e-mail vom 26. September 2008