Kippekausen






BERGISCHER GESCHICHTSVEREIN E.V.

ABTEILUNG: RHEINISCH-BERGISCHER KREIS

Heimatkundliche Schriftenreihe als Beilage zu den Abteilungsrundschreiben Nr. 9 - Januar 1961

Kippekausen

von Dr. Hans Brück

( Angeregt durch die Ausführungen unseres Mitgliedes Peter Bürling über die Ruine Kippekausen in Bensberg / Refrath ( Beilage Nr. 6 ) versuchte ich entsprechendes Quellenmaterial ausfindig zu machen. Dabei stiess ich auf die hier abgedruckten Darstellungen in der heimatkundlichen Beilage der ehemaligen Heiderschen Zeitung, Bergisch Gladbach, " Ruhmreiche Berge " vom 28. Februar 1930, im 7. Jahrgang Nr. 9. Sie schienen mir - schon um der Quellenangaben willen - bedeutsam genug, hier weitergegeben zu werden. Leider war eine Zusammenfassung mit den Ausführungen Bürlings nicht mehr möglich, da die Vervielfältigungen der Beilage Nr. 8 schon abgeschlossen waren.
Herbert W. Kranzhoff )

Unweit der neuen Kirche von Refrath liegt eingebettet in Wald und Wasser der verträumte Burghügel der Ruine Kippekausen. So reich ihn die Sage umwittert, so spärlich fliessen die geschichtlichen Quellen über Entstehung und Besitzer der Wasserfeste. Anlage und Mauerreste lassen erkennen, dass es sich um eine Befestigung des späten Mittelalters handelt, wie wir sie in Gestalt vom Heidenhaus Sülze 1) bei Rösrath, Burg Hellenthal 2), Haus Overbach und vielen anderen im bergischen Lande finden 3). Einmal wurden sie als herrschaftlicher Wohnsitz benutzt und dienten dann auch in bewegter Kriegszeit als starke Wehr für das zugehörige Gehöft. Das Letztere hat vielfach die Befestigungsanlage überdauert. So kündet auch der bei der Ruine Kippekausen gelegene Hof gleichen Namens von der Vergänglichkeit der Trutzfeste.

Soviel ich sehe, wird Kippekausen urkundlich zuerst erwähnt im Jahre 14044). Am 13. Dezember dieses Jahres quittiert Heinrich von Merheim, Kanonikus zu St. Gereon in Köln, über 135 M. , die er als Kaufpreis für 15 Hölzer aus den Waldungen zu Kippekausen, dem Hofe im bergischen Lande bei Bensberg, von den Rentmeistern der Stadt Köln erhalten hat. Die Urkunde beruht auf dem Kölner Stadtarchiv und hat folgenden Wortlaut:

Ich Heynrich van Merhem, kanoench zo sent Gereone zo Coelne, doen kunt allen luden ind bekenne oevermitz desen brief, dat ich den eirben luden den rentmeysteren der steede van coelne vunftzyen houltzer verkouft han, die sy hauwen ind hoylen soilen zo kippickhusen yp deme hoyue in dem berchschen lande geleygen by Baenspur, as yeder stuck vur nuyn marck, dat macht zosammen hondert ind vunfinddryssich marck coeltz pagementz, wilche somme geltz ich van den rentmeysteren vurschr. vpgeburt ind vntfangen hain, ind scheiden ind sagen sy ind mallich davan loss ind quyt, vort so hain ich yn zogesacht ind geloyft in guden truwen, dat sy dye vurschr. vunftzien stuck houltzer hauwen, hoylen ind van stat voeren soilen ind moigen, wilche zyt off wanne sy willent, sunder eyncherley hindernisse ind vngekroet van mir ind alle manne, dye dat as van mynen weigen antreffen moechte, vrkunde myns segels an desen brieff gehangen. Datum anno Dm. millesimo quadringentesimo quarto sabbato post conceptionis bte. virg. Marie.

Die Urkunde ist auf Pergament geschrieben und hat eine Grösse von 20 : 14. 1/2 cm. Ihr unterer Rand ist umgeschlagen. Daran hängt noch das Siegel des Heinrich von Merheim in dunkelgrünem Siegelwachs an einem schmalen Pergamentstreifen. Das runde Siegel zeigt einen rechtssehenden Adler mit ausgebreiteten Flügeln. Die Umschrift ist leider unleserlich.

Der Hof und die Burg Kippekausen gehörten also um 1400 dem Kanonikus Heinrich von Merheim, der schonals solcher 1390 in der Martrikel der Universität Köln 5) erwähnt wird und noch 1407 in einer anderen Kölner Urkunde vorkommt 5). Dass 1396 dort als letzter seines Geschlechtes Ulrich von Kippekausen mit seiner einzigen Tochter Elisabeth 6) gehaust haben soll, welch letztere sich mit dem " Kipphäuser " vermählte gehört also der Legende an. teil ein glücklicher Zufall uns das Siegel jenes Heinrich von Merheim erhalten hat, sind wir in der Lage, ziemlich sichere Schlüsse auf das Geschlecht, dem er entsprossen, zu ziehen.

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Fahne in seiner Geschichte der Kölnischen, Jülichschen und Bergischen Geschlechter 7) spricht die Vermutung aus, dass es der jüngeren Dynastie Merheim angehöre, die aus dem Geschlecht der Löwenburger hervorging. Doch halte ich dies für unwahrscheinlich, da diese wie die Löwenburger mit_ dem geschachten Schild siegelte. ich glaube vielmehr, dass wir es hier mit der Familie vom Aaren , lateinisch de Aquila, zu tun haben, die " apud lagge ", d. h. im Lacher Bruch bei Merheim, begütert war und deren Besitz im Jahre 1322 in der Person des Mathias de Aquila mit dem Mülheimer Stadtrecht bewidmet wurde 8). Dieser Mathias de Aquila ist offenbar derselbe, der 1354 als Geschworener des Rittersitzes Herl Mathias von Merheim heisst 9). Im Lacher Bruch bei Merheim liegt heute das Gut Schlagbaum 10). Das Wappen des Kanonikus Heinrich ist demnach in Anspielung auf den eigeatlichen Geschlechtsnamen ein "redendes".

Kippekausen dürfte also etwa 100 Jahre im Besitz der vom Aaren gewesen sein. Dann schweigen die Quellen. Nunmehr geben drei Grabsteine auf dem alten Friedhof in Refrath weiteren Aufschluss. Sie gehören dort zu den ältesten Denkmälern der Vergangenheit, sind aber im Vergleich zu den übrigen klein und unscheinbar. Die Inschriften lauten:

1. Anno 14 den 9. Juli starb Anna Kippekausen.

2. Anno 14 den 17. Juli starb Girhardt Kippekausen.

3. Anno 16.. im August starb Hans Dederich Kippekausen.

Da allen drei Kreuzen die schlichte barocke Form ( in den Armwinkeln angedeutetes Schneckenornament ) eigen ist, gehören sie ohne Zweifel der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts an, Kreuz 1 und 2 weisen also mit ihrer Jahreszahl nicht auf das 15. Jahrhundert hin, sondern sind zu ergänzen: anno 1614. Ganz deutlich bemerken wir auch bei Kreuz 3 hinter 16 zwei weitere undeutliche Ziffern, die vermutlich als 18 zu lesen sind. Um die Wende des 16. Jahrhunderts lebte, nach diesen Kreuzen zu schliessen, auf Kippekausen ein Geschlecht, das sich nach ihm benannte, möglicherweise Nachkommen jener älteren Familie vom Aaren, Wie zutreffend diese Vermutung ist, ergibt sich daraus, dass wir um dieselbe. Zeit auf den nahe gelegenen Gütern Lückerath und Broichen ebenfalls gleichnamige Familien finden, die als letzte Sprossen alter Geschlechter noch eine gewisse Vornehmheit zur Schau tragen 11).

Gegen die Mitte des 17. Jahrhunderts tauchen aber dann in den Urkunden Halfenfamilien zu Kippekausen auf, die ursprünglich andere Namen tragen, sich aber teilweise auch später .<95>r nach dem Gute genannt haben. So tritt um 1650 Henrich Kippekausen in den Gerichtsbüchern des Amtes Porz - Bensberg 12) als Schöffe des Obergerichts zu Bensberg auf. Er ist aber nur Halfmann zu Kippekausen und schliesst als solcher bereits 1635 den 14.12, einen Grundstückstausch mit dem Scheffen Wintgens zu Merheim ab 13). 1661 ist er gestorben, se _n Grabkreuz auf dem Friedhof zu AltRefrath nennt ihn Henrich, Halfmann zu Kippekausen. Scheffen des Obergerichts Bensberg. Am 11.10.1665 heiratet sein Sohn Clas Kippekausen die Tochter Christine der lutherischen Eheleute Henrich und Richmoth Steinstrass zu Lückerath 14).x) er Nachfoger des Halfen Heinrich zu Kippekausen ist Jacob Schmalzgrub 15 dessen Nachfolger Mathias Ludemans 16 und diesem wiederum folgte Peter vom Benningsfeld, der nach seiner Grabkreuzinschrift 1709 den 12.3, starb,

 

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Wer aber der Eigentümer von Kippekausen und der Verpächter jener Halbwinner damals gewesen ist, ist nicht zu ersehen. Ob der Obergerichtsschöffe Heinrich ursprünglich noch Besitzer von Kippekausen war, es aber veräusserte und dann als Halfen darauf zurück blieb, ist nicht unwahrscheinlich. Man könnte es daraus schliessen, dass sein ursprünglicher Name in den Urkunden nicht hervortritt und sein Sohn sich lediglich " Kippekausen " nennt und nach Lückerath übersiedelt. Einen Fingerzeig kann man wohl aus Folgendem entnehmen. 1600 auf St. Lorenztag (5. September) errichten Engel zu Kippekausen und Lisbeth, seine Hausfrau, eine Schuldverschreibung. Als Zeuge fungiert Effert zu Kippekausen 17). 1624 wird anscheinend derselbe 18' ) Engel zu Kippekausen zusammen mit Johann zu Weyer aus Bensberg Pate 1" . Diese Patenschaft in Verbindung mit einem Angehörigen der vornehmen Familie Weyer legt die Vermutung nahe, dass Engel dem gleichzeitigen Engel zu Lückerath, der das Gut Broichen besass und eine von Zweifel zur Frau hatte, nahe steht 19). Das Gut Broichen gelangte aber über die Familien Zweifel, Frentz und Reuschenberg durch Kauf an den Kölner Bürgermeister Philipp Jacob Josef von Kerich, dessen Tochter er, an ihre Nichten, die Geschwister zum Pütz in Köln, vererbte, die es mit dem ebenfalls von Kerich ererbten Rittersitz Saal am 15. Mai 1779 für 740 Karolinen oder Schild-Louisd'or an die drei Geschwister Siegen verkauften 20). In dem Nachlass des Erben der Geschwister Siegen, des Gutsbesitzers Bernhard Eyberg zu Steinbreche, findet sich 1846 ausser Saal und Broichen auch Kippekausen in einer Grösse von 169 Morgen 21). Dies legt die Schlussfolgerung sehr nahe, dass das Gut von 1600 an einen ähnlichen Besitzer wechsel wie Broichen durchgemacht hat.

Bis zu dem Erwerb der, Gutes durch die Geschwister Siegen muss allerdings eine genauere Aufklärung durch weiteres urkundliches Material abgewartet werden.

1 Kurf. Carl Phil. v. d. Pfalz belehnt als Herzog von Berg am 14. April 1717 den Joh. Heimrich ;litten u. den Ferd. Scheiding mit je einer Halbscheid dieses Gutes. Orig. Per;, ohne Siegel im Besitz des Gutsbesitzers Ollig zu Lülsdorf.

2) Um 1600 im Besitze der Witwe des Bertram Pampus, Gütereinteilung im Fürstentum Berg, Nachlass Fahne C-9 fol. Stadtarchiv Köln.

3) Ein ähnlicher im Walde versteckter Burghügel ist mir bei dem Blumshof in Unter-Penningsfeld aufgefallen., Auch hier wird wohl erst, wie bei Kippekausen, der Spaten die letzten Rätsel hinsichtlich der Entstehungszeit lösen.

4) Urkunde Nr. 7305. Sta. Köln.

5) Keussen, Matrikel der Universität Köln, 4. 2.. Urk. Nr. 7573 Sta. Köln. 6) Bendel, Heimatbuch d. Landkr. Mülheim a. Rh. ;. 172.

7 unter Merheirn. 3 Bendel, Geschichte der Stadt Mülheim a. 1913, .426, 494, 30. 9) Bützler, Geschichte von Kalk, 1910, S. 331.

10) vgl. darüber meinen Aufsatz im Nachrichtenblatt " Kölner Familienkunde ", Heft 1, 2, 1925, 26. 4

11) Lehngerichtsprotokollbuch Hungssieffen des Stifts St. Severin auf dem Stadtarchiv in Köln.

12) Staatsarchiv Düsseldorf.

13) Mülheim, Verschiedenes 1, Köln, Stadtarchiv.

14) Kirchenbuch Bensberg, Kopulierte, Stadtarchiv Köln.

15) 1663, 1664, Kb. Bensberg, Getaufte.

16) 1666 Pate, 1675 als tot erwähnt, kb. Bensberg, Getaufte und Kopulierte.

17) Mülheim, Verschiedenes 1, Köln, Stadtarchiv.

18) Kirchenbuch Bensberg, Getaufte, Stadtarchiv Köln.

19) vgl. meinen Aufsatz, die Ahnen Ferdinand Stückers, in Nr. 23 des " Guten Abend " Jg. 1928.

20) Lehngerichtsprotokollbuch Hungssieffen des Stifts St. Severin auf dem Stadtarchiv in Köln.

21) Bendel, Heimatbuch des Landkreises Mülheim a. "Rh. , 171.

Quelle: 
BGV-RB-196101