Wer folgt dem Forstinspektor?

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Zur Zeit ist Haus Lerbach, das verwunschene Stück Romantik, Drehort für einen WDR-Film
Wer folgt dem Forstinspektor?
Im Gespräch: Ausbau zur Tagungsstätte für örtliche Firmen — Verein gab wegen Geldmangel auf

Von Annelis Griebler
Bergisch Gladbach — 1451 als Besitz der Familie von Forsbach (gen. von Merheim) erwähnt, seit der Mitte des 16. Jahrhunderts bis zum Ende des 17. Jahrhunderts Rittersitz der Familie von Steinen. 1669 erworben von 'dem Kurpfälzischen Geheimen Rat und Amtmann von Porz, Michael von Leers, dessen Nachkommen sich Freiherrn von Leers zu Lerbach nannten und bis zum 18. Jahrhundert dort ansässig waren. Zweigeschossiger Renaissancebau mit Turm, 1840 in klassizistischer Weise umgebaut, 1900 abgerissen, dann nach Plänen von Gabriel Seidl in der heutigen Form neu ausgeführt. Bis Ende 1987 Sitz des „Gustav-Stresemann-Instituts — Europäische Akademie", derzeit und einen Sommer lang Drehort für einen WDR-Film über das Leben und Treiben eines gewissen „Forstinspektor Buchholz". Und was kommt danach, was wird aus Haus Lerbach, dem verwunschenen Stück Romantik zwischen Heidkamp und Sand?
Die Frage ist nicht leicht zu beantworten, gewinnt aber zunehmend an „öffentlichem Interesse". Das Anwesen steht unter Denkmalschutz. Der Park, den die Familie von Siemens als Eigentümer schon vor vielen Jahren Spaziergängern und Besuchern zugänglich gemacht hat, ist mit seinem Weiher, seinem uralten Bestand ebenso imponierend wie teils seltener Bäume und seiner „gewachsenen" Gartenarchitektur, eine Rarität von besonderer Schönheit. Das Haus — wenngleich sehr sanierungsbedürftig — hat einen durch einige im Laufe der StresemannPachtzeit aufgepfropfte „Pavillons " nur vorübergehend beeinträchtigten Charme. „Das ist ja wie bei den Guldenburgs!" staunte unlängst ein unbefangener Visiteur, als er das „Schloß" zum erstenmal sah.
Daß „daraus wieder etwas Vernünftiges wird", nachdem die weithin bekannte und angesehene „Europäische Akademie" nach Bonn umgezogen ist — in diesem Wunsch stimmen denn auch die Verwaltung der Stadt und ihr Bürgermeister mit den Besitzern völlig überein. Die in der Vergangenheit gelegentlich erwähnte Einrichtung einer Spielbank steht dabei nicht mehr zur Debatte; auch die Gerüchte, ein orientalischer Potentat wolle Lerbach kaufen und sich dergestalt in den kühlen bergischen Wäldern einnisten, wird nicht mehr kolportiert. Der Verein „Akademie Haus Lerbach", der sich letzten Sommer (den Lesern des Kölner Stadt-Anzeiger) vorstellte mit der Absicht, den Lehr- und Seminarbetrieb in der Nachfolge des Stresemann-Instituts weiterzuführen, gab dieses Vorhaben inzwischen wegen anhaltender Finanzschwäche auf. Aber: „An einer Nutzung als Bildungseinrichtung, an einer wenigstens teilweisen Öffnung für die Allgemeinheit auch in Zukunft hätte die Stadt natürlich ein lebhaftes Interesse" ( wenn auch für eine eventuelle Förderung kein Geld), sagt Beigeordneter Hans-Joachim Franke.
„Gerne als Vermittler"
Und der erste Bürger dieser Stadt, Franz Heinrich Krey, hat noch konkretere Vorstellungen, für deren Realisierung er „gerne als Gesprächspartner und Vermittler zur Verfügung steht", nämlich: „Es müßte möglich sein, ortsansässige Unternehmen für die Gründung eines Konsortiums zu finden, das — in Zusammenarbeit mit leistungsfähiger Gastronomie — Haus und Park langfristig pachtet und ausbaut zu einem Tagungszentrum sowohl für den eigenen Bedarf, als auch mit überregionalem, vielleicht sogar internationalem Bildungsangebot." Natürlich, so der Bürgermeister, müsse „über die Struktur dieses Konsortiums und der Betreibergesellschaft; noch nachgedacht werden". Andererseits: „Es gibt ohne Zweifel bei größeren Firmen im Gladbacher Einzugsgebiet steigende Nachfrage nach betriebsinternen, auch werbewirksamen Tagungs- und Schulungsprogrammen. Darüber hinaus kommt es immer wieder vor, daß Institutionen hier tagen oder größere Veranstaltungen durchführen möchten, dann aber doch nach Köln ausweichen, weil sie entweder im Bürgerhaus keinen Termin bekommen können, oder die Hotelkapazität für die Unterbringung der Teilnehmer nicht ausreicht." Haus Lerbach böte die Lösung all dieser Probleme unter einem Dach; und damit zugleich „zusätzliche Attraktivität für den ganzen rheinisch-bergischen Raum" — so Krey. Daß die Finanzierung seiner schönen Pläne „nicht einfach" sein wird, sieht er allerdings auch. „Mit einer oder zwei Millionen", so schätzt er, „ist es dabei bestimmt nicht getan."

EINE IDYLLE in Bergisch Gladbach: Haus Lerbach. Was wird aus dem traditionsreichen Haus, das bis 1987 Sitz des „Gustav-Stresemann-Institut" war?    Bild: Günter Möllinghoff

FÜR GLADBACHER FIRMEN eine Tagungsstätte? Diese Zukunft für Haus Lerbach ist im Gespräch.

Quelle: 
KStA-19880505 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigegeben für BGV durch Kölner Stadtanzeiger mit email vom 08.12.2010