LITHOGRAFIE: Zu: „Genaues Abbild der Architektur", 21. Oktober

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Die typische Struktur geht verloren

LITHOGRAFIE Zu: „Genaues Abbild der Architektur", 21. Oktober
Ihr interessanter Bericht über eine Lithographie des Bensberger Schlosses bedarf einer kurzen drucktechnischen Erklärung und Ergänzung. Bei dem kolorierten Blatt handelt es sich um einen einfarbig schwarz gedruckten Steindruck, der von einem speziellen Solnhofener Kalkstein gedruckt wurde. Dabei wurde hier die Zeichnung seitenverkehrt auf die präparierte Oberfläche des Steins (durch Schleifen, Körnen) mit einer speziellen Fettkreide (aus Wachs, Talg und Ruß) gezeichnet (Kreidelithographie) und anschließend nach dem Ätzen und Einfärben mit Druckfarbe im Flachdruckverfahren auf einer Handpresse (Rakelpresse) manuell gedruckt. Das Zeichnungsbild zeigte sich dann seitenrichtig.
Dieses Druckverfahren wurde erfunden von Alois Senefelder (1771-1834). Erst danach konnte bei Bedarf von Hand koloriert werden. Bei dem in der Städtischen Galerie Villa Zanders gezeigten Blatt ist also die drucktechnische Leistung der einfarbigen Kreidelithografie durch einen Steindrucker ganz wesentlich höher zu bewerten als das nachträgliche farbige „Bepinseln" mit Aquarellfarbe durch einen Maler. Wie ich gesehen habe, ist das Kolorieren nicht ganz so überzeugend gelungen. Das farbige Aquarellieren hat zwar den Charakter der nur einfarbigen Lithographie verändert, aber die typische feine Kornstruktur, die eine Kreidelithografie im Steindruck stets auszeichnet, ging leider etwas verloren. Erst 1837 entwickelte sich der nur einfarbige Steindruck durch G. Engelmann (1788-1839) mit seinem Patent Nr. 8848 vom 31. Juli 1837 und mit einem Nachtrag vom 27. März 1838 als Chromolithografie zu einem mehrfarbigen Steindruck. Dabei musste für jede einzeln zu druckende Farbe ein speziell vorbereiteter Stein gezeichnet, präpariert, geätzt und gedruckt werden.
Zanders stellte übrigens früher ein spezielles und hochwertiges einseitig gestrichenes Papier mitder Bezeichnung „Chromopapier" und „Chromokarton" her, das für das mehrfarbige Bedrucken im Steindruck eingesetzt wurde. Aber auch für die vielen anderen manuellen und industriellen druckgraphischen Techniken wie unter anderem Lichtdruck, Tiefdruck, Buchdruck (Holzschnitt), Filmdruck und so weiter wurden die dafür erforderlichen Papiere mit den unterschiedlichen Eigenschaften zur Annahme der Druckfarbe hergestellt. Wie wäre es deshalb mit einer Ausstellung über die vielen druckgraphischen Techniken in der Villa Zanders?
WOLFGANG WALENSKI, BERGISCH GLADBACH

Diese kolorierte Lithografie von Schloss Bensberg ist in der Villa Zanders zu sehen.    REPRO NEUMANN

Quelle: 
KStA-20091027-s36 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011