Die Burgruine Kippekausen




BERGISCHER GESCHICHTSVEREIN E.V.

ABTEILUNG: RHEINISCH-BERGISCHER KREIS

Heimatkundliche Schriftenreihe als Beilage zu den Abteilungsrundschreiben Nr. 8 - Januar 1961

Peter Bürling

Die Burgruine Kippekausen

Die Burgruine Kippekausen.

Peter Bürling

Diese Burg lag früher versteckt im westlichen Waldrand des Frankenforstes, jetzt mitten in der im Entstehen begriffenen Parksiedlung, die den Namen "Kippekausen" trägt. An diese Burgruine knüpfen sich viele von dem Heimatfreund Lehrer Beissel glücklicherweise gesammelte lagen, von denen Bendel uns einige in seinem "Heimatbuch" erzählt hat.

Bisher ist aus der Geschichte über diese Wallanlage nichts bekannt geworden, auch nicht, welchem speziellen Zweck sie gedient hat. Bendel schreibt in seinem "Heimatbuch" : "Die Errichtung von Wallburgen beschränkt sich nicht auf die vorgeschichtliche Zeit, auch in der frühgeschichtlichen Zeit sind solche gebaut worden In den Tagen der Normannen- und Ungarneinfälle und anderer kriegerischer Zeiten suchten die Bewohner in alten Wallburgen Schutz". Aber auch in der engeren Heimat war es sehr häufig unruhig. So schreibt Dr. P. Opladen ( Pfarre Bensberg ) : Im Jahre 1230 belagerte Erzbischof Heinrich I. von Molenarck mit den Kölnern vergeblich die Bensberger Burg ( was Refrath mit Kippekausen wohl nicht gut bekommen sein dürfte ), und Dr. P. Opladen weiter a. a. O. sinngemäss: Sein Nachfolger Konrad von Hochstaden ( der 1248 den Grundstein zum Kölner Dom legte ) verwüstete die um Bensberg gelegenen Dörfer, weil der Graf von Berg in Konrads Krieg mit Brabant auf der Seite von Brabant stand. Zu diesen verwüsteten Dörfern wird sicherlich auch Refrath und Kippekausen gehört haben.

Die Wallanlage war von einem doppelten Wassergraben umgeben; im Innern befand sich die ummauerte Hauptburg und südlich zwischen dem 1. und 2. Wassergraben die "Vorburg". Merkwürdigerweise lag direkt :-.n der Westseite der Gesamtanlage eine weitere Vorburg, ebenfalls von einem Wassergraben umgeben, deren westlicher zum Teil aus nicht deutbaren, aber deutlich erkennbaren stichartigen Wassergräben und Wällen bestand; diese Vorburg bildete mit der anderen Vorburg und der Hauptburg eine Einheit. Leider ist die westliche Vorburg dem jetzigen Strassenbau zum Opfer gefallen, ohne näher untersucht worden zu sein, Der Heimatverein Refrath bemüht sich hier nachträglich zu retten, was noch festzustellen ist.

Die Deutung des 1. Teils des Namens "Kippekausen" , auch als Kippickhausen oder Kippinghausen geschrieben; ist nicht ganz klar. Nach Dr. H. Dittmeier ( Zeitschrift des Bergischen Geschichtsvereins 1956 ) soll es kaum ein Stellenname "Kipp" (Spitze ) sein, eher ein Personenname "Kibicho", "kipihho". Nach der gleichen Quelle fallen die Siedlungen mit "hausen" in das 9. - 10. Jahrhundert. Erstmalig erscheint der Name in einer ` Quittung vom 13. 12. 1404 ( Dr., H. Dittmeier, gleiche Quelle und P. Joerres, Urkundenbuch des Stiftes St. Gereon zu Köln, Bonn o. J. (1893). Später finden wir den Namen mehrmals auf alten Refrather Grabsteinen, z. B. 1661. Ab dem 17. Jahrhundert liegen verschiedene Quellen vor, zum Teil ist die nachfolgende Geschichte Kippekausens bekannt; darüber später an anderer Stelle mehr.

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Am 30. 9. 1960 sprach Dr. Herrnbrodt, Landesmuseum Bonn, auf Einladung des Bensberger Heimatvereins über das Ergebnis des von ihm quer durch die südliche Vorburg gezogenen Testgrabens. Danach handelt es sich um eine Wehranlage vom Typ "Motte", der Vorstufe der Wasserburgen. Dieser Typ erstreckt sich von England über die Normandie, Flandern, Niederlande, ganz Deutschland bis nach Österreich:' Sie lagen meist in wasserreichen Niederungsge bieten, wo sich leicht mit der Anlage von Gräben und Überflutungszonen Annäherungshindernisse schaffen liessen. Die Erforschung dieser frühmittelalterlichen Wehrbauten sind für die Landes-, Wirtschafts und Sozialgeschichte von grosser Bedeutung "( Dr. Herrnbrodt ). Aus dem Testgraben schloss er, dass die Wehranlage Kippekausen in der 2. Hälfte des 9. Jahrhhunderts entstand und die südliche Vorburg noch im 13., 14. und bis zu Anfang des 15. Jahrhunderts bewohnt war. Die Hauptburg wurde bisher nicht näher untersucht.

Interessant ist, dass sich in der Nähe noch 2 Wallanlagen befinden (Beningsfeld und Saaler Mühle ), über die bisher nichts bekannt geworden ist.

Da sich der "Heimatverein Refrath" verpflichtete, einen erheblichen Teil der finanziellen Mittel zur Ausgrabung der Kippekauser Hauptburg aufzubringen, hat das Landesmuseum Bonn beschlossen, diese Ausgrabung im kommenden Sommer vorzunehmen.

Quelle: 
BGV-RB-196101