Verlagsbeilage: Herkenrath im Spiegel der Geschichte







Herkenrath im Spiegel der Geschichte

Namen, Daten und Ereignisse aus der Geschichte eines bergischen Dorfes - Von Dr. Peter Josepf Hasenberg

Beiträge der Bergischen Landeszeitung zur 950-Jahr-Feier der Pfarrkirche St. Antonius Herkenrath

 

Ein Dorf im Bergischen Land

Ein schlichtes Dorf auf den zum Rhein hin abfallenden Höhen des Bergischen Landes, hat das auch schon eine Geschichte? Und lohnt es sich, darüber zu schreiben? Gemach, mein Freund! Herkenrath hat nicht nur eine Geschichte, mit der zu beschäftigen sich lohnt. Die Vergangenheit dieses Dorfes ist sogar in besonderem Maße geeignet, unser geschichtliches Interesse zu wecken und das geschichtliche Bewußtsein in uns zu beleben und zu vertiefen! Dafür einige Beispiele:
Zwar liegen, wie im ganzen Bergischen Lande, auch hier in Herkenrath die Anfänge der Besiedlung im Dunkel altersgrauer Vergangenheit ...
Zwar findet sich heute keine Spur mehr von jenem Ordenshaus und vom Hospitalbau der Johanniter-Herren, .von dem in den ältesten Urkunden des Herkenrather Pfarrarchivs im 13. Jahrhundert die Rede ist.
Aber im genannten Archiv gibt es noch so viele Urkundenoriginale, Zinsregister, Lagerbücher, Flur- und Katasterkarten, daß es eine Freude ist, sich in die alten Pergamente und Folianten zu vertiefen und dabei die Jahrhunderte der Geschichte im Spiegel der Schicksale und Wandlungen eines bergischen Dorfes vor sich vorüberziehen zu lassen.
Von der gesicherten Grundlage solcher Urkunden aus — bei Herkenrath haben wir es nicht nur mit Urkunden aus Pergament und Papier zu tun; hier reden die Steine, nämlich die Fundamente und der Mauerbestand der ältesten Kirche zu Herkenrath, der Vorgängerin der romanischen Pfarrkirche St. Antonius, die die Archäologen und Kunsthistoriker des Rheinischen Landesmuseums in den letzten Jahren systematisch untersucht und freigelegt haben — von solcher gesicherter Grundlage aus also lassen sich Interesse und geschichtliches Verständnis für Werden und Wandel unserer bergischen Heimat besonders leicht und besonders nachdrücklich wecken.
Das Wirtschaftsleben im Dorf und in den Streusiedlungen und Höfen der Umgebung spiegelt sich schon früh in den Zinsregistern und Abgabeverzeichnissen, in den Schenkungen und Stiftungen.
Die Visitationsberichte des 17. Jahrhunderts und die „Send"-Protokolle der unter dem Vorsitz des Komturs von Herrenstrunden abgehaltenen geistlichen Gerichte gewähren uns tiefe Einblicke in das Volksleben früherer Jahrhunderte.
Ja, selbst alte Kirchenbank-Verzeichnisse und Armenregister — infrüheren Jahrhunderten lag die Betreuung der Armen und Kranken ja fast ganz in den Händen der Kirche — lassen uns interessante Einblicke tun in das Denken und Fühlen unserer Altvorderen.
Darf der Chronist nun bitten zu einem Rundgang durch die Jahrhunderte, beginnend bei den Merowingern .und. Franken, endend just in den Tagen, da Herkenrath sich zu einer Kirchweihe — der wievielten in seiner wechselvollen Geschichte? -- anschickt:
Die verschiedensten Gestalten begegnen uns auf diesem Weg durch die Vergangenheit, die urwüchsigen gewalttätig-grausamen Fürsten und Herren aus dem Geschlecht der Merowinger, verschlagen und ;blutbefleckt wie die Raubkatzen des germanischen Urwaldes, aus dem sie kamen, die kernigen Edelherren und Hofgutbesitzer aus dem Bergischen Lande, gleich treu und ergeben als Söhne der Kirche und als zuverlässige Diener des Königs, die ragenden Gestalten der Johanniter-Ritter und -Priester, einst streitbare Beschützer der Pilger im Heiligen Lande und Pfleger der Armen und Kranken dortselbst, nach der Rückkehr in die deutsche Heimat im Dienste des Glaubens und der Nächsten sich verzehrend. Nach der Vertreibung aus Palästina hatten sie in Deutschland zuerst im goldenen Prag und im unwirschen Lande Brandenburg Fuß gefaßt, kamen dann aber schon bald an den Rhein und ins Bergische Land, wo sie 1187 in Burg eine Kommende gründeten und wo ihnen Adolf III. von Berg 1217 die Kapelle in Burg an der Wupper schenkte. An zahlreichen weiteren Orten, errichteten sie in der Folge ihre Kommenden und Komtureien, gründeten Kirchen, Ordenshäuser und Hospitäler, betrieben Gutswirtschaft und suchten in Gebet und Seelsorge, Krankenpflege und Bewirtschaftung der Felder und Höfe ihrem Ordensideal zu dienen.
Wir begegnen weiterhin den Plebani, den „Leutepriestern" und Bauernpfarrern, die, vom Komtur ernannt, sich zunächst um das Vertrauen und die seelische Aufnahmebereitschaft schwerblütiger bcrgischer Bauerngeschlechter mühen mußten, es begegnet uns im Lauf der Jahrhunderte eine im Truchsessen-, im Dreißigjährigen und im Siebenjährigen Krieg geplagte und geschundene Bevölkerung auf der einen und eine übermütige, die bergischen Dörfer ausraubende und plündernde Soldateska aus vieler Herren Ländern auf der anderen Seite.
Es kommen dann im 19. Jahrhundert die Bergleute der Erzgruben und die Tagelöhner der ersten kleinen Industrieunternehmen der bergischen Dörfer ...
es begegnet uns im 20. Jahrhundert ein Ortspfarrer, zeitlebens gekennzeichnet durch einen gelähmten Arm, die Folge eines Attentates auf den Dorfgeistlichen, ähnlich wie im 17. Jahrhundert, um die Mitte des Dreißigjährigen Krieges. der Pfarrer von Herkenrath von niederländisch-brandenburgischen Soldaten mißhandelt und in die Gefangenschaft abgeführt worden war ... und ganz zum Schluß sehen wir dann die Ausgräber am Werk, die Archäologen des Landschaftsverbandes Rheinland, Zoll um Zoll den Spuren und Überresten des ältesten Kirchbaues nachgehend, der, dieses Ergebnis der Ausgrabungen sei schon vorweggenommen, um das Jahr 1000 errichtet worden ist.
Alle sind sie für uns interessant, die Namen und Gestalten in Mittelalter und Neuzeit, ob es sich um Erzbischof Engelbert II. von Köln handelt, der uns in den ältesten Urkunden für Herkenrath begegnet. oder um den Edelherrn von Dorndorf, der den Johannitern Herkenraths Kirche zum Geschenk machte; ob wir es im 17. Jahrhundert mit dem Dänen Bartolomäi, einem Pfarrer des Ortes, zu tun haben, oder im 19. Jahrhundert mit dem 93 Jahre alt gewordenen Pfarrherrn Peter Wilhelm Abstoß, Inhaber des Raten Adler-Ordens.

Ein Bild aus längster Vergangenheit: Die Besucher des Hochamtes am 1. Adventssonntag 1964 verlassen das Herkenrather Gotteshaus.    Foto: Günther

Die Pfarrkirche von Herkenrath.    ®-Foto

 

Daten und Ereignisse

507 soll im Buchenwald bei Asselborn der merowingische Gaukönig Sigbert auf Anstiften König Chlodwigs von seinem Sohn Chloderich ermordet worden sein. (Der Mord ist Tatsache, der Tatort ist umstritten.)
8. bis 10. Jahrh.: Allmähliche Bildung der Gaue: Hcrkenrath lag im Deutzgau, in dem später der Propst von St. Kunibert in Köln die Rechte eines Archidiakons ausübte.
Um 1000 entstand in Herkenrath — zunächst als Eigenkirche der gutsherrlichen Familie von Dorendorp — eine erste vorromanische Kirche. die später zur Pfarrkirche der sich bildenden Gemeinde wurde.
1109 soll die älteste bekannte Herkenrather    Glocke gegossen
' worden sein, die 1928 eingeschmolzene St.-Anna-Glocke. (Die These von diesem unwahrscheinlich hohen Alter vertritt Dr. H. J. Schmitz gegen E. Renard und P. Clemen.)
1144 wird ein HERKENRODE in einer Urkunde Erzbischof Arnolds I. von Köln für die Abtei Siegburg genannt. Sehr wahrscheinlich handelt es sich dabei nicht um unseren Ort.
Um 1150 erwarben die Herren 1 von Berg (als erster uns bekannter Graf von Berg starb Adolf III. im Jahre 1152) im Deutzgau und damit in unserer Heimat die Grafengewalt.
1224: Älteste urkundlich nachweisbare Erwähnung unseres Ortes als ERCHENRODE (Original im Pfarrarchiv Herkenrath): Ritter Dietrich von Dorendorp überträgt das Patronatsrecht über die Pfarrkirche, das bisher bei ihm und dem adeligen Fronhof lag, an den um 1050 durch Kaufleute aus Amalfi im HI. Land gegründeten Johanniterorden, bzw. an dessen Kommende zu Burg an der Wupper. Auch der erste uns bekannte Priester und Pfarrer von Herkenrath wird in dieser Urkunde genannt: Dietrich.
1274: Im .,liber valoris" wird Herkenrath als Pfarrort genannt.
1277 werden eine Niederlassung und ein Hospital des Johanniterordens in Herkenrath erwähnt, denen durch urkundlichen Akt Schenkungen zugewiesen werden.
1294 ist die Herkenrather Johanniter-Niederlassung bereits nach Herrenstrunden verlegt worden, das fortan als Sitz des Priors der niederrheinischen, später niederdeutschen Ballei des Johanniterordens jahrhundertelang eine bedeutende Rolle spielt.
1354 nimmt der Rentmeister. beziehungsweise Kellner der Komturei Herrenstrunden, Heinrich von Selbach, den Büchelter Hof zu Herkenrath in Pacht. Der Hof wurde später zum jahrhundertelang umkämpften Streitobjekt zwischen der Komturei Herrenstrunden und der Pfarrgemeinde Herkenrath.
1380 wurde die Grafschaft Berg vom Kaiser zum Herzogtum erhoben,
14. Jahrh.: Die kunstgeschichtlich bedeutsame Statue der hl. Katharina gehört dieser Zeit an.
1471 wurde die älteste erhaltene Herkenrather Glocke. die Johannisglocke — wahrscheinlich zu Overath — gegossen.
1482 urkundliche Erwähnung unseres Dorfes als ERCKROIDE.
15. Jahrh.: Ein altes Rentenverzeichnis 'der Kirche zu Herkenrath geht bis in diese Zeit zurück.
14. und 15. Jahrh.: Herkenraths Bedeutung in dieser Zeit geht aus seiner Eigenschaft als Botenamt hervor. Selbst die Bensberger mußten zeitweilig ihre Steuern, den ..Schatz", nach Herkenrath abführen.
1535 bestätigt ein Schiedsspruch im Streit des Johanniterordens und der Pfarrgemeinde Herkenrath letztere im Besitz des Büchelter Hofes als des Versorgungshofes der dortigen Pfarrer.
1550: Die Visitationsprotokolle bestätigen, ebenso wie der „Send" dieses Jahres, den der Komtur von Herrenstrunden als Sendherr und „rector ecclesiae" durchführte, daß Glauben und Sitten in Herkenrath in Ordnung befunden wurden.
1584: Ein Kirchenbuch aus dieser Zeit mit Kalendarium, Aufzeichnung des Nachbarschaftsrechts, der Kircheneinkünfte, der Stiftungen, Zehnten, Renten, Büsche und Armenregister, weist die Güter und Liegenschaften der Kirche nach.
Um diese Zeit auch erstmals Eingang reformatorischer Bestrebungen in Herkenrath; einzelne Pfarrer neigten der neuen Lehre zu, bzw. traten zum neuen Glauben über.
1622 wird in der Kirche zu Herkenrath der in den ersten Tagen des Jahres zu Burg an der Wupper verstorbene Komtur Arnold von Lülsdorf begraben. Er hatte auf Malta im Einsatz für den Orden gestanden und war in späteren Jahren Komtur von Herrenstrunden und Burg geworden.
1624: Im „Normaljahr" des Dreißigjährigen Krieges ist „Herchenradt Anno 1624 Romish Catholisch und kein ander exercitium religionis gewesen".
1630: Eine Kirchenbank-Ordnung aus diesem Jahr stellt volksund familienkundlich eine hochinteressante Geschichtsquelle dar.
1635 vermachte die Familie von Schinkeren der Pfarrgemeinde 600 Taler unter der Auflage, daß die Bevölkerung Herkenraths beim ererbten katholischen Glauben bleibe.
1637 ist der aus Dänemark stammende Paul Bartholomäi Pfarrer in Herkenrath, später noch einmal von 1656-1668. Zwischendurch war er vom Landesherrn in Düsseldorf in Sand und in Mülheim als Pfarrer präsentiert worden.
Um die Mitte des Dreißigjährigen Krieges (1618-1648) wurde das Dorf Herkenrath stark von Kriegswirren erschüttert. Gleich dem übrigen Bergischen Land wurde es wiederholt von raubenden und plündernden feindlichen Soldaten heimgesucht.
Einmal — 1630 — war der Pfarrer von Herkenrath (nach einem Bericht des pästlichen Nuntius Carafa in Köln nach Rom) sogar von holländisch-brandenburgischen Soldaten in Gefangenschaft abgeführt worden.
1664: Eine Schenkungsurkunde des Freiherrn von Steinen erwähnt dessen Halfen zu Herkenrath.
Ein Lagerbuch aus gleicher Zeit gibt uns wertvolle Auskünfte über die damaligen Besitzverhältnisse im Dorf.
1674 zog erstmals 'am Annatag eine Prozession von Bensberg nach Herkenrath. von Spielleuten begleitet. und vom Kellner und Oberjäger Rheinfelden in Bensberg gestiftet.

1676: Fabricius nennt für Herkenrath 350 Kommunikanten, Um diese Zeit Zusammenrottung der Einwohner im Streit zwischen Pfarre und Komturei um den Büchelter Hof.
1690: Wieder scheitert eine Vermessung des Büchelter Hofes durch Beauftragte der Komturei am Widerstand der Herkenrather.
1730 wird der Büchelter Hof, den Graf und Erzbischof Engelbert von Berg einst den Johannitern geschenkt hatte, durch Gerichtsurteil der Komturei Herrenstrunden zugesprochen. Erst nach Aufhebung der Komturei durch den Staat wurde er im 19. Jahrhundert der Pfarrei überlassen.
1765 müssen Dach und Turinhelm der Pfarrkirche erneuert werden.
1773 wies die Gemeinde Herkenrath 47 Wohnhäuser und etwa 200 Einwohner auf.
1797 zählte Herkenrath (nach Bendel) 313 Einwohner und 60 Feuerstellen, 673 Morgen Ackerland, 669 Morgen Wald, 721/2 Morgen Wiesen, 5 Pferde und 70 Ochsen und Kühe.
1803, 25. II.: Durch den Reichs- deputationshauptschluß wird Herrenstrunden als Ordenskomturei aufgehoben. Die Pfarre Herkenrath verlor dadurch ihren starken Rückhalt.
1806: Nach dem Übergang von Berg an Frankreich kam Herkenrath an Mairie und Kanton Bensberg im Arrondissement Mülheim des Rhein-Departements.
1816 wurde Dürscheid, bis dahin kirchlich Herkenrath unterstellt, selbständig.
1824, 17. IV.: Die Johanniter-Kapelle zu Herrenstrunden wird mit der Auflage der baulichen Unterhaltung der Pfarrei Herkenrath durch Friedrich Wilhelm IV. für den Gottesdienst überlassen.
Von 1827 ist eine Katasterkarte mit den alten Flurbezeichnungen erhalten.    -
1833: Ein Lagerbuch aus diesem Jahr liegt im Pfarrarchiv.
1846 zählte Herkenrath 130 Wohnhäuser und um 900 Einwohner. Ein Lehrer unterrichtete 170 Schulkinder.
Um 1850 entstanden in und um Herkenrath vier Erzgruben, in denen zur Hauptsache nach Blei und
Zinkblende geschürft wurde. Die vom Dorf nach Süden sich ziehende Erzzone ist etwa 5 km lang und bis zu 3 km breit.
1870 übereignet Pfarrer Abstoß, Inhaber des Roten Adlerordens (gestorben 1874), den Fronhof zu Herkenrath an den Gemeindevorsteher Heinrich Molitor in Asselborn.
1871 bis 1887: Im Kulturkampf konnte Herkenraths Pfarrstelle nach dem 1874 erfolgten Tode des 93 Jahre alt gewordenen Pfarrers Abstoß nicht wieder besetzt wer- den, Kaplan Zeveld mußte 15 Jahre hindurch die Pfarre allein verwalten.
1879 schlug der Blitz in die Pfarrkirche und beschädigte Turm und Glockenstuhl. Das wurde zum Anlaß, an Erweiterung oder Neubau zu denken.
1882 erhielt Bärbroich (früher Wehrbroich) eine eigene Schule.
1886 gab die kirchliche Behörde die Genehmigung zur Erweiterung der alten Kirche. Doch wurde es — wohl aus finanziellen Gründen — 1892, bis man mit der Erweiterung begann.
1888: Auszüge aus einem alten verschollenen Lagerbuch sind durch Pfarrer Neuefeind, der 1887 nach Herkenrath kam, überliefert: wichtig vor allem ein Verzeichnis der Pfarrherren von Herkenrath, eine Aufstellung des Kirchenbesitzes.
1889: In einem Folioband mit Katasterkarten und Lageplänen sind die Unterlagen zu den Grenzstreitigkeiten zwischen Immekeppel und Herkenrath aus dieser Zeit gesammelt.
1892: Die alte Pfarrkirche wird durch einen Anbau vergrößert. Im Zuge der Erweiterung wird auch ,,et ahl Offermannshus" abgerissen.
1893 werden bei einem Einbruch in die Pfarrkirche auch künstlerisch wertvolle Kelche, Monstranzen und Reliquiare, gestohlen.
1897: Die Um- und Erweiterungsbauten der Kirche, sind beendet,
1901 erscheint eine Bestandsaufnahme der Kunstdenkmäler Herkenraths in Clemen und Renard: die Kunstdenkmäler des Kreises Mülheim am Rhein.
1910 zählte Herkenrath 2050 Einwohner.
1912 wurde das bis dahin Herkenrath kirchlich unterstellte Herrenstrunden, das im Jahr zuvor Rektorat geworden war und seit 1803 (Aufhebung des Johanniterordens) von H. seelsorglich betreut worden war, selbständig, 1918, eigene Pfarre.
1914 bis 1918 blieben 52 Herkenrather im Ersten Weltkrieg.
1927 wurde als Filialkirche von Herkenrath St. Maria Immaculata zur Bärbroich konsekriert.
1928 wurde die uralte Annen-Glocke der Herkenrather Pfarrkirche eingeschmolzen (wissenschaftlicher Streit um ihr Alter zwischen Professor Renard und Dr. H. Schmitz in Herkenrath). Die Pfarrkirche erhielt damals drei neue Glocken.
1929: Ende der Auseinandersetzungen' um die Gemeinde- und Pfarrgrenzen zwischen Herkenrath, Immekeppel, Kürten und Sand.
1931: Attentat auf den seit 1909 in Herkenrath wirkenden Pfarrer Peter Mostert (gestorben 1937).
1933 bis 1945: Herkenrath im Dritten Reich und im Zweiten Weltkrieg,
1937: Pfarrer Hubert Kochs übernimmt die Pfarrstelle in Herkenrath.
1939 bis 1940 war in Herkenrath ein Reservelazarett eingerichtet.
1945, 13. IV.: Die Amerikaner besetzen Herkenrath.
1946 zählte Herkenrath, zusammen mit Bärbroich, 2416 Einwohner,
1947, 5. XI.: Durch die Stadterhebung Bensbergs wird Herkenrath nun ein Stadtteil von Bensberg.
1949: In der Kirche wird eine 12-Register-Orgel in Betrieb genommen.
1950 erschien aus der Feder von Dr. H. Jakob Schmitz die Schrift „Das Tausendjährige Herkenrath". Verlag Heider. Herkenrath zählte damals, zusammen mit Bärbroich, 2600 Einwohner.
1952: Der Kirchturm 'wird neu beschiefert, das Kirchendach repariert, und in den folgenden Jahren werden erste Pläne zu einem Neuoder Erweiterungsbau erörtert.
1960: Drei neue Glocken gesellen sich zu der alten Glocke von 1471.
1962, 3. VI.: Grundsteinlegung zum Erweiterungsbau der Pfarrkirche.
1964: Einweihung eines neuen Pfarrjugendheimes und Kindergartens.

Jo, d'r Duesch
En d'r Preddigt had d'r Pastur de Schnaps- on Bierdrenker op et Ko'en jenommen. Us d'r Kirche terekt en et Wietshus, on dann wör dat, wat se hie jehu'et hädden, och ald verjessen. Ein Hong könn m'r besser jett aanknippen, där hürd i'eter drop, es we de Wietschaftslööfer.
De Ke'els, de et aanjing, helen d'n Kopp eraff on sochen vür sech däll. We de Kirche us wor, däten sie sech hehm, se wolen nu doch nit vam Pastur jesehn weren, wann se op et Bierfaß aan jingen.
Blus d'r Hommesch Rudolf kierd sech nit draan. Spornstreechs lef hä beim Kleens Albett erenn on bestaald en Tolpe Bier. „Hür ens sääd hä für d'n Wiet, ,,hä hät jo ärch jekallt vam Drenken, ävver vam Du'escht hätte nühß jesäät. Dummer noch en Tolpe!" on hä wöschd sech d'n Bierschum us d'm Schnäuzer, öm für neuem Platz ze maachen.

 

„Meester,loß mer schnell mache"
Heimatkundliches und Volkskundliches aus Herkenrath

Die Herkenrather Art in Sprechweise, Brauchtum, Sitte, Lied und Sage entspricht im allgemeinen dem Volkstum des übrigen Bergischen Landes. Es hat sich hier in althergebrachten Formen unverfälscht erhalten, doch trägt dieses bergische Volkstum in Herkenrath ebenso seine besondere Note wie in vielen anderen größeren Ortschaften des Rheinisch-Bergischen Kreises.
Die Sonderheit der einzelnen Gemeinden ist für die Nachbarorte oft ein Gegenstand gegenseitigen Spotts und gibt Anlaß zu ironischen Redensarten und Sprüchlein. Schon die. Mundart, die hier gesprochen wird, weist leichte Unterschiede auf, etwa zu Bensberg, Bergisch Gladbach, Overath, Kürten und anderen Orten der Umgebung. Man spricht in Herkenrath auffallend breit und behäbig mit rollendem Zungen-r, während die Gladbacher, schon großstädtisch angehaucht, sich etwas in ihrer Sprechweise zieren, die Bensberger, dagegen vornehm •tun und das Zäpfen-r bevorzugen, so daß die Herkenrather von „Bensberger Wind" reden und sagen, die Bensberger hätten ein Rädchen im Halse.
Von den Herkenrathern erzählt man sich in den Nachbarorten, die Glocken läuteten hier: „Naaß Land — plomp Volk". Das trifft einigermaßen zu und stimmt mit dem Urteil überein, das der allbeliebte Pastor Neuefeind vor mehr als 70 Jahren in lateinischer Sprache ins kirchliche Lagerbuch eingetragen hat, und das auf deutsch etwa lautet: Als er von Hohkeppel hier-hergekommen sei, um die Pfarrer-stelle anzutreten, habe er von Herkenrath nur zweierlei gewußt: erstens, daß die Kirche einen besonders hohen Turm habe und zweitens, daß die Herkenrather sehr widerborstig und steifnackig seien (rudiores et. protervi). Er habe gefunden, daß dies auch zutreffe und habe sich bemüht, das Wesen der Herkenrather zu ändern, doch mit wenig Erfolg.
Die Charakteristik des Pfarrers Neuefeind stimmt. Man kann den Herkenrathern eine gewisse Derbheit, Gradheit und Steifnackigkeit nicht absprechen, doch, so fragen wir uns — ist das ein Vorwurf? Man sollte meinen — nein! Die Herkenrather können nicht scharwenzeln und katzbuckeln, wollen auch nicht aalglatte Redensarten drechseln, wie so mancher geleckte Stadtjüngling. Sie sind derb und geradezu, aber offen und ehrlich. Sie haben das Herz auf dem rechten Fleck, mag auch ihr Wesen manchen durch äußere Rauheit befremden. Doch darf diese Rauheit nicht zu weit führen.
Auch das Wort „naaß Land" trifft zu. Der Boden ist schwer zu bearbeiten, und es fällt reichlich viel Regen, meist zu viel, aber wenn der Himmel einigermaßen günstig ist, dann trägt der schwere Boden auch reichliche Frucht. Trockene Jahre sind hier die besten Jahre.
Humorvollerweise nennt man Herkenrath, „Decke-Bunne-Herkerod" und die Herkenrather Kirmes „Decke-Bonne-Kirmes", weil sie gerade in die Dicke-BohnenZeit fällt, und es ist nicht zu leugnen, daß Dicke Bohnen mit Speck eine Lieblingsmahlzeit der Herkenrather sind. aber anderswo ißt man sie ebenso gern. Man erzählt folgende niedliche Anekdote: Eines Tages trifft auf einem Herkenrather Bauernhof der Flickschuster mit seinem Lehrbuben zu mehrtägiger Beschäftigung ein, wie das früher üblich war. Mittags gibt's Dicke Bohnen, am anderen Tage gleichfalls. Am dritten Tage kocht die etwas liederliche Hausfrau die Bohnen sogar mit den Schoten. Da sagt nach Tisch der Lehrbube heimlich zum Meister: „Meester, loß mer schnell mache, dat mer feädig weäden, mo-en krie mer se geweß met de Sträng."
Entnommen aus „Rheinisch-Bergischer Kalender 1963".

Unsere Fotos zeigen von links nach rechts und oben nach unten: Vorweihnachtliches Basteln der Kleinen im Herkenrather Pfarr-Kindergarten / Eine alte Urkunde aus dem Kirchenarchiv 1 Steinplastiken auf dem alten Taufstein in der Kirche / Erweiterungsbau zur alten Kirche / Das Kreuzhäuschen, das zur 950-Jahr-Feier renoviert wurde / Dietrich-von-Dorendorp-Siedlung an der Kirche / Die GronewaldSiedlung, die vom Kulturamt in Köln erbaut wurde / Am alten Turm der Schutzpatron, der heilige Antonius 1 Mit viel Liebe und Sachverstand renoviert: Das alte Pfarrhaus / Pfarrer Kochs beim Studium der alten Urkunden.

 

Ausschnit aus der Amtskette des Bürgermeisters der Stadt Bensberg.
Motiv der Medaille: Ein Johanniter aus Herkenrath

 

Das Festprogramm

Quelle: 
BLZ-19641205-nr283-S01 (Bergische Landeszeitung)