Im Innenhof wurde eine Kirche gebaut


Am Kardinal-Schulte Haus in Bensberg

Im Innenhof wurde eine Kirche gebaut
Denkmalschutzbehörde war nicht gefragt

Von unserem Redakteur Hans Kloep
Bergisch Gladbach — In aller Stille hat das Kölner Generalvikariat im Innenhof des KardinalSchulte-Hauses in Bensberg mit einem Kirchbau begonnen, der auf achteckigem Grundriß nahezu 200 Gläubige fassen kann. Das Oktogon ist bereits im Rohbau fertig. Es hat allerdings einen Schönheitsfehler: Es wurde an den Denkmalschutzbehörden vorbei errichtet, was noch ein Nachspiel haben dürfte.
Stark beschädigt
Der Innenhof war charakteristisch für ein altes, kirchlichen Zwecken dienendes Gebäude, das einst als Priesterseminar benutzt wurde und nach dem letzten Kriege die Thomas-Morus Akademie und ein Altenheim beherbergte. Am 21. Febuar 1980 wurde das Gebäude durch einen Großbrand stark beschädigt. Die Wiederaufbauarbeiten sind noch nicht abgeschlossen.
Mit der klösterlichen Ruhe, die der Innenhof austrahlte und die zum Meditieren anregte, ist es endgültig vorbei. Die neue Kirche hat einen beherrschenden Platz im Innenhof eingenommen und dürfte noch viel Stoff für Diskussionen über die gewählte architektonische Lösung liefern.
Das Kardinal-Schulte-Haus steht als Gesamtobjekt seit mehreren Jahren unter Denkmalschutz. Bauliche Veränderungen müssen laut Denkmalshutzgesetz von der unteren Denkmalschutzbehörde genehmigt werden, die den Landeskonservator bei Prüfung des Bauvorhabens einbeziehen muß.
Wie der Pressesprecher der Stadt Bergisch Gladbach, Peter Schlösser, auf Anfrage des „Kölner Stadt-Anzeiger” mitteilte, hat das Generalvikariat am 23. Dezember 1985 die Baugenehmigung beantragt. Im September 1986 sei sie vom Bauordnungsamt im Einvernehmen mit der Kreisbaubehörde erteilt worden, „allerdings nicht in Absprache mit der unteren Denkmalbehörde beim Kulturamt, die bis heute noch keine Kenntnis von dem Kirchenbau hatte", versicherte Schlösser. Auch der Landeskonservator sei nicht von dem Bauvorhaben unterrichtet worden.
Bereits am 29. August 1984 berichtete der „Kölner Stadt-Anzeiger" von der Absicht des Ge¬neralvikariats, im Innenhof des Kardinal-Schulte-Hauses eine Kirche zu errichten. Daraufhin wurde im Rat der Stadt von Ratsherren angefragt, ob dies mit dem Denkmalschutz vereinbar sei. Die Stadtverwaltung antwortete damals, ihr sei noch kein entsprechendes Baugesuch vorgelegt worden. Damit habe sich die Anfrage von selbst erledigt.
„Viele personelle Veränderungen"
Die untere Denkmalschutbehörde nahm die Anfragen zum Anlaß, das Bauordnungsamt darauf hinzuweisen, daß sie bei der Bauvoranfrage für einen Kirchenbau an dem Genehmigungsverfahren zu beteiligen sei, da das Kardinal-Schulte-Haus im Gesamtkomplex unter Denkmalschutz stehe.
Trotzdem wurde die untere Denkmalschutzbehörde bei Eingang des Bauantrages nicht gefragt. Schlösser: Es sei nicht möglich gewesen, den Grund hierfür gestern festzustellen, da es in letzter Zeit viele personelle Veränderungen  im Bauordnungsamt gegeben habe. Er wollte sich auch noch nicht dazu äußern, ob das Baugesuch absichtlich oder aus Versehen an der Denkmalbehörde vorbei genehmigt wurde. „Das können wir erst in der zweiten Runde genau klären", meinte Schlösser.aber — wie zu hören war — aus Kostengründen abgekommen. Es hat sich eine preiswertere Lösung entwerfen lassen.
Die bisherige Kapelle wird nicht mehr ihrem alten Zweck dienen. Beim Brand stürzte die Decke ein. Die Räumlichkeiten sollen künftig als Hörsaal benutzt werden.
Das Kardinal-Schulte-Haus soll nach seiner voraussichtlichen Neueröffnung im März 1988 als kirchliches Tagungs-, Bildungs- und Exerzitienhaus genutzt werden. Der Kardinal hat bereits vor einiger Zeit deutlich gemacht, daß das Haus auch für Familien mit Kindern genutzt werden soll, die gemeinsam an Tagungen teilnehmen wollen. Rund 180 Personen können in Einzelzimmern untergebracht werden. Bei Bedarf stünden insgesamt rund 300 Betten für Übernachtungen zur Verfügung, ;weil eine Reihe von Zimmern in Mehrbettzimmer umgewerden können

Quelle: 
KStA-19870429 (Kopie) (Kölner Stadt-Anzeiger)
Freigabe: 
Freigabe erteilt für BGV durch KStA mit email vom Nov. 2009