Kleine Seen aus Schmutzwasser

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Kleine Seen aus Schmutzwasser
UMWELTSCHUTZ Kreise arbeiten zusammen

VON MALTE EWERT
Rhein-Berg. An Autobahnen und Landstraßen werden sich die Autofahrer in den nächsten Jahren über viele neue Wasserflächen wundern. Die kleinen Seen sollen aber nicht zum Baden einladen, sondern die Umwelt schützen. In ihnen wird sich Schmutzwasser sammeln, das jetzt noch größtenteils ungefiltert in Flüsse und Bäche läuft. Es handelt sich um Regenwasser, das auf der Fahrbahn landet, dort jede Menge Öl und Gummiabrieb mitnimmt und dann irgendwo verschwindet. Die drei Landkreise Rhein-Berg, Rhein-Sieg und Oberberg beteiligen sich an einem Pilotprojekt, das bei Erfolg landesweit umgesetzt wird.
Regierungspräsident Hans Peter Lindlar übergab den drei Landräten Rolf Menzel, Frithjof Kühn und Hagen Jobi einen Förderbescheid über 500 000 Euro, mit denen das zukunftsweisende Projekt gestartet werden soll. Man rechnet mit zehn bis 15 Jahren Planungs- und Bauzeit. Wasdie Sammelbecken kosten werden, weiß man noch nicht. Zunächst wird der gegenwärtige Zustand erfasst und bewertet. Gebaut wird später. Das ganze Programm ist ein Teilaspekt der Europäischen Wasserrahmenrichtlinie, die eigentlich schon bis zum Jahr 2015 einen guten ökologischen und chemischen Zustand der heimischen Gewässer erreichen will.
Die drei Landkreise rund um Sieg und Agger wurden auserwählt, weil sich hier ein grenzüberschreitendes Miteinander am besten proben lässt. Denn weder die Fernstraßen noch Flüsse und Bäche machen an Kreisgrenzen halt, was für die Finanzierung von Bauprojekten ein Umdenken erfordert. 400 Kilometer Autobahn und Bundesstraßen sind zu erfassen, plus 1400 Kilometer Landstraßen und 600 Kreisstraßen. Da kommt ganz schön was an Regen zusammen. Mit eingebunden ist die Straßenbaubehörde „Straßen NRW".
„Es war schon immer ein Zankapfel zwischen Kommunen und Straßenbaulastträger, wer für das Oberflächenwasser zuständig ist", berichtete Regierungspräsident Lindlar aus alten Landtagszeiten. Um Zuständigkeiten und Kostenübernahme habe man heftig gerangelt, was mitunter dazu fiihrte, dass man sich nicht einigen konnte. Die Europäische Union verlangt dies nun aber.
Laut Walter Büttgens vom Amt für Wasser- und Abfallwirtschaft Rhein-Berg ist insbesondere an einigen Autobahnen „veraltete Technik" im Einsatz, mit der das Regenwasser abgeführt wird. Es gibt etwa 1500 Regenwassereinleitungen in den drei Landkreisen. Wie belastet das Wasser mitunter sei, habe man in diesem Winter am Schnee entlang der Straßen sehen können: Der blieb nicht lange weiß. Büttgens: „Hinzu kommt, dass bei Starkregen viele Gewässerläufe regelrecht ausgespült werden, was ernste Folgen für die Tierwelt haben kann." Das Wasser aus den Rückhaltebecken wird aber langsam versickern und auf diesem Wege durch die Bodenschichten gefiltert.

Regierungspräsident Hans Peter Lindlar übergab den Landräten Rolf Menzel (Rhein-Berg), Frithjof Kühn (Rhein-Sieg) und Hagen Jobi (Oberberg) den Förderbescheid für das Projekt. Die drei Landkreise wollen gemeinsam den Gewässerschutz verbessern.    BILD: ROLAND U. NEUMANN

Quelle: 
KStA-20100223-s31 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011