Eine Villa mit viel Geschichte verfällt zusehends

Eine Villa mit viel Geschichte verfällt zusehends

Die Bensberger „Weyerburg" im Blickpunkt: Eine Villa mit viel Geschichte verfällt zusehends
Durch die Räume pfeift der Wind
Langwieriges Verfahren schiebt die dringend nötigen Restaurierungsarbeiten immer weiter auf

Von Herbert Haas
Bensberg — Der Regen rinnt durch das verrottete Dach in die altherrschaftlichen Zimmer und durch die zerbrochenen Scheiben des ehemaligen Prachtgebäudes pfeift der Wind. Die Villa „Weyerburg" in Bensberg, die im Juli des Jahres vom Hauptausschuß des Bergisch Gladbacher Rates unter vorläufigen Denkmalschutz gestellt wurde, verfällt zum Bedauern vieler Bensberger Bürger zusehends. Wie es mit dem traditionsreichen Herrschaftshaus an der Olper Straße weitergehen soll, ist bislang noch völlig offen,
Eine erste Entscheidung über die Zukunft des um die Mitte des vorigen Jahrhunderts errichteten Gebäudes wird allerdings schon in der nächsten Woche fallen. Dann nämlich muß der Eigentümer, die Ehefrau des Bensberger Notars Rolf Ilges sich dazu äußern, ob sie bereit ist, selbst für den Erhalt der Villa zu sorgen. Anderenfalls wird sich früher oder später dem Willen des Hauptausschusses entsprechend die Stadt der Weyerburg annehmen müssen.

„Denkmal der Woche"

Erneuten Auftrieb erhielt die Diskussion um das historische Bauwerk auch dadurch, daß es das Rheinische Amt für Denkmalpflege in einer Mitteilung des Landschaftsverbandes zum „Denkmal der Woche" erklärte. Darin wird die Weyerburg als eine „der letzten erhaltenen Villen" bezeichnet, „die zur Gründerzeit an landschaftlich hervorragender Stelle mit weitem Blick zur Kölner Bucht errichtet wurde."
Gebaut wurde die Villa Mitte des letzten Jahrhunderts. Über den Erbauer gehen die Meinungen jedoch auseinander. Das Denkmalsamt in Bonn geht davon aus, daß das Gebäude nach seinem Erbauer Ritter Stucker von Weyer benannt wurde. Durch zahlreiche Veröffentlichungen — unter anderem im Rheinisch-Bergischen Kalender der Jahre 1966 und 1976 sowie in dem Buch „Die Geschichte der Pfarre Bensberg" von Peter Opladen aus dem Jahre 1946 — ist jedoch verbürgt, daß die Eheleute Thomas und Emilie Schmitz seit den 60er Jahren des letzten Jahrhunderts in der Weyerburg wohnten, auch wenn sie nicht gar selbst die Bauherren waren.
Vor allem um den Namen Emilie Schmitz — ihr Mann starb im Jahre 1878 und fortan lebte seine Witwe zurückgezogen und allein in der Villa, nahm jedoch regen Anteil an der gesellschaftlichen Entwicklung Bensbergs — rankt sich ein ganzes Kapitel Heimatgeschichte der Schloßstadt. So meinen die Heimatforscher Rainer Michel und Thomas Klostermann, das dies eben nicht zuletzt zum Wert der Weyerburg beitrage.

Brunnen vergammelt

Jene Emilie Schmitz nämlich spendete — obgleich sie selbst evangelisch war — einen beachtlichen Betrag für den Turm und die Glocken der katholischen Bensberger Kirche. Außerdem setzte sie in ihrem Testament die Stadt als Universalerben ein mit der Bedingung, ihr Vermögen für die armen Bürger zu verwenden. Zum Dank wurde ein Brunnen, der heute jedoch recht einsam und vergammelt am Eingang der Schloßstraße steht, nach ihr benannt: der Emilienbrunnen.
Die derzeitige Eigentümerin der Villa erwarb sie ursprünglich in der Absicht, an der gleichen Stelle einen Neubau zu errichten. Bereits vor rund' drei Jahren wurde die Genehmigung zum Abriß beantragt, die die Stadtverwaltung jedoch verwehrte.
So führt die Villa Weyerburg seit Jahren ein unrühmliches Dasein. Schon bald könnte das ehemals prächtige Gebäude — in dem heute manchmal Kinder spielen — so baufällig sein, daß der Einsturz droht.
Auch der vordem schmucke Garten ist völlig verwildert. So soll denn auch die Veröffentlichung des „Denkmals der Woche" auf die besondere Gefährdung der Weyerburg hinweisen.

Vorläufig unter Schutz

Am 14. Juli dieses Jahres beschloß der Bergisch Gladbacher Hauptausschuß schließlich die vorläufige Unterschutzstellung des gesamten Grundstücks einschließlich der Villa — insbesondere auf Betreiben der stellvertretenden Bürgermeisterin Helga Arp (SPD), die sich wegen des andauernden Verfalls der Villa auch an den nordrhein-westfälischen Minister für Landes- und Stadtentwicklung Dr. Christoph Zöpel sowie an seinen Ministerkollegen Reimut Jochimsen (der auch hiesiger Landtagskandidat ist) gewandt hatte.
Die Entscheidung des Ausschusses wird auch durch ein Gutachten des Landeskonservators gestützt, der der Stadtverwaltung in einem Schreiben vom 1. Juli mitteilte, daß die „Erhaltung des Gebäudes ... von besonderem öffentlichen Interesse" sei, eine Unterschutzstellung werde dringend befürwortet. „Mit ihrem rund 3 000 Quadratmeter großen, jetzt verwilderten Park mit altem Baumbestand", heißt es in dem Gutachten zur Begründung, „ist die „Weyerburg" eine der letzten, komplett erhaltenen Villen der Jahrhundertwende in Bensberg".
Unmittelbar am Tag nach dem Beschluß des Hauptausschusses wurde die Eigentümerin der Weyerburg angeschrieben und verfahrensgemäß um eine Stellungnahme gebeten. Wegen der Urlaubszeit wurde ein Termin am 1. September vereinbart, bis zu dem die Stellungnahme im Anhörungsverfahren eingehen sollte. Bis zur Stunde, so teilte der städtische Pressesprecher Peter Schlösser auf Anfrage mit, habe die Verwaltung jedoch keine Nachricht erhalten.

Widerspruch möglich

Läßt das Ehepaar Ilges den vereinbarten Termin verstreichen, so Pressesprecher Schlösser weiter, wird die Stadtverwaltung einen rechtsmittelfähigen Bescheid ergehen lassen, gegen den allerdings noch ein Widerspruch möglich ist. Außerdem könnten die Eheleute Ilges weitere Einwendungen geltend machen, die bisher nicht gewürdigt wurden, so daß sich der Hauptausschuß möglicherweise erneut mit der Villa Weyerburg befassen muß. Über weitere Schritte, die sich aus einer negativen Stellungnahme der Eigentümer ergäben, will man sich bei der Stadtverwaltung zum jetzigen Zeitpunkt indes noch keine Gedanken machen.
Konsequenzen kämen auf die Stadt jedoch durch den Beschluß des Hauptausschuß unausweichlich zu, wenn die Eigentümerin ihrer Instandsetzungspflicht (die bislang noch nicht rechtskräftig ist) beispiels weise aus finanziellen Gründen nicht nachkommen könnte. Dann nämlich müßte die Stadt für die Restaurierung und Erhaltung des Gebäudes eintreten. Dazu jedoch, so signalisierte Stadtdirektor Otto Fell früher bereits, fehle der Stadt das Geld.
Doch gibt es eine weitere — bereits erfolgreich praktizierte — Möglichkeiten, die Villa Weyerburg für die Nachwelt zu erhalten. Es sei durchaus möglich, so meint Gebietsreferent Dr. Ulrich Kahle vom Denkmalsamt in Bonn gegenüber dem Kölner Stadt-Anzeiger, eine sinnvolle Nutzung für die Weyerburg, also einen gutwilligen Käufer zu finden, der die für den „Bensberger Bereich einmalige Villa wieder in Schuß bringt". Dies setzt allerdings voraus, daß schon bald etwas geschieht, denn die Zeit arbeitet' gemeinsam mit Wind und Wetter gegen die Weyerburg.

DER VERFALL DER VILLA WEYERBURG schreitet jeden Tag ein Stück weiter voran. Fällt nicht bald eine Entscheidung, so ist das 130 Jahre alte Gebäude möglicherweise nicht mehr zu retten. Bilder: Günter Möllinghoff

DER EMILIENBRUNNEN an der Schloßstraße in Bensberg erinnert an die ehemalige Bewohnerin der Villa, Emilie Schmitz, und dokumentiert gleichzeitig ein Stück Heimatgeschichte.


Quelle: 
KStA-19810828-RN9-1 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigegeben durch Kölner Stadt-Anzeiger mit e-mail vom 26. September 2008