BERGISCHE SCHÄTZCHEN: VILLA ZANDERS

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Genaues Abbild der Architektur
BERGISCHE SCHÄTZCHEN: VILLA ZANDERS
Eine kolorierte Lithografie zeigt das Bensberger Schloss um 1840

VON MICHAELA PAUS
Bergisch Gladbach. Die Perspektive ist ungewöhnlich. Nicht von der Straße aus, sondern aus einem leicht erhöhten Blickwinkel zeigt die Lithografie das Bensberger Schloss. Vor einer grünen, hügeligen Landschaft erhebt sich das weiße Gebäude mit seinen steinfarbig abgesetzten Architekturteilen. Dahinter ragt die alte Bensberger Burg hervor. Nur wenige weitere Häuser sind zu sehen, auch die Zahl der winzigen Figuren auf Schlossvorplatz und Straße sind begrenzt. Ein Pferdekarren fährt überraschenderweise neben dem Hohlweg. „Das ist künstlerische Freiheit", bemerkt Wolfgang Vomm, Leiter der städtischen Museen. Eigentlich ist Eduard Gaertner (1801-77), der Künstler, dessen Zeichnung der Lithografie als Vorlage diente, für seine Detailtreue und Exaktheit bekannt. So gelten beispielsweise seine Berlin-Panoramen als wertvolle historische Belege für die Ansicht der Stadt im 19. Jahrhundert. „Diese Bensberger Lithografie verrät uns auch viel darüber, wie das Schloss Mitte des 19. Jahrhunders aussah", sagt Vomm.
Zwar steht unter der Darstellung, die der Verein „Galerie + Schloss" für die Villa Zanders erwarb, der Titel „Cadettenhaus in Bensberg" und „Nach der Natur gem. von Gaertner, Lith. von Tempeltei", sogar das „Königliche lithographische Institut zu Berlin", in dem der Druck erfolgte, wird genannt. Aber eine Jahreszahl ist auf dem Blatt nicht zu erkennen. Vomm datiert es auf etwa 1840/42: „Wahrscheinlich wurde dieses Blatt nach dem Umbau des Schlosses zur Kadettenanstalt herausgegeben, als eine Art Gedenkblatt." Im Oktober 1840 zogen die ersten Kadetten im Schloss ein, wo sie neben dem Schulunterricht auch eine vormilitärische Ausbildung erhielten; die Bauarbeiten dauerten bis Sommer 1842. Dass gerade ein Berliner Maler und Zeichner den Auftrag für die Abbildung der Bensberger Lehranstalt bekam, ist nicht verwunderlich. Vomm: „Der Umbau wurde durch die Preußen vorgenommen und von Berlin aus zentral gesteuert."
Der Museumsleiter hat die Lithografie im Kunsthandel entdeckt. Zum Bestand der Villa Zanders gehörte bereits eine Litho mit Gaertners Schloss-Darstellung – aber in Schwarz-Weiß. „Diese aquarellierte Version ist hingegen sehr selten", so Vomm.
Lithografie ist ein Steindruckverfahren, das um 1800 entwickelt wurde und zunächst auf schwarz-weiße Darstellungen begrenzt war. „Später wurde das Verfahren zur Farblithografie weiterentwickelt. Dabei werden die Farben gleich mitgedruckt."
Bei dem Bensberger Blatt wurden die Farben hingegen nachträglich aufgebracht. „Durch das Aquarellieren kann man den Charakter eines Werkes verändern", so Vomm. Für das Kolorieren seien Spezialisten, oft auch junge Künstler zuständig gewesen. „Das hat Gaertner nicht selbst gemacht." Wolfgang Vomm plant derzeit ein Buch mit historischen Darstellungen aus Bergisch Gladbach und Bensberg – im Nachklang der Ausstellung „Ansichten der Stadt", die vor rund zwei Jahren in der Villa zu sehen war.

Zu der Lithographie, die das Bensberger Schloss zeigt, lieferte der Berliner Maler und Zeichner Eduard Gaertner die Vorlage. REPRO: NEUMANN

Quelle: 
KStA-20091021-s36 (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe für den BGV erteilt durch Kölner Stadt-Anzeiger mit email vom 12.9.2011