PROGYMNASIUM Insolvenz könnte Folgen für Behinderte haben


Bangen ums Zuhause
PROGYMNASIUM Insolvenz könnte Folgen für Behinderte haben

VON STEPHANIE PEINE
Bergisch Gladbach. Nachdem das Progymnasium keine Kreditzusage seiner Bank erhalten hat, sind die Zukunftsaussichten des Vereins mehr als düster. Morgen Abend will der Vorstand darüber entscheiden, ob der Verein Insolvenz anmelden muss. In diesem Fall könnte auch der vor drei Jahren errichtete Neubau gefährdet sein, in dem 20 Wohnungen für Behinderte untergebracht sind.
Die Verbindlichkeiten des Vereins seien auf rund zwei Millionen Euro angewachsen, sagte Vorstandsvorsitzender Hans Lowey. Er bezeichnete den Rückzug der Stadt aus dem Bücherei-Projekt als „nicht nachvollziehbar" und „sehr verhängnisvoll". Im Domino-Effekt fielen nun auch weitere erhoffte und eingeplante Zuschüsse aus, etwa Geld der Aktion Mensch.
Wie berichtet hatte der Stadtrat sich geweigert, 200000 Euro aus dem Konjunkturpaket II für das Progymnasium zur Verfügung zu stellen; Geld, das für den Bibliotheksneubau eingeplant war. „Die Gründe für die Ablehnung sind an den Haaren herbeigezogen und widersprechen erstellten Gutachten", ärgerte sich Lowey.
„Wie ein Kartenhaus"

Die 200000 Euro hatte die Bank nach Angaben Loweys in ihr Finanzierungsangebot aufgenommen. „Insgesamt hätten wir 800000 Euro finanzieren müssen", sagte er. 200000 Euro sollten von der Stadt, 250000 Euro von der Aktion Mensch, 150000 Euro vom Landschaftsverband kommen, letzteres sei bereits genehmigt. Die Bank hätte nach dieser Kalkulation noch die verbleibenden 200000 Euro zusteuern müssen. Damit ist nach Angaben von Lowey aber nicht mehr zu rechnen. „Alles fällt jetzt wie ein Kartenhaus zusammen", sagte der Vorsitzende.
Durch die finanzielle Schieflage könnten auch die übrigen Aktivitäten des Vereins in Mitleidenschaft gezogen werden, der als Bürgerzentrum Beratungsund Freizeitangebote vornehmlich für Senioren und Menschen mit Behinderung organisiert und 30 Arbeitsplätze unterhält. Zudem könnte der Verein auch seinen 2007 bezogenen Neubau neben dem alten Progymnasium verlieren. „Die Einnahmen aus dem Solitär, der die Bücherei aufnehmen sollte, sind nötig, um den bestehenden Winkelbau mitzufinanzieren", erklärte Lowey.
In dem Bau, der zu Teilen bereits Eigentum der Bankrist, sind neben Eigentumswohnungen auch 20 Appartements für Behinderte untergebracht. Sie lebenüberwiegend in Mietwohnungen und bangen nun um ihr Zuhause. „Die Eltern haben uns damals zweckgebundene Spenden für den Bau gegeben, pro Quadratmeter 1100 Euro", erklärte Lowey. Damit sollte ein dauerhaftes Wohnrecht gesichert werden. Er selbst habe für die Wohnung seines behinderten Sohnes 76000 Euro gespendet. Der Fall einer Insolvenz sei vertraglich nicht vorgesehen. Täglich riefen nun besorgte Eltern bei ihm an, die sich Sorgen um die Zukunft ihrer Kinder machten. Zwar habe die Bank zugesagt, die Appartements als Sozialwohnungen zu erhalten, „aber trotzdem geht bei den Behinderten die Angst um", sagte Lowey. Und offenbar auch die Wut auf die Politik. Lowey: „Die waren schon so weit, dass sie gesagt haben: "Wir fahren am 9. Mai mit dem Rollstuhl vor die Wahllokale."

Alt und Neu vor ungewisser Zukunft: Dem Progymnasium droht die Insolvenz.    BILD: CHRISTOPHER ARLINCHAUS

Quelle: 
KStA-20100413-s33 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011