Eine Geheimtreppe in Haus Lerbach

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Beim Abkratzen der alten Tapete entstand plötzlich ein hohles Geräusch
Eine Geheimtreppe in Haus Lerbach?
Sie gehörte zu Anna Zanders' Arbeitszimmer

Von Hans Kloep
Bergisch Gladbach — Auf eine „Geheimtreppe" stießen. Bauarbeiter bei den Umbauarbeiten von Schloß Lerbach in ein Nobelhotel, das noch im Sommer — wir berichteten — eröffnet werden soll. Beim Ab- kratzen der Tapete in dem früheren Arbeitsraum von Anna Zanders, geborene von Siemens, Tochter des Werner von Siemens, hörte der Arbeiter ein hohles Geräusch. Ihm erschien die Sache nicht ganz geheuer, und er verständigte die Bauleitung.
Niemand wußte zunächst, was sich hinter der Wand befand. Man war gespannt zu erfahren, was sich in dem Hohlraum befand.
Bevor man sich entschloß, die Wand aufzubrechen, wurden alte Baupläne zu Rate gezogen. Und die Bauexperten wurden fündig. In einer der Zeichnungen erkannten sie, daß früher einmal eine Wendeltreppe vom Arbeitsraum im Erdgeschoß direkt nach oben ins Schlafzimmer von Anna Zanders führte. So konnte sich die Hausherrin, ohne vom Personal gesehen zu werden, nach oben in ihr Gemach begeben.
Die Bauexperten nehmen an, daß die Treppe früher offensichtlich durch eine Tapetentür getarnt war.
Anna Zanders, Ehefrau des Gladbacher Papierfabrikanten Richard Zanders, hatte 1892 die damalige Burg von Graf Wolff Metternich gekauft. Sie gab dem Münchener Architekten Professor Gabriel von Seidl den Auftrag, das neue Haus auf der Anhöhe hinter der ehemaligen Wasserburg im Gründerstil zu errichten. Ob dabei die Geheimtreppe auf Wunsch von Anna Zanders eingeplant wurde, dürfte sich kaum noch feststellen lassen. Als sich die derzeitige Pächterin, die Althoff-Beratungs- und Betreuungsgesellschaft, Köln, gemeinsam mit den Eigentümern aus der Familie von Siemens entschloß, die versteckte Treppe freizulegen, warteten die Mitarbeiter gespannt darauf, was zu Tage kommen würde. Die dünne Wand war schnell durchbrochen. Die Beobachter standen vor einer relativ gut erhaltenen Wendeltreppe aus Holz, auf die durch ein kleines Fenster, das wie ein Schießschacht aussieht, Licht fiel. Die Wände hatten keine Tapete, sie waren mit handgemalten Ornamenten geschmückt.
Die Treppe soll als „Schmuckstück" Hotelgästen präsentiert werden. Dazu wird sie restauriert. Künftige Hotelgäste können sie durch eine festverschlossene Glastür bewundern. Dezente Innenbeleuchtung wird die Geheimtreppe ins richtige Licht rükken. Während oben die Wendeltreppe noch im Mittelpunkt des Interesses steht, rumpelt es unten geheimnisvoll im Keller. Zwei Bagger heben eine Erdschicht von etwa 15 bis 20 Zentimeter ab, damit der geplante „Schloßkeller" die vorgeschriebene Höhe erhält. Die bisherigen Höhenmaße reichten nicht aus.

DIE FREIGELEGTE GEHEIMTREPPE — Bauleiterin Christine Schmidt bei einer Ortsbesichtigung. Bilder: Günter Möllinghoff

ES RUMPELT IM SCHLOSSKELLER. Bagger heben den Fußboden ab, um die für ein Restaurant erforderliche Raumhöhe mit rustikalem Ambiente herzustellen.

Quelle: 
KStA-19910405 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigegeben durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 27.4.2011 für den BGV Rhein-Berg